Die Lebenshilfe Südschwarzwald will mit dem Projekt Kompass erreichen, dass „Menschen mit einer wesentlichen Behinderung am Arbeitsleben teilnehmen können“ – sie sollen eine verloren geglaubte Perspektive erhalten. Um das Ziel zu erreichen, helfen Jobcoaches dabei, für die Teilnehmer wohnortsnahe, inklusive Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu schaffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Sven Eckert aus Häusern ist einer der vielen Teilnehmer, bei denen dies gelungen ist. Durch seine Beschäftigung im Bauernmarkt in Frohnschwand über das Projekt Kompass hat sein Leben wieder Struktur und Stabilität. Jobcoach Martina Gnädinger aus Höchenschwand und ihr Kollege Andreas Genter waren und sind ihm dabei eine wichtige Hilfe. Zusammen mit vier weiteren Kollegen der Lebenshilfe Südschwarzwald halten sie momentan zu 30 Teilnehmern den Kontakt.

Das könnte Sie auch interessieren

„Lebensstruktur, das braucht man, dass es einem gut geht“, sagt Sven Eckert. Auch seine Ärztin habe ihm geraten, wieder zu arbeiten. Er sei zwei Jahre in der Behindertenwerkstatt in Bad Säckingen tätig gewesen und habe dann eineinhalb Jahre nichts gemacht.Der gelernte Automechaniker steht im Bauernmarkt am Regal und erledigt seine Arbeit. Neben ihm stehen die vielen Säfte und Getränke auf dem Transportwagen, mit denen er die Regalböden befüllen wird. Seit Anfang des Jahres erledigt er zwei Mal in der Woche vormittags diese Arbeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Verbindung zu den Teilnehmern kommen oftmals über das Ambulante Betreute Wohnen der Caritas Hochrhein, die Arbeiterwohlfahrt, aber auch durch persönliche Empfehlungen zustande, berichten die beiden Jobcoaches. „Die kennen das Projekt und sprechen uns an“. Finanziert werde das Projekt über das persönliche Budget eines Teilnehmers, das dieser beim Landratsamt beantragen muss. Bevor jedoch jeden Monat Geld fließt, soll der Teilnehmer in einem selbstständig verfassten Motivationsschreiben erklären, warum er mitmachen möchte. Erst wenn die Genehmigung vorliegt, beginnt die gemeinsame Arbeit von Jobcoach und Kompass-Teilnehmer.

Das könnte Sie auch interessieren

Andreas Genter ist Sven Eckert bei einem Containerdienst zum ersten Mal begegnet. „Wir machen alle zwei Wochen in Tiengen und Albbruck mit den Teilnehmern Containerdienst, das heißt, wir sammeln Müll und den Unrat ein, der rumliegt“, sagt Genter. Diese Arbeit sei für ihn eine gute Gelegenheit gewesen, um den Menschen Eckert kennenzulernen, sagt der Jobcoach. Er habe dabei dessen Schwächen und Stärken erlebt und zum Beispiel erfahren, wie zuverlässig er ist.

Das könnte Sie auch interessieren

In so einer Vorlaufphase werde die Person genau betrachtet, sagt der Jobcoach. Denn davon hänge dann der weitere Weg ab. Gleichzeitig erfahre man von den unterschiedlichen Vorstellungen des Einzelnen, manche wollten lieber ins Büro, manche lieber handwerklich tätig werden. „Erst dann werden nach einem geeigneten Praktikums- oder Trainingsplatz gesucht, mit unserer Hilfe Bewerbungen geschrieben, ein kleines Training, wie man sich beim Vorstellungsgespräch verhält, durchgeführt und anderes“, berichten die beiden Jobcoachs Gnädinger und Genter. Sven Eckert habe sich gewünscht, in einem Geschäft Regale einzuräumen. Dass es im Bauernmarkt geklappt hat, freut Eckert besonders: „Ich habe es nicht so weit hierher, keine Viertelstunde mit dem Bus“. „Nachdem ich ihn anfangs täglich begleitet habe, wusste ich bei Herrn Eckert schnell, der kriegt das hin“, betont Genter.

Nun ist nur noch ein wöchentliches Vorbeischauen nötig. Nicht selten sei hingegen eine konstante Eins zu Eins Betreuung erforderlich. Natürlich seien für die Chefs der Betriebe Fragen wichtig, wie, welche körperliche Einschränkungen liegen vor, wie belastbar ist der Mitarbeiter, kann er heben, wie viele Stunden kann er arbeiten. Das werde im Vorfeld abgeklärt. Was auf keinen Fall ins Gespräch gehört, unterstreichen die Jobcoachs, seien Krankheitsbilder. Ihm haben die Lebenshilfe und das Projekt Kompass zunächst nichts gesagt, verrät der Geschäftsführer des Bauernmarktes, Thorsten Kappler, weshalb für ihn die Aufklärung durch Andreas Genter eingangs wichtig war. Der Trainingsvertrag wird nun noch bis Ende März laufen, dann gebe es ein Gespräch, bei dem entschieden wird, ob man ihn verlängert. „Bis jetzt macht Herr Eckert einen guten Eindruck, er ist super zuverlässig, hat Spaß an der Arbeit und es spricht alles dafür, den Vertrag zu verlängern“, bekräftigt Kappler.