Hinsetzen, einsteigen und mitfahren – die Existenz einer Mitfahrbank erleichtert Bürgern in entlegenen Ortsteilen, die ohne Auto sind, den Weg in den nächsten Ort. Auf Grund einer pfiffigen Idee des Heppenschwanders Reinhard Dilger, Kollegslehrer außer Dienst, steht seit ein paar Tagen eine Mitfahrbank in Höchenschwand, Ortsteil Heppenschwand, in der Bergstraße 6.

Was tun mit Baupaletten, die übrig sind?

Diese Frage stellte sich Reinhard Dilger, als seinen Enkelkindern das spielerische Bauen mit Paletten, die sie vom Nachbarn dafür erhielten, nicht so gelang, wie sie es sich vorstellten. Zum Entsorgen, fand Dilger, sind die Paletten zu schade. Gerade im ländlichen Bereich, überlegte er, dort wo keine Busse fahren, findet doch eine neue Idee immer mehr Anklang: die Mitfahrbank. Eine Mitfahrbank, dachte er sich, ist unkompliziert und verbindet Menschen und bietet denen, die kein Auto mehr fahren können oder keines haben, eine Möglichkeit vorwärtszukommen.

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„Ich sehe viele Leute, die auf den Bus möchten, denen man nicht als Autofahrer aufdringlich werden will. Sitzt aber jemand auf dem Bänkchen, denkt man als Fahrzeuglenker automatisch, derjenige möchte mitgenommen werden“, sagt Dilger. Der Entschluss, eine Mitfahrbank zu bauen, wurde geboren. Solch ein Gebilde hatte er schon mal bei einer Fahrradtour durch Belgien gesehen. Er hofft, mit dieser Mitfahrgelegenheit eine Lösung für seine Mitbürger zu bieten.

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Zielstrebig beginnt er die vorhandenen Paletten aufeinander zu setzen, schraubt sie zusammen und streicht das Holz. Drei Paletten dienen nun als Boden, eine als Lehne. Abschließend streicht er Sitzbank und Lehne in leuchtendrot. „Die Schrift „Mitfahrbank“ anzubringen, war nicht ganz einfach“, verrät er. Da lief ihm die Farbe immer wieder unter die ausgedruckte Schablone.

Für Bürger aller Generationen

Bürger aller Generationen, die kein Auto haben sind oder denen der Weg zu beschwerlich ist, sind deshalb willkommen, möchten sie von Heppenschwand aus weiterkommen. Sie können sich auf die Mitfahrbank setzen und darauf warten, von einem Autofahrer in den Ortskern, ins Einkaufszentrum, zum Arzt oder sonst wohin mitgenommen zu werden. „Da sich im Ort die Leute kennen, dürfte es möglicherweise unkompliziert sein, mitgenommen zu werden beziehungsweise jemanden mitzunehmen“, wünscht sich Dilger.

Es gibt keine Garantie

Wird sie jedoch nicht als Mitfahrgelegenheit genutzt, ist die Mitfahrbank mindestens eine Sitzgelegenheit, eine Ruhebank oder ein Ort, um das Gesicht in die Sonne zu halten. Im Kreis eines großen Steins und verschiedener Pflanzen, direkt an der Straße gut erreichbar platziert auf dem Grundstück Bergstraße 6, wartet sie nun auf Menschen, die kein Auto mehr fahren können oder keines haben und auf diese Weise mobil bleiben möchten. Aber: eine Garantie, mitgenommen zu werden, gibt es nicht. Es kann auch sein, dass man vergeblich auf eine Mitfahrgelegenheit wartet, daher sollten Mitfahrer, die das Angebot nutzen möchten, zeitlich flexibel sein.

Sicherheitsaspekt

Um den Sicherheitsaspekt müssen sich weder Fahrer noch Mitfahrer Gedanken machen. Wie Versicherungen auf ihren Homepages mitteilen, „kann der Tramper entspannt mitfahren. Eigenvorsorge ist unnötig. Warum? In Deutschland muss für jeden Pkw eine Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Darüber sind alle Haftpflichtansprüche Dritter – also auch die des Mitfahrenden – versichert“. Jetzt signalisiert die Bank am Haus der Familie Dilger: Nimmst du Platz, nehme ich dich mit.

Mitfahrbank

Eine Mitfahrbank oder Mitfahrerbank ist eine im öffentlichen Raum aufgestellte Sitzbank mit einem besonderen Zweck: Durch das Platznehmen auf dieser Bank signalisieren die Wartenden, dass sie auf eine spontane, kostenlose Mitfahrgelegenheit im Auto zu einem bestimmten Ziel hoffen.