Telemarkskifahren – eine nostalgische Abfahrtsskitechnik – gewinnt wieder an Bedeutung. Immer häufiger sieht man diese Art des Wintersports auf den Skipisten. Auch der geübte Skifahrer Rudolf Finsterwald aus Höchenschwand wurde vor mehren Jahren vom klassischen Alpinsportler zum Telemarkfahrer.

„Seit ich Telemarkskifahrer bin, bin ich nie mehr klassisch gefahren“, sagt Finsterwald. „Ich habe auf den Pisten vor 20 Jahren zum ersten Mal Telemarker gesehen und es hat mich damals schon total begeistert“, erinnert er sich. Fast lautlos pflügen die Telemarkskier des 66-Jährigen durch den Schnee, während er seine Ski nach vorne und hinten schiebt, um den Ausfallschritt zu betonen. Er atmet tief durch und schwärmt: „Man sieht sofort, wenn jemand Telemark fährt, vom Gleitgefühl und Gleichgewicht ähnelt es dem klassischen Skifahren allerdings sehr“.

Die Technik jedoch sei eine ganz andere und auf jeden Fall anstrengender, vergleicht er die Praxis des Fahrens. Dynamisch kontrolliert er die Schrittform, die ihre Ursprünge im Norwegen des 19. Jahrhunderts hat. Die Idee des Norwegers Sondre Norheim, mit freier Ferse, dem einen Bein im Ausfallschritt nach vorne, beim anderen das Knie in Richtung Ski gedrückt, hoch, tief, stets in diesem Stil zu fahren, wurde damals geschätzt und trägt noch heute den Namen von Norheims Heimatregion Telemark, ergänzt Finsterwald.

Als passionierter Skifahrer rät er: Er empfehle auch einem langjährigen Skisportler, das Telemarken mit einem Skilehrer und einem Einstiegskurs zu beginnen. Mit paralleler Skiführung, klassisch wedelnd elegant zu Tal zu schwingen, war das Ergebnis des einmal gelernten, üblichen Skifahrens. Für die Art des Telemarkens ließ sich Finsterwald zusätzlich zwei Wochen von einem Skilehrer schulen. Nach seinen ersten zwei Stunden ohne den erfahrenen Begleiter sei er dermaßen ermüdet gewesen, weil er kniend so fuhr, dass er am Ende beinahe nicht mehr die Kraft hatte, mit später die Verabredung mit einem Skilehrer einzuhalten. „Zumal ich mir in dieser kurzen Zeit noch falsche Dinge angewöhnt hatte“, meint er rückblickend.

Als ihn der Fahrstil des Telemarkens vor 20 Jahren begeisterte, habe er noch Fußball gespielt und habe ständig mit Knieproblemen zu kämpfen gehabt. Dennoch habe er immer davon gesprochen, die Kunst des Telemarkens lernen zu wollen. Die Rückmeldung eines Kollegen sei gewesen: „Du mit deinen Knieproblemen kannst das vergessen“. Doch seit dem ersten Winter als Telemarkfahrer seien diese Beschwerden weg, erzählt Finsterwald. Das schreibe er allein den dafür trainierten Kräftigungsübungen zu. Tatsächlich werde beim Telemarken sehr viel Spannung über die Muskeln erzeugt, was im Gegenzug dafür die Gelenke entlaste, erläutert der Telemarker.

Geschwindigkeit, Untergrund und nicht zuletzt auch der eigene Körper werden intensiv wahrgenommen. „Ich bin nie ein Raser gewesen, eher ein Genießer, und fahre gerne ein gemäßigtes Tempo“, berichtet Finsterwald. Steile Abfahrten meide er. Unter Umständen würden das gute Telemarker anders sehen und machen, aber seiner Meinung nach könne man das Gleiten beim Telemarken an einer Steilpiste nicht so genießen, sagt Finsterwald.