Zu einer Sitzung des CDU-Bezirksagrarausschusses Südbaden hatte die Vorsitzende Kordula Kovac am Samstag in das Gasthaus „Adler“ nach Strittberg eingeladen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Situationsberichte der Landwirtschaft durch die Staatssekretärin des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Friedlinde Gurr-Hirsch, des Präsidenten des Badisch Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) Südbaden, Werner Räpple, und die Vorstellung der Arbeitsgemeinschaft Höhenlandwirtschaft durch den Vorsitzenden des BLHV Waldshut, Oswald Trödle.

Regionalität

Werner Räpple begrüßte in seinem Bericht das Engagement der Landesregierung beim Thema Regionalität. In der abgelaufenen und laufenden Saison habe die ausländische Konkurrenz bei den Erdbeeren zu riesen Beständen geführt. Die verzögerten Ernteaktivitäten und Abvermarktungen hätten Qualitätsprobleme zur Folge gehabt, die zu Reklamationen und Rückflüssen bei den Waren geführt hätten. „Das Ergebnis bei den Erdbeeren war deshalb bescheiden, bei den Kirschen sogar katastrophal“, sagte Räpple. Beim Ackerbau sei der Sommer von Hitze und Trockenheit geprägt gewesen. Positiv sah Räpple hier den Vorstoß der Landwirtschaftsministerin für eine Dürrehilfe.

Tierfutter

Bei der Höhenlandwirtschaft nannte Räpple im Dürrejahr 2018 die Versorgung der Tiere mit Futter als zentrales Thema. Hier habe Futter dazugekauft werden müssen. In diesem Zusammenhang kritisierte Räpple ein besonders drastisches Beispiel von Bürokratie. So habe sich die Firma Jacoby Fruchtsäfte bereit erklärt, ihre Apfeltrester für die Fütterung zur Verfügung zu stellen. Bei der Verwendung dieser Abfälle auf Biobetrieben habe Jacoby allerdings die Trester reinigen und zusätzlich garantieren müssen, dass es sich um 100 Prozent Biotrester handelt. Standen aber bei Jacoby keine Biotrester zur Verfügung, hätten auch die Biobetriebe normale Trester verfüttern dürfen.

Nahrungsversorgung

Friedlinde Gurr-Hirsch sprach sich für eine Beibehaltung der bisherigen EU-Agrarpolitik aus. „Wir brauchen sie, um die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen, um die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen zu gewährleisten und um das Einkommen unserer Landwirte zu sichern“, sagte die Staatssekretärin.

Einkommen

Während die flächendeckende Ernährung und Landbewirtschaftung seit den Römischen Verträgen in den 1950-iger Jahren mehr als erreicht worden sei, gäbe es beim Einkommen der Landwirte immer noch Defizite. Seit 2004 seien deshalb die landwirtschaftlichen Betriebe von 66 000 auf rund 40 000 zurückgegangen. Vor allem junge Landwirte hätten häufiger in die freie Wirtschaft gewechselt.

Höhenbewirtschaftung

Zur Höhenlandwirtschaft meinte Gurr-Hirsch: „Die Höhenlandwirte bringen eine Leistung für die Biodiversität, die Offenhaltung der Landschaft.“ Es sei deshalb legitim, dass die Gesellschaft diese Leistung, die vom Markt nicht honoriert werde, entsprechend vergütet.

„Wenn wir Landwirtschaft in den benachteiligten Gebieten wollen, brauchen wir neben den Einkünften aus der Bewirtschaftung und der Umweltleistung (1. und 2. Säule) eine vom Markt zunehmend verbesserte Preissituation“, betonte sie. Da setze die Regionalkampagne der CDU an, die den Konsumenten in die Pflicht nehme, sagte Gurr-Hirsch.

Klimawandel

Ein weiteres Thema war die Auswirkung des Klimawandels auf die Landwirtschaft. Hier plädierte Gurr-Hirsch für eine Beteiligung an den Kosten für die Prämien der Risikoabsicherung durch EU, Bund und Land in einer Höhe von 50 Prozent.

Oswald Tröndle stellte die Arbeitsgemeinschaft Höhenlandwirtschaft vor. Die Mitglieder kämen aus den Kreisen Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach, Waldshut, Konstanz und Schwarzwald Baar. Der Arbeitskreis wolle nicht nur ein Sprachrohr für die Anliegen der Höhenlandwirtschaft, sondern für die Anliegen aller Landwirte in den benachteiligten Gebieten sein. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Förderungsmöglichkeiten der EU sprach sich Tröndle für eine Erweiterung für die Landwirte aus, die von den bisherigen Zuschüssen nicht profitieren.

Die Bewirtschaftung der kleinparzellierten Flächen in den benachteiligten Gebieten reiche für ein Auskommen der Landwirte nicht aus. Erschwerend kämen in diesem Dürrejahr die Probleme bei der Futterversorgung der Tiere hinzu. Tröndle begrüßte, dass das Land Baden-Württemberg eine Ausgleichszulage für die Landwirtschaft in Höhe von 30 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt habe.

Wolfsproblematik

In der abschließenden Diskussion wurden die Wolfsproblematik, die Auswirkungen der neuen Vorschriften zur Kastration von Schweinen oder die Kosten für die Unterhaltung des Wegenetzes diskutiert. Ein Landwirt stellte ein erfolgreiches Projekt einer Patenschaft für Rinder vor.