Viele Gäste aus Höchenschwand und Häusern kamen am Sonntag ins Haus des Gastes in Höchenschwand, um den Vortrag zum Thema „Bewohnter Urwald, Siedler und verschwundene Orte im mittleren Schwarzatal“ zu hören. Initiiert worden war die Veranstaltung von Georg Lebtig, dem Vorsitzenden des Schwarzwaldvereins Häusern. Referent war der 22-jährige Max Kefer, der im vergangenen Jahr zum Höchenschwander Einungsmeister gewählt worden war.

Der erst 22 Jahre alte Einungsmeister Max Kefer brachte den vielen Zuhörern die Geschichte des mittleren Schwarzatales nahe.
Der erst 22 Jahre alte Einungsmeister Max Kefer brachte den vielen Zuhörern die Geschichte des mittleren Schwarzatales nahe. | Bild: Stefan Pichler

Max Kefer ist ein profunder Kenner der Geschichte des Höchenschwanderbergs und der Grafschaft Hauenstein. Das wurde in dem einstündigen Vortrag deutlich. Bis ins elfte Jahrhundert, so Kefer, seien die Flächen zwischen Alb- und Schwarzatal dünn besiedelt gewesen. Erste Ansiedlungen wurden im Ortsteil Tiefenhäusern 894 urkundlich erwähnt. Der Ort Höchenschwand sei 89 Jahre später über den Bau einer Kirche und die Gemeinde Häusern durch den Bau der Wittlisbacher Höfe 1087 urkundlich erwähnt worden.

Versprechen für die Siedler

Angesiedelt hätten sich die Menschen, weil Klöster und Adlige sie anlockten – ihnen wurden Land, Wohlstand und Freiheiten versprochen, erzählte der Referent. Wichtigstes Gut war das Wasser. Die Rodungsbauern führten in der unkultivierten Wildnis ein hartes Leben, wie der Referent anhand einiger Beispiele zeigte. Die Herren von Tiefenstein, Tombrugg, Gutenburg, Leinegg, Krenkingen, Habsburg, Fürstenberg, Pappenheim und viele weitere Geschlechter waren beauftragt worden, die Ansiedlung zu überwachen und zu fördern.

Freiheiten der Grafschaft Hauenstein

Kefer ging auch auf die Freiheiten der zehn Einungen der Grafschaft Hauenstein ein, die um 1254 entstand. Dazu zählten unter anderem das aktive und passive Wahlrecht, das Jagd- und Fischrecht, die Gerichtsbarkeit oder die eigene Fiskalpolitik. Die Vogtei Höchenschwand habe als Verwaltungseinheit von 1254 bis 1832 bestanden und war bis 1596 Teil der Grafschaft Hauenstein. Dazu gehörten Höchenschwand, Häusern, Unterkutterau, Schmelze sowie Aussiedlerhöfe im Schwarzatal. Wirtschaftlich war der Silberabbau im Schwarzatal bis ins Mittelalter eine wesentliche Einnahmequelle, so Kefer. Erst nach der Entdeckung Amerikas wurde der Abbau unwirtschaftlich und daher eingestellt.

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Auch die Aussiedlerhöfe und Burgen im Schwarzatal beleuchtete der Referent: Als Beispiele nannte er das Mahler Höfle, den Baschnagelhof, die Muggenlochhöfe oder den Dumrighof im Leinegg. Der Scheuerhof sei 1970 als letzter Hof im Leinegg abgebrannt. Für die Gemeinde Häusern bedeutsam war das 1279 urkundlich erwähnte Rittergut Wittlisberg, das eine Schenkung an das Kloster St. Blasien gewesen sei.

1562 wurde das Draierhüsle auf Gemarkung Höchenschwand erstmals erwähnt. Das Wort „Draier“ stehe als Indiz für eine Sägemühle, erläuterte Kefer. Weiher und Brücken waren damals von strategischer Bedeutung. Die Familien Kaiser (Hüslebure) und Zumkeller betrieben die Mühle, die 1886 abgebrochen wurde.

Baugeschichte

1680 wurde die Gemeinde Schwarzhalden gegründet, 1830 habe dort Freiherr von Ulmenstein eine Zellulosefabrik aufgebaut. Die Gemeinde wurde 1880 aufgelöst und die Höfe an den Staat verkauft. Der Blick auf die Geschichte war umfassend mit dem Bau der ersten Brücke im Schwarzatal 1669, den Renovierungen 1776, 1835 und 1920 und dem Bau der Schwarzatalsperre 1929 bis 1931. Wichtiger Rohstoff war das Holz, sagte Kefer, da im 17. und 18. Jahrhundert große Eisengießereien in Gutenburg, Albbruck und Rheinfelden entstanden waren. Es wurde in der Alb und Schwarza talabwärts geflößt.

Wegen der schwierigen Bewirtschaftung wurden zwischen 1850 und 1950 die meisten Höfe im Schwarzatal abgebrannt oder abgerissen. Bis auf den Baschnagel Hof existiere keiner mehr, schloss Kefer. Viel Applaus erhielt der junge Einungsmeister. Auch sein Vorgänger Werner Rautenberg war begeistert: Trotz seines Alters wisse Kefer schon mehr über die Geschichte der Grafschaft Hauenstein als er selbst.