Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, darunter Weggefährten und Freunde, fand die Abdankungsfeier für Friedrich (Seppl) Bettinger in der Pfarrkirche St. Michael in Höchenschwand statt. Die kirchliche Feier wurde von den Jagdhornbläsern aus Höchenschwand und St. Blasien sowie von der Organistin Franziska Rogg musikalisch umrahmt. Nach einem erfüllten Leben war Friedrich Bettinger bereits am 26. Juli im Alter von 92 Jahren gestorben.

Ein bedeutendes Stück Kurortgeschichte endet

Ehrenbürger und Altbürgermeister Werner Rautenberg erinnerte in seinem Nachruf an das Leben und Wirken des Höchenschwander Arztes. „Mit dem Tod von Dr. Friedrich Bettinger, von allen Freunden nur 'Seppl' genannt, endet ein bedeutendes Stück Kurortgeschichte. Wie sein Vater, Dr. Wilhelm Bettinger, dem medizinischen Vater des Kurortes Höchenschwand, hat sich auch Dr. Friedrich Bettinger in vielfacher Weise um seine Heimatgemeinde verdient gemacht." Er sei eine hoch angesehene Persönlichkeit und als leitender Augenarzt eine weithin anerkannte Kapazität gewesen.

Umfassende Bildung

Er sei gebildet im klassischen Sinne gewesen, ein Feingeist mit umfassendem kulturellem Wissen, ob in der Musik oder den bildenden Künsten. Bettinger sei aber auch das Gedächtnis des Kurortes Höchenschwand gewesen, über dessen Geschichte er alles gewusst habe. Standesdünkel seien ihm fremd gewesen. Er habe mit dem Waldarbeiter im Dialekt geplaudert und mit hohen Persönlichkeiten auf Augenhöhe gesprochen. Als Kurarzt habe er die Terrainkurwege für die therapeutische Nutzung im Heilklima der Gemeinde neu bewertet und beschrieben. Seine fachärztlichen Vorträge hätten zum Höchenschwander Kurprogramm gehört.

Gesellige Abende in der Jagdhütte

Freundschaft sei für Seppl Bettinger etwas äußerst Wichtiges gewesen. Er denke oft an die wundervollen Abende in der Bettinger Jagdhütte, wenn dieser die Gitarre geholt und die alten Lieder gesungen habe, sagte Rautenberg. Einer Würdigung und einem Rückblick auf das Leben von Friedrich Bettinger würde aber etwas Wichtiges fehlen, käme die Jagd nicht zur Sprache.

75 Jahre lang Jäger

Schon der Vater war Jäger, die Mutter Elfriede sei eine der ersten Jägerinnen weit und breit gewesen. Friedrich Bettinger sei ein Waidmann ohne Fehl und Tadel gewesen. Jahrzehnte lang war er Mitpächter der Tiefenhäusener Jagd. Viele Jahre übte er das Amt des Hegeringleiters in Höchenschwand aus. Vom Kreisverein Badische Jäger sei er zudem für sage und schreibe 75-jährige Mitgliedschaft geehrt worden.

Herausragender Platz in der Geschichte

Nun habe sich ein wahrhaft erfülltes und wertvolles Leben vollendet. Bettinger werde in der Geschichte des Kurorts einen herausragenden Platz einnehmen. Im Herzen seiner Familie und seiner Freunde werde er in dankbarer Erinnerung eine bleibende Heimat besitzen.“

Großes Engagement für die Fasnacht

Ehrenzunftmeister Thomas Kaiser würdigte das Engagement von Seppl Bettinger in der Höchenschwander Narrenzunft. So sei Bettinger 1964 Mitglied geworden und habe darüber hinaus von 1965 bis 1971 das Amt des Zunftmeisters innegehabt. Auch danach habe er noch einige Zeit dem Narrenrat angehört. Bettinger habe den damals im Ort praktizierten rheinischen Karneval nicht gemocht und habe sich dafür eingesetzt, dass sich die Narrenzunft auf die alemannischen Wurzeln besann und das Brauchtum der Region wieder aufleben ließ. Unvergessen seien die Schnitzelbänke von Seppl Bettinger, wenn er mit Gitarre und Gesang die Begebenheiten des Dorfes auf Korn genommen habe.