Gretl Wollenzien (89) betreibt in Höchenschwand seit Mai 2015 eine Spendenstube. Über den Erlös unterstützt sie ein Projekt der "Steyler Mission" auf den Philippinen. Ihr Ziel ist es, neben der Miete, einen Spendenbetrag von monatlich 100 Euro zu erwirtschaften.

Sich um andere zu kümmern, sei das Leitmotiv ihres bisherigen Lebens gewesen, erzählte Gretl Wollenzien. So habe sie zusammen mit ihrem Ehemann Dietrich (87) während ihrer gesamten Berufszeit verschiedene Häuser der Diakonie, wie etwa die "Bergische Diakonie" in Wuppertal, geleitet, wo sie sich um Kinder sozialer Randgruppen kümmerten. Auch nach ihrem Umzug nach St. Blasien im Jahre 1970 kümmerte sich das Ehepaar bis zum Ruhestand im Jahre 1993 um bedürftige Kinder.

Aber auch neben ihrem Beruf hatte sich Gretl Wollenzien für verschiedene soziale Projekte engagiert und übernahm beispielsweise die Patenschaft für ein zweijähriges Kind in Goa und unterstützte es bis zu dessen 18. Geburtstag mit monatlich 24 Euro. "Für diesen vergleichsweise geringen Betrag konnte dieses Kind die Schule besuchen und danach studieren. Heute arbeitet das Mädchen als Erzieherin", freut sich die Rentnerin.

Im Jahr 2000 verkaufte das Ehepaar sein Haus in St. Blasien und zog in eine kleine Wohnung nach Höchenschwand. "Damals war ich 80 Jahre alt und mir wurde es einfach zu viel, das große Haus zu bewirtschaften", erinnerte sich Gretl Wollenzien. Schon damals hatte sie, immer zur Weihnachtszeit, in Höchenschwand verschiedene Spendenstuben eingerichtet, wo sie Dinge ihres Hausstandes, aber auch als Spenden abgegebene Accessoires anbot. Den Erlös spendete sie damals noch für Projekte in Armenien.

Gretl Wollenzien engagiert sich auch noch im hohen Alter für sozial Benachteiligte. Auf unserem Foto zeigt ein gespendetes Glas.
Gretl Wollenzien engagiert sich auch noch im hohen Alter für sozial Benachteiligte. Auf unserem Foto zeigt ein gespendetes Glas. | Bild: Stefan Pichler

Im Jahr 2015 sah Gretl Wollenzien einen Film der Steyler Mission über die "Müllkippen-Kinder" auf den Philippinen. Das Schicksal dieser Kinder habe sie sehr berührt und sie habe sofort daran gedacht, diese zu unterstützen. So richtete sie in dem damals leerstehenden Ladenlokal gegenüber dem Hotel "Alpenblick" eine Spendenstube ein. Angeboten habe sie wie bei früheren Spendenstuben Dinge ihres Hausstandes wie Geschirr, Bettwäsche, Gemälde oder Möbel. Sie sei aber auch von Privatleuten beliefert worden, erzählte die Rentnerin. Besonders erinnere sie sich an einige Urlauber aus der Schweiz, die gleich sechs Kartons mit wertvollem Hausrat in der Spendenstube abgegeben hatten. In nur drei Wochen seien so 1320 Euro umgesetzt worden, die sie nach Abzug der Miete an die Steyler Mission habe spenden können. Die Spendenstube sei kein Verkaufsladen, denn alle Dinge würden ohne einen Preis angeboten. Sie überlasse es ihren Kunden, für welchen Spendenbetrag sie die einzelnen Gegenstände mitnehmen würden, betonte die Rentnerin.

Leider sei das Anwesen mit dem Ladenlokal im Oktober 2015 verkauft worden und sie habe sich nach einer neuen Bleibe umzusehen müssen. Durch Unterstützung einiger Höchenschwander Bekannter sei sie dann auf den leerstehenden, ehemaligen Friseurladen der Fachkliniken Sonnenhof aufmerksam gemacht worden. Der Geschäftsführer habe ihr freundlicherweise den Laden für eine geringe Miete überlassen, so dass sie am 1. Februar 2016 ihre Spendenstube dort eingerichtet habe.

"Ich bin noch voller Elan und freue mich, dass ich auch in dem neuen Laden durch die Bevölkerung, aber auch durch Kurgäste und Touristen unterstützt werde. So kann ich weiterhin schöne Dinge, die noch zu schade zum Wegwerfen sind, anbieten und durch den Erlös den Kindern auf den Philippinen helfen", sagt Wollenzien.