Bero von Säckigen zeigte am vergangenen Sonntag die Kunst der Heftelmacherei im Herrischrieder Klausenhof. Von Säckingen, eine militärische Kunstfigur aus dem beginnenden 16. Jahrhundert, wird seit zehn Jahren von Bernd Seiderer dargestellt. Mit der Zeit widmete er sich auch der Heftelmacherei. Zum Teil aus Not, da seine historischen Gewänder von authentischen Haken gehalten werden sollten, die es so nicht zu kaufen gab, aber auch aus Interesse am Handwerk.

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Heftel- oder auch Haftelmacher waren zum Beispiel für die Herstellung von Haken und Ösen, Nadeln und Schließen zuständig. In der Regel wurden Messing- und Bronzedrähte für die Arbeit verwendet, die beim Drahtzieher bezogen wurden. Allerdings musste der Draht noch auf die benötigte Dicke nachgezogen werden. Hierfür nahm man Steine mit verschieden Bohrungen, durch die der Draht gesteckt und dann mit einer Zange gezogen wurde. So konnte man den Querschnitt zehntelmillimeterweise verkleinern und erreichte, dass der Draht zäher wurde.

Heftelmacherkunstwerke – viele Dinge die für uns heute Centartikel sind, waren dazumal handgefertigte Einzelstücke.
Heftelmacherkunstwerke – viele Dinge die für uns heute Centartikel sind, waren dazumal handgefertigte Einzelstücke. | Bild: Peter Koch

Die Produkte des Heftelmachers fanden Anwendung beim Schließen von Kleidungsstücken, als Gürtelschließen oder auch als Nähnadel und beim Militär. Dort verwendeten Soldaten kleine gedrehte Nadeln zum Reinigen der Bohrungen, die den Zündfunken zum Schwarzpulver transportierten. Noch heute werden zum Beispiel Dirndl oder auch Büstenhalter mit Haken geschlossen.

Für die Herstellung einer einfachen Nadel seien nach dem Ziehen des Drahtes noch mindestens vier Arbeitsschritte nötig gewesen, erläutert Seiderer und demonstriert es: Grobschliff der Nadelspitze mit der Feile, Schliff auf grobem Sandstein, Schliff auf feinem Sandstein und Polieren mit feinem Sand, der auf einem ölgetränkten Lederstück haftete. Der Heftelmacher musste in feinsten Arbeitsschritten exakte Bögen mit demselben Durchmesser biegen, damit alle Werkstücke gleich aussahen, das geboten das Handwerk und die Berufsehre. Von dieser diffizilen Arbeitsweise kommt die bekannte Redensart: „Aufpassen wie ein Heftelmacher.“

Von Bero von Säckingen hergestellte Haken zum Schließen von Kleidung.
Von Bero von Säckingen hergestellte Haken zum Schließen von Kleidung. | Bild: Peter Koch

Dinge, die heute achtlos konsumiert und wieder weggeschmissen werden, waren damals wertige Gegenstände, die man nicht selten extra anfertigen ließ. Teilweise wurden Haken und Ösen im Spätmittelalter dann durch Knöpfe ersetzt, dennoch hielt sich das Handwerk lange und wurde erst mit der Industrialisierung und der daraus resultierenden Massenproduktion überflüssig.

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Die Hochburg der Heftelmacherei in Deutschland sei die Stadt Nürnberg gewesen, erklärt Seiderer, millionen Nadel und Haken seien von dort über Italien in die Welt verschifft worden.

Feinste Arbeitsschritte musste der Heftelmacher ausführen. Genauigkeit und Präzision waren wichtig und Berufsehre.
Feinste Arbeitsschritte musste der Heftelmacher ausführen. Genauigkeit und Präzision waren wichtig und Berufsehre. | Bild: Peter Koch