Die Fichte hat in Herrischried keine Zukunft. Mit Einnahmen aus dem Wald wird die Gemeinde die nächsten zehn Jahre nicht rechnen können. Dies wurde bei einer Waldbegehung der Herrischrieder Gemeindevertreter deutlich. Revierförsterin Franziska Gottstein erläuterte zusammen mit ihren Kollegen, Forstbezirksleiter Markus Rothmund, die Lage des Kreiswaldes und speziell die Lage des Gemeindewaldes. Neben Bürgermeister Christian Dröse und Gemeinderätin Nicole Allgaier waren Christine Kaiser für das Bauamt, die Ortsvorsteher Paul Schlageter (Niedergebisbach) und Ewald Stoll (Rütte), der Leiter des Kreisforstamtes Helge von Gilsa sowie für den Landkreis der Leiter des Dezernates 3, Jörg Gantzer erschienen.

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Rothmund zeigte die Klimaentwicklung der letzten Jahre auf, die zur aktuellen Borkenkäferproblematik geführt hätten. 2015 seien, zum ersten Mal seit Menschengedenken, Quellen südlich des Belchen versiegt, berichtete er. Auch in Herrischried habe die damalige Trockenheit zu solchen Effekten geführt. Seit diesem Jahr habe es eine spürbare Entwicklung gegeben, durch die extrem trockenen und heißen Jahre 2018 und 2019 begünstigt, die zu einer massiven Borkenkäfervermehrung geführt habe, die sich nun schon im dritten Jahr in Folge durch den Verlust großer Fichtenbestände zeige.

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Diese Situation gab es noch nie, warf Kreisforstamtsleiter Gilsa ein. Bisher hätten Forstwirte mal ein Käferjahr gehabt, aufgeräumt und anschließend den Betrieb wieder aufgenommen. Das man nun schon drei Jahre hintereinander dieselbe Problematik habe und das in ungebremster Entwicklung, sei neu, so Gilsa.

Zu den forstwirtschaftlichen Schäden kämen noch die nötigen Arbeiten zur Wegesicherung, die drängend und teuer seien, erklärte Gilsa. Allein 5000 Bäume, die potenziell gefährlich seien, müssten im Bereich des Kreisforstamtes beseitigt werden. Nicht eingerechnet und bekannt seien die Bäume, die aus dem Privatwald heraus die Verkehrswege bedrohen würden. Gilsa mahnte an, dass alle Privatwaldbesitzer sich die Gefahr bewusst machen und professionelle Hilfe, wie zum Beispiel den Verkehrssicherungstrupp des Kreises, in Anspruch nehmen sollten. 80 Prozent der Privatwaldbesitzer seien unregelmäßig oder gar nicht im Wald und viele Schadbäume bisher nicht bekannt, bestärkte Rothmund die Aussage Gilsas.

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Bekannt sei, so Rothmund, dass 32.000 Hektar Fichtenbestand im Bereich des Kreisforstamtes vorhanden sei. Die Hälfte davon sei akut gefährdet und 4000 Hektar seien bereits verloren. Wenn man früher davon ausging, dass Fichten über 800 Meter sicher seien, so müsse man jetzt sagen, dass diese Grenze wohl auf über 1000 Meter Meereshöhe verschoben werden müsse, wenn man die mögliche Durchschnittstemperaturentwicklung bis zum Jahr 2100 berücksichtige. 2100 werde aller Voraussicht nach auf dem Herzogenhorn eine Durchschnittstemperatur herrschen, wie sie aktuell in Oberschwaben vorliege. Damit fällt die Fichte für die Gemeinde Herrischried, die Höhenlagen bis 1050 Meter aufzuweisen hat, als Neupflanzung aus.

Douglasie als Zukunftsbaum

Ein Zukunftsbaum sei die Douglasie, erklärt Gottstein, im Revier gehe man nun so vor, dass gerodete Flächen zunächst zwei Jahre still liegen würden, dass beuge dem Befall der Neupflanzungen durch Schädlinge, wie zum Beispiel dem Rüsselkäfer, vor. Nach zwei Jahren werde Bestand aufgenommen, was wild entstanden sei. Häufig seinen Bergahorn, Buche, Weißtanne und weiter Arten dann schon vorhanden und es könne mit Douglasien ergänzt werden. Ziel sei es einen stufig gewachsenen und artendurchmischten Wald zur bekommen, der dann klimastabiler und weniger anfällig sei, so Gilsa. Für das kommende Jahrzehnt werde der Wald als Einnahmequelle für die Gemeinden ausfallen, im Jahrzentmittel hoffe man, eine schwarze 0 als Betriebsergebnis erzielen zu können, stellte Rothmund in Aussicht.

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