Eine „super hochkarätige Besetzung“ versprach Alexander Frangenheim den Gästen, die zu dem von ihm organisierten Konzert mit zeitgenössischer Improvisation in die Rotmooshalle nach Herrischried gekommen waren. Dabei verriet er, dass dieser Abend auch für ihn selbst eine Überraschung sein werde. Durch Terminverschiebungen und Absagen war aus mehreren Duos eher zufällig ein Quintett entstanden mit Lauren Newton (Stimme), DJ eRikm (Elektronik), Roger Turner (Perkussion), Michel Doneda (Saxophon) und eben Alexander Frangenheim selbst am Kontrabass.

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Den Anfang machten allerdings zwei kleinere Besetzungen, nämlich zunächst die Sängerin und das Saxophon, dann der DJ zusammen mit Kontrabass und Schlagwerk. Der Rest des Abends gehörte dann allen fünf Improvisationskünstlern gemeinsam. Dabei schafften sie es bewundernswert, miteinander zu kommunizieren, einen gemeinsamen Atem zu finden und Struktur aufzubauen. Faszinierend, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten Saxophonist Doneda fand, sein Instrument mit Dämpfern zu bestücken, wie er seine technische Palette ausreizte von bloßen Windgeräuschen und dem Klopfen mit den Klappen über die ganze Vielfalt an Pfeif- und Quietschlauten bis hin zum klar definierten Ton.

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Beinahe noch variantenreicher gestaltete Lauren Newton ihre stimmlichen Fähigkeiten. Roger Turner bewegte sich zwischen seinen Becken, Schlägeln und einer Vielzahl von perkussiv nutzbaren Gegenständen hauptsächlich auf leisen Pfoten im Hintergrund. Schier unerschöpflich schienen die klanglichen Möglichkeiten, die Spielereien mit Hall, Wiederholungen oder orgelpunktartig gehaltenen Tönen sowie an- und abschwellender Dynamik bei DJ eRikm. Kontrabassist Frangenheim schließlich wechselte nicht nur virtuos zwischen Bogenstrich und gezupften Saiten, benutzte nicht nur den Resonanzkörper seines Instruments für Geräuscheffekte, sondern spannte etwa einen Trommelschlägel zwischen die Saiten und versetzte ihn in Schwingungen.

Die fünf Improvisationskünstler nutzten die Möglichkeiten ihres Instrumentariums in einer Weise, wie sie in herkömmlichen Konzertprogrammen zu vernachlässigen, wenn nicht gar unerwünscht ist. Dennoch entwickelten auch diese spontan entstehenden Stücke Dynamik, Dramatik, Spannungsmomente und Erzählcharakteristika. Im ersten Duo etwa begann die Stimme mit Behutsamkeit, steigerte sich über teils freudige, teils sehnsüchtige Passagen zur Klage, in die das Saxophon einstimmte, bis die Beiden nahezu ihre Wesenheit austauschten, die Stimme zum Instrument wurde und umgekehrt.

Ganz im Gegensatz zu diesem fast intimen Zwiegespräch wirkte das folgende Trio explosiv, nervös, getrieben, wobei auch hier die musikalische Interaktion, das subtile aufeinander Hören faszinierte. Diese hohe Kunst der Kommunikation erwies sich nochmals intensiviert in den anschließenden, von allen fünf Musikern gemeinsam improvisierten Stücken. Mit Pausen durchsetzte Einzelereignisse klangen da ebenso präzise formuliert wie außerordentlich verdichtete Passagen. Solo- und Tuttiabschnitte ließen sich vernehmen, oder es überraschte plötzliche, beinahe magische Stille, gefolgt von heftigen Ausbrüchen.

Vornehmlich das erste Stück nach der Pause bescherte den Zuhörern eine herrliche Eröffnung mit dem einander förmlich anschmachtenden Paar von Stimme und Kontrabass, zu dem die drei übrigen Musiker eine beruhigende Hintergrundatmosphäre zauberten. Dagegen entwickelte in der letzten Improvisation des Abends die in Form langgehaltener hoher Töne aufgebaute Beziehung zwischen DJ und Saxophon, unterlegt mit einem an einen barocken Basso Continuo erinnernden Basslauf zusammen mit dumpfen Doppelschlägen auf der Trommel eine geradezu schauerliche Wirkung.