Alexander Frangenheim konnte auf einen gut gefüllten Wagenschopf im Klausenhofareal in Großherrischwand blicken bei der Begrüßung zu seinem zweitägigen Festival Zeitgenössische Musik. Dieses unter dem Label „Concepts Of Doing“ firmierende Festival der Freien Improvisation kann auf eine langjährige Geschichte zurückgreifen, in Herrischried fand es in diesem Jahr zum zweiten Mal statt.

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Der Initiator Frangenheim bedankte sich für dessen Zustandekommen nicht nur bei seinen unermüdlichen Helfern vor Ort, sondern ausdrücklich auch bei Pfarrer Stahlberger, der trotz paralleler eigener Veranstaltungen spontan seine Unterstützung zugesagt und damit wesentlich zur Ermöglichung quasi in letzter Sekunde beigetragen hatte. Das abwechslungsreiche Programm am Freitagabend bestand aus drei Teilen. Zunächst erklangen vier Sopransaxofone, danach waren zwei E-Gitarren zu hören, und schließlich betraten ein Pianist und eine Geigerin die Bühne.

Die vier Saxofonisten Urs Leimgruber, Hans Koch, Christian Kobi und John Butcher, die drei Erstgenannten aus der Schweiz, der Vierte im Bunde aus Großbritannien, begannen ihre Performance mit leisen Flatter- und Luftgeräuschen, in die sich allmählich einzelne kurze Töne mischten, Vogelrufen gleich, denen weitere Rufgesten antworteten, sich zum Klang verdichteten, zur intensiven Klangballung führten, die abrupt wieder abbrach, skurrilen Melodiefetzen Platz machte.

Beim Improfestival am Klausenhof als Erste am Start, das Saxofonquartett aus Hans Koch, Christian Kobi, Urs Leimgruber und John Butcher (von links).
Beim Improfestival am Klausenhof als Erste am Start, das Saxofonquartett aus Hans Koch, Christian Kobi, Urs Leimgruber und John Butcher (von links). | Bild: Karin Steinebrunner

Mitunter im Duo kommunizierend, meist aber zu viert, entwickelte in der Regel ein Spieler eine Idee, die von den Partnern aufgegriffen wurde, wobei wiederum ein anderer aus dem Quartett sie weiterspann und in einen neuen Klangbereich überführte, dem dann wiederum die drei Übrigen nachfolgten. Dabei nutzten sie alle erdenklichen Blastechniken vom kurzen, knackigen Anstoßen bis zum schrillen Überblasen, von verhallten Echos bis zu in sich vibrierenden, lang gehaltenen Ostinati. Auch Hilfsmittel wie Dämpfer oder unterschiedliche Mundstücke kamen zum Einsatz.

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Die beiden Gitarristen Sascha Henkel und Flo Stoffner, der eine vom Bodensee, der andere aus der Schweiz, nutzten den Kontrast von Halleffekten und spitz mit dem Plektrum angerissenen Tönen, wobei Sascha Henkel noch zusätzliche sphärische Klangräume erschloss mit seiner selbstgebauten, magisch ohne direkte Berührung schwingenden Gitarre oder durch ein unter den Steg geklemmtes Holzstäbchen ganz trockene, gedämpfte und gleichzeitig virtuose Akkordmelodien einstreute. Stoffner bereicherte das Zusammenspiel mit Flageoletts, Tapping-Effekten, ostinaten Figuren, Glissandi und direkt an den Wirbeln erzeugten extrem hohen Tönen.

Die Gitarristen Sascha Henkel (links) und Flo Stoffner bestritten den zweiten Festivalbeitrag am Freitagabend.
Die Gitarristen Sascha Henkel (links) und Flo Stoffner bestritten den zweiten Festivalbeitrag am Freitagabend. | Bild: Karin Steinebrunner

Der spanische Pianist Agustí Fernández und die in Großbritannien aufgewachsene Geigerin Yasmine Azaiez kommen deutlich von der klassischen Instrumentalausbildung her. Ihre Performance umfasste sowohl rasant virtuose, in sozusagen herkömmlichen Klangmustern schwelgende Partien als auch stark geräuschhafte Passagen. Dabei faszinierte sowohl die pianistische Fingerfertigkeit als auch die ausgefeilte Bogentechnik der Geigerin.

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Zum Spiel mit diversen den Klang dämpfenden oder verzerrenden Gegenständen im Innern des Flügels beispielsweise traten so intensiv gestrichene Glissandi, dass eine ganze Reihe von Bogenhaaren rissen, zum furiosen Klangrausch auf den Tasten erklangen spitze Pizzicati, alles kongenial aufeinander abgestimmt und in sich vollkommen stimmig. Fernández spielte sich in dem reichlich unterkühlten Wagenschopf so warm, dass er eine um die andere Jacke fallen ließ und antwortete mit geradezu schelmischem Vergnügen auf die Einfälle seiner Partnerin, wobei man das Gefühl nicht los wurde, dass die Beiden sich auf geniale Weise gemeinsam an einem unterschwelligen Rhythmus und Metrum orientierten. Für ihren großartigen Beitrag wurden sie von dem mit eigens bereitgehaltenen Decken ausgestatteten Publikum enthusiastisch gefeiert.