Bis 2025 könnte es dauern, bis auch die letzten Herrischrieder Haushalte am Glasfasernetz angeschlossen seien, vermutet Max Arzner, der mit seiner Firma HFO Fiberoptik die Planung für das Herrischrieder Glasfaserortsnetz übernommen hatte.

„Der Gemeinderat muss entscheiden, in welchen Ortslagen mit dem Ortsnetzausbau begonnen wird. Die ersten Bürger werden vermutlich schon 2021 davon profitieren können. Aber das sind Kilometer, die da verlegt werden. Ich rechne damit, dass es drei bis vier Jahre dauern kann, bis jeder Haushalt in Herrischried angeschlossen ist“, so Arzner.

Die Leerrohre für das Glasfasernetz tief verschneit, akutell müssen die Arbeiten ruhen.
Die Leerrohre für das Glasfasernetz tief verschneit, akutell müssen die Arbeiten ruhen. | Bild: Peter Koch

Verhandlungen um Förderung laufen noch

15 Millionen Euro betragen die Gesamtkosten für das Glasfasernetz. Für den ersten Bauabschnitt mit einem Volumen von fünf Millionen Euro wurden Förderanträge eingereicht und bereits bewilligt. Demnach machte der Bund eine Förderzusage von 60 Prozent der Kosten während das Land BW 30 Prozent Fördermittel bereitstellt. Damit verbliebe für die Gemeinde Herrischried aktuell ein Eigenanteil von 500.000 Euro.

Hier steht Bürgermeister Christian Dröse allerdings noch in Verhandlungen mit der Landesregierung, da der Landesanteil der Förderung üblicherweise 40 Prozent beträgt und das Land dies um zehn Prozent kürzte. Hintergrund ist hier eine zehn Prozent höhere Förderung durch den Bund, der besonders struktur- und finanzschwache Gemeinden zusätzlich fördert.

Diese zehn Prozent Mehrförderung kassierte die Landesregierung allerdings ein, indem sie den eigenen Förderanteil reduzierte. Die Begründung hierzu lautete, dass Breitband für alle mit 90 Prozent gefördert werde, eine 100 prozentige Förderung gebe es nicht.

Damit ist man in Herrischried nicht zufrieden. So wurde Dröse zuletzt persönlich in Stuttgart beim Staatssekretär des Innenministers vorstellig und forderte die 40 Prozent für Herrischried. Unterstützung bekam er dabei von Sabine Hartmann-Müller, Landtagsabgeordnete des Landkreises Waldshut, die den Termin mit ihm wahrnahm. „Wir müssen noch abwarten, beim Termin vor Ort gab es keine Zusage und auch bisher haben wir noch keine Antwort auf unser Anliegen erhalten“, so Dröse einige Tage später.

Glasfaser in Herrischried kommt mit Ende des Winters. Sobald im Frühjahr 2021 der Schnee verschwunden ist soll es losgehen mit dem schnellen Internet.
Glasfaser in Herrischried kommt mit Ende des Winters. Sobald im Frühjahr 2021 der Schnee verschwunden ist soll es losgehen mit dem schnellen Internet. | Bild: Peter Koch

Ausbau startet im kommenden Jahr

Aber ungeachtet der Fördermitteldiskussion geht der Ausbau im nächsten Jahr los. Gleichzeitig mit dem Verlegen des Backbones (die Hauptleitung, die vom Landkreis gebaut wird und alle Gemeinden erschließt), der ab Frühjahr 2021 im Gemeindegebiet verlegt wird, beginnt der Ortsnetzausbau.

Bürgermeister Dröse teilt hierzu mit, dass bei der Gemeinderatssitzung am 18. Januar 2021, Beratungen zum Ortsnetzausbau auf der Tagesordnung stünden. Denkbar ist hier, dass die internetmäßig notleidenden Ortsteile, allen voran Wehrhalden, zuerst versorgt werden könnten. Bestätigen möchte diese, immer wieder kursierende, Idee auf offizieller Seite noch niemand.

Für die Herrischrieder bleibt der Glasfaseranschluss auf jeden Fall kostenlos. Wie in allen Gemeinden, die von der Bundesförderung profitieren. Diese verlangt für die Förderzusage eine Erschließung bis Gebäudewand Innenseite, ohne Kosten für den Anschlussinhaber, um damit eine größtmögliche Abdeckung zu erreichen. Hier bleibt abzuwarten, ob die Gemeinde sich entstehende Kosten später, über andere Steuermittel zurückholt, beispielsweise die Grundsteuer.

Unsicherheit in Lochmatt und der Talstraße

Unsicher ist auch noch, was mit der Lochmatt und der Talstraße passiert. Diese Gebiete sind nach letztem Stand nicht förderfähig, weil hier der Anbieter Telekom eine Download-Rate von 30 Mbit sicherstellen kann.

Ohne Förderung kann die Gemeinde das Glasfasernetz jedoch nicht ausbauen und somit schauen alle auf den Januar 2021, da diese 30 Mbit-Regel bundesweit auf dem Prüfstand steht. Diskutiert wird hier die Anhebung auf 100 Mbit, die auch am letzten Haus noch ankommen müssen. Somit besteht berechtigte Hoffnung, dass auch Lochmatt und Talstraße ans Glasfaserortsnetz angeschlossen werden können.

Dieses Glasfaser-Ortsnetz ist im Übrigen im Eigentum der Gemeinde. Für die ersten sieben Jahre hat die Firma Stiegler aus Schönau das Netz gemietet, um den Herrischriedern schnelles Internet zu verkaufen. Es wird sich zeigen, was nach diesen sieben Jahren passiert.

Seltsam scheint im Zusammenhang mit dem Ausbau das Verhalten der Firma Telekom, die über eigene Glasfaserleitungen in Herrischried verfügt, jedoch scheinbar kein Interesse daran hatte, dies zu einem Ortsnetz auszubauen. Sie überließ der öffentlichen Hand den Ausbau des Glasfasernetzes und verliert dadurch den Hotzenwald als Internetkunden. Möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass die ländlichen Regionen finanziell nicht so attraktiv sind wie die Ballungsräume.