Die Bürgermeisterwahl in Herrischried zu erleben, sei für Sie eine spannende Erfahrung gewesen, erklärt Annekatrin Mickel auf Nachfrage unserer Zeitung: „Ich bin mit meinen 20 Prozent sehr zufrieden. Aus dem Stand mit wenig Vorlaufzeit, als Frau und Zugezogene auf dem Wald ist das respektabel.“ Es sei für sie „ein klares Mandat, mich in kommunalpolitische Belange mehr einzubringen“, konstatiert sie. Es sei aber eben „noch kein Bürgermeisterin-Mandat“.

Daher trete sie im zweiten Wahlgang nicht mehr an, sondern konzentriere sich auf ihre Arbeit vor Ort. „Von mir wird es keine Wahlempfehlung geben, schließlich bin ich angetreten, weil mir im bisherigen Bewerberfeld etwas fehlte“, erklärt sie. Stattdessen werde sie kommunalpolitisch, beruflich und privat weiter engagiert bleiben und sich für ihre Anliegen einsetzen. „Vielleicht gelingt es mir so 2028, ein solides Mandat als Bürgermeisterin zu erreichen.“

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Den Wahlkampf habe sie als „Terminemarathon“ erlebt, aber auch als Gelegenheit, neue Perspektiven kennen zulernen und Kontakte zu knüpfen. „Ich war überwältigt von dem Vertrauen, dass hier viele in mich gesetzt haben. Ich bleibe in meinen bisherigen Projekten Herrischried gestaltend erhalten und freue mich auf neue Zusammenarbeit.“ Das Miteinander zwischen den Kandidaten sei „sehr kollegial“ gewesen. Sie habe viel aus diesem Miteinander für die kommunalpolitische Arbeit gelernt.

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Mit Mickels Ausscheiden dürfte der zweite Wahlgang am 2. August noch einmal richtig spannend werden. Weiter im Rennen bleiben Christian Dröse, der am Sonntag die Nase mit insgesamt 543 Stimmen (44,6 Prozent) deutlich vorn hatte. Mitbewerber Manfred Krüger kam auf 431 Stimmen (35,4 Prozent).

Reaktionen der Mitbewerber

Christian Dröse brachte im Gespräch mit unserer Zeitung sein Verständnis für Mickels Entscheidung zum Ausdruck. Überrascht habe sie ihn aber nicht, denn einen solchen Rückstand aufzuholen, wäre schwierig geworden.

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Auf seinen eigenen Wahlkampf werde dies aber keinen Einfluss haben: „Ich werde weitermachen wie bisher und mit den Leuten das Gespräch suchen“, so Dröse. Dies werde er bei Hausbesuchen wie auch in Form von samstäglichen Wahlkampfständen vor dem Schmidts Markt tun. Mit Annekatrin Mickel wolle er derweil auch im Fall seiner Fahl das Gespräch suchen und mit ihr zusammenarbeiten, kündigt Dröse an, denn: „Ich habe sie als nette und aufgeschlossene Person kennengelernt, die auch große Kompetenz besitzt und tatkräftig bei der Sache ist.

Auch Manfred Krüger hätte im Fall seiner Wahl Annekatrin Mickel gerne weiter an Bord derjenigen, die sich für die Gemeinde einbringen – egal ob im Gemeinderat oder als engagierte Bürgerin: „Wenn jemand seine Hilfe anbietet, würde ich niemals nein sagen.“

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Dadurch, dass die Kandidaten im Wahlkampf alle Kandidaten fair und sachlich miteinander umgegangen seien, stünden diesbezüglich auch keine Hindernisse im Raum. Gespannt sei er nun, wie sich Mickels Ausstieg auswirke: „Mit 20 Prozent der Stimmen, die plötzlich neu vergeben werden, kann sich einiges ändern.“ Gleichwohl werde er seine bisherige Strategie nicht ändern oder gar um Stimmen betteln, genauso wenig wie er es für angebracht halte, in Corona-Zeiten Hausbesuche zu machen: „Die Wähler sind mündig genug, selbst zu entscheiden, wem sie ihr Vertrauen schenken.“ Insofern werde er sich noch öffentlich für die Stimmen im ersten Wahlgang bedanken und ansonsten abwarten.

„Ausgezeichneter“ Wahlverlauf

Hoch zufrieden fiel unterdessen die Bilanz des scheidenden Amtsinhabers, Herrischrieds Bürgermeister Christof Berger, im Nachgang zur Wahl aus: „Die Wahl war von den Mitarbeitern der Verwaltung sehr gut vorbereitet. Es lief alles ausgezeichnet“, erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Insbesondere die Wahlbeteiligung von 60 Prozent hob Berger hervor: „Unter den aktuellen Umständen und im Hinblick auf die Zentralisierung der Wahllokale in die Rotmooshalle ein noch beachtlicheres Ergebnis als unter normalen Umständen“, so seine Einschätzung. Es zeige sich, dass das Wahlrecht in ländlichen Kommunen auch in solchen Zeiten einen hohen Stellenwert genieße.

Der Versuch, aus Sicherheitserwägungen heraus die Möglichkeit zur persönlichen Stimmabgabe in der Rotmooshalle zu zentralisieren sei laut Berger gelungen – und somit böten sich für eine etwaige Reform der Wahlbezirke in Zukunft neue Perspektiven. Allerdings müsse noch detailliert geprüft werden, wie viele Wähler aus den Ortsteilen in den Hauptort gekommen seien. Vor allem hätten ihn aber die Kapazitäten der Rotmooshalle als zentralem Wahllokal beeindruckt: „Hier wären auch noch deutlich mehr Wähler mühelos aneinander vorbeigekommen.“

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Dennoch hätten deutlich über die Hälfte der Wähler ihre Stimme per Briefwahl abgegeben – für Berger ein deutliches Zeichen, dass dieser Weg der Stimmabgabe, der sich seit Jahren wachsenden Zuspruchs erfreue, wohl durch Corona noch einmal deutlich an Bedeutung gewonnen habe.

Für den zweiten Wahlgang sind die Vorbereitungen bereits im Gange. Im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung in Sachen Corona gibt Berger sich zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass alles reibungslos vonstatten gehen wird, selbst wenn es neuerliche Verschärfungen geben sollte.“ Die Gemeinde könne in der Halle so große Abstände gewährleisten, „dass niemand Angst vor einer Gefährdung haben muss.“

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