Manfred Krüger stellt kein Programm, sondern seine Person in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs. Zwei Dinge streicht er besonders hervor. Seine langjährige Verwaltungserfahrung als Leiter der Liegenschaftsverwaltung: „Verträge machen, Gebäude unterhalten, bauen – das ist mein tägliches Geschäft.“ Und: „Sogar meine Gegner geben zu, dass ich halte, was ich sage.“ Das kleine Herrischried könne sich keinen Bürgermeister leisten, der Arbeit delegiere, im Gegenteil müsse der Rathaus-Chef es verstehen, bei der Verwaltungsarbeit anzupacken und mit den Bürgern zu reden, sagt Krüger im Gespräch mit der Lokalredaktion unserer Zeitung.

Der Bürgermeisterbewerber kehrt den Realisten hervor. „Träumen darf man. Aber für mich ist die Realität entscheidend“, sagt Krüger im Gespräch mit unserer Zeitung, um dann das Wort des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt zu zitieren, dass zum Arzt gehen solle, wer Visionen habe. Über Herrischried zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit sagt der Kandidat: „Wenn es der Gemeinde mindestens so gut geht wie jetzt, ist das recht. Wenn sie besser dasteht, umso besser!“

Zu Beginn seiner möglichen Amtszeit will Krüger den Bestand und Zustand der kommunalen Infrastruktur erfassen. In einem zweiten Schritt soll dann der finanzielle Bedarf für nötige Sanierungsmaßnahmen ermittelt werden. In einem dritten Schritt würde dann festgelegt, wann was erledigt werden soll. Eine der wichtigsten kommunalen Einrichtungen stelle die Eishalle dar. Sie sorge für Freizeitmöglichkeiten und ziehe Gäste an. Deshalb müsse gewährleistet sein, dass diese Einrichtung funktioniere. „Wir können die Eishalle nicht schließen.“

Große neue Projekte, da ist sich Krüger sicher, werde es in nächster Zeit ohnehin nicht geben können: „Wir haben so viele Baustellen, dass wir uns erst mal keine neuen leisten können.“ Krüger zielt damit vor allem auf die Erweiterung der Gemeinschaftsschule Hotzenwald und auf die Verlegung eines Breitbandnetzes für schnelles Internet ab, zwei große Projekte, deren Umsetzung bereits begonnen hat, die aber noch nicht abgeschlossen sind. Schule und Internet seien auch die wichtigsten Standortkriterien der Gemeinde Herrischried.

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Skeptisch steht Krüger dem Projekt eines Hotelbaus am Stehlesee gegenüber: „Es wird schon einen Grund haben, dass 30 Jahre lang keiner gekommen ist, um hier ein Hotel zu bauen.“ Ihm leuchtet nicht ein, weshalb die Gemeinde ein Standortgutachten bezahlen solle, das sei schließlich Sache des privaten Investors: „Den Hund, den man zum Jagen tragen muss, der bringt nichts.“ Außerdem gebe es am Ort nicht genutzte Hotelkapazitäten: „Die nächsten Jahre wird man viele Hotels kaufen können.“

Die Herrischrieder Handwerksbetriebe könnten sich nicht mehr an ihren bisherigen Standorten erweitern, sagt Krüger. Deshalb will er das nördlich des Kernorts geplante Gewerbegebiet auf dem Gewann Rütteweidling realisieren. Doch dafür müssten zuerst die Eigentümer das Grundstück an die Gemeinde verkaufen. Dann müsse mit den Gewerbebetrieben der Bedarf abgeklärt und das 2,3 Hektar große Gebiet schrittweise erschlossen werden.

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Der Bürgermeisterbewerber sieht in Herrischried einen großen Bedarf an Baugrundstücken. Dafür würden die im neuen Flächennutzungsplan vorgesehenen Flächen nicht ausreichen. Gleichzeitig gebe es innerorts viele bebaubare Grundstücke in Privatbesitz. Deren Eigentümern werde er als Bürgermeister überzeugen wollen, sie Bauinteressenten zu verkaufen, sagt Krüger. Herrischried müsse vor allem den Bau neuer Einfamilienhäuser ermöglichen. „Wer zu uns zieht, will in der Regel ein eigenes Haus bauen.“ Dorf und Mehrfamilienhaus – das passe meist nicht zusammen, findet Krüger.

Klartext redet der Kandidat bei der Feuerwehr: „Hier wird man die Standorte reduzieren müssen.“ Diese Veränderung ergebe sich von selbst. „Theoretisch haben wir ja genug Leute. Aber viele arbeiten unter Tag auswärts und sind deshalb bei einem Einsatz nicht verfügbar“, sagt der aktive Niedergebisbacher Feuerwehrmann.

„Ich bin für Naturschutz, solange er realistisch ist und vernünftige Ziele verfolgt“, erklärt Krüger. Doch die Vorschriften würden ohnehin nicht auf dem Rathaus, sondern in Stuttgart, Berlin und Brüssel gemacht. Dies führe vor Ort zu Konflikten: „Der Naturschutz und die Landwirtschaft sind Gegner. Denn der Bauer darf ja fast nichts mehr.“