Frau Ippers-Marohn, wie haben Sie die Zeit des Lockdowns empfunden, haben Sie alleine weiter getanzt?

Ja, es war eine intensive Zeit und eine völlig neue Erfahrung. Ich habe nur noch alleine für mich getanzt und bin häufiger zu der Tanztechnik übergegangen, die aus dem Atmen entsteht. Ohne meine Schüler um mich herum und ohne die sonstige Musik entstand dabei gefühlt ein neuer Raum. Doch ich vermisse meine Tanzschüler sehr und hoffe, dass sie jeder für sich weitertanzen. Einige machen das und haben mir Videos von sich beim Tanzen mit ihren Müttern und Familien geschickt, das hat mich sehr berührt.

Haben die Tanzschulen eine Chance diese Pandemie wirtschaftlich zu überleben?

Wenn ich keine Altersrücklagen hätte, von denen wir momentan zehren, wären wir schon seit einigen Monaten nicht mehr existent. Aber ich weiß von vielen Kollegen, deren Schulen jetzt reihenweise kaputt gehen. Die Überbrückungshilfen decken nicht einmal 90 Prozent der Unkosten, wie etwa Raumkosten, aber da sind ja noch der Lebensunterhalt, die Kranken- und sonstigen Versicherungen.

Was bedeutet Ihnen das Tanzstudio, überhaupt das Tanzen?

Tanz bedeutet mir alles. Das meine ich nicht von Berufs wegen, sondern ich sehe es als Lebenseinstellung. Denn Tanz ist Ausdruck: In Tanz lässt sich alles verwandeln und reflektieren, auch was ich in belastenden Situationen erlebe. Ich kann im Tanz meine Freiheiten, aber auch körperlichen Lasten erspüren und loslassen. Ich kann im Tanz in Kommunikation zu meinem Umfeld treten. Tanz ist Bewegung, die unsere Persönlichkeit ohne Grenzen entwickeln lässt.

Erklären Sie das bitte näher: Was passiert beim Tanzen im Körper?

Wir tanzen ja nicht nur Nachmach-Bewegungen im Rhythmus der Musik. Im Tanzunterricht richtet der Tanzschüler seine Aufmerksamkeit vom Äußeren auf sich selbst, und tritt aus seinem Innersten heraus in Bewegung mit seinem Umfeld. Ich habe schon oft erlebt, wie im Tanz schüchterne Menschen zu starken, strahlenden Persönlichkeiten wurden. Allein die Serotonine und Botenstoffe, die dabei im Gehirn ausgeschüttet werden, wirken erwiesen positiv auf Gesundheit und seelisches Befinden. Tanz in seiner mentalen und körperlichen Beweglichkeit kann gerade jetzt befreiend und sogar heilsam wirken.

Was ist Ihre Botschaft zum Welttanztag?

Dass die Menschen nie aufhören mögen zu tanzen, egal zu welchen Zeiten, ob gerade Krieg, Corona oder Hunger herrscht. Mein Sohn hat in den Jahren vor Corona öfter Kenia bereist und berichtete mir von sehr armen Menschen, die trotz allem fröhlich tanzen konnten.

Wagen Sie einen Ausblick?

Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt für einen Ausblick. Es gilt mehr denn je im Hier und Jetzt zu sein, da sich jeden Moment alles wandeln kann. Darum ist aber auch noch alles möglich.