Die Bundespolizei führt ab dem 16. Mai bis voraussichtlich zum 15. Juni 2020 an den land- und luftseitigen Binnengrenzen zu Frankreich, zur Schweiz, Österreich, Italien sowie zu Spanien weiterhin temporäre Grenzkontrollen durch, heißt es in der Pressemitteilung der Bundespolizeiinspektion, Weil am Rhein. Die Grenze könne nun wieder an jeder Stelle überschritten werden.

In der Realität sind einem Grenzübertritt aber enge Grenzen gesetzt. Deshalb war die Verunsicherung von Behördenchefs wie Bürgern vor der Öffnung und in den ersten Stunden danach fast greifbar. Zunächst der harte Lockdown mit totaler Abschottung, nun die fast stündlich verkündeten Lockerungen lassen die Menschen offenbar zweifeln, was aktuell erlaubt, was verboten ist und was sanktioniert wird.

„Diese Öffnung der Grenze zur Schweiz ist weder Fisch noch Fleisch. Es gibt viele Einschränkungen, derzeit kann ich noch nicht einschätzen, was es bringen wird“, sagte Stühlingens Bürgermeister Joachim Burger. Für den Handel könne es ein positives Zeichen sein, allerdings gelte die Öffnung ja unter Vorbehalt. Ihn ärgert, dass er vieles aus Zeitungen und anderen Medien erfährt, bevor eine neue Vorschrift im Rathaus landet. So hat er auch auf diesem Weg davon erfahren, dass für den Grenzübertritt ein „triftiger Grund“ vorliegen müsse und diese Regeln eng gefasst seien. Was dem Rathauschef bei der Flut von Lockerungen Sorge bereitet: „Die Leute benehmen sich schon wieder so, als würde des das Virus nicht geben!“

Eine Fahrt mit dem Auto entlang der Grenzübergänge am Samstag von Stühlingen über den Jestetter Zipfel nach Hohentengen und Rheinheim bringt die Erkenntnis, dass mehr Fahrzeuge mit Schweizer Kennzeichen die Öffnung nutzen. Die meisten kleineren Posten sind nicht besetzt, die Chance, beim Wechsel auf die andere Seite erwischt zu werden ist offenbar gering. Unwirklich wirkt die Szenerie andererseits schon, denn an den meisten Übergängen zur Schweiz ist schlichtweg kein Auto weit und breit zu sehen. In Hohentengen-Günzgen fahren ein paar Fahrzeuge Richtung Wasterkingen in der Schweiz – offenbar sind die Insassen auf dem Heimweg. Ein Radfahrer kehrt lieber um, als er die Grenze sieht.

Am Übergang von Hohentengen ins aargauische Kaiserstuhl herrscht unerwartet reger Betrieb. Deutsche Zöllner machen auf ihrer Streifenfahrt Stichproben bei den Einreisenden. Ihre Schweizer Kollegen halten Fahrzeuge an, die auf die andere Rheinseite wechseln möchten. Ein junger Mann muss nach einem kurzen Gespräch mit den Zöllnern mit seinem Wagen wieder umkehren. Übrigens: Auch an diesem Grenzübergang sind die Absperrungen nur zur Seite gelegt. Offenbar will auch die Bundespolizei für den Fall gewappnet sein, wenn die Grenzen wieder schließen müssen.

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