In einer ausgesprochen lebhaften Diskussion präsentierten sich die drei Bürgermeisterkandidaten Annekatrin Mickel, Manfred Krüger und Christian Dröse am Dienstagabend auf dem SÜDKURIER-Podium in der Rotmooshalle den Herrischrieder Wählern.

Angesichts der durch die Covid-19-Pandemie eingeschränkten Möglichkeiten war dies der letzte Showdown der drei Bewerber, den rund 70 Herrischrieder vor Ort und 242 Nutzer per SÜDKURIER-Live-Stream im Internet verfolgten.

Jörg-Peter Rau, Mitglied der Chefredaktion Lokales in Konstanz, betonte: „Wir sind stolz darauf, dass wir Ihnen diese Dienstleistung bieten können, und es ist auch eine Zusage, dass wir weiterhin für Sie da sind.“ Wie wollen die Bewerber Herrischried in den nächsten acht Jahren gestalten und verändern? Die Moderatoren des Abends, die Redakteure Andreas Gerber und Markus Vonberg, brachten es mit ihren Fragen ans Licht.

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Die drei Bewerber zeigten dabei große Lust an der politischen Diskussion, nutzen die Chance zum direkten Schlagabtausch, um sich von der Konkurrenz abzusetzen, blieben dabei aber immer fair im Umgang mit den Mitbewerbern.

Tourismus als Standortfaktor

Breiten Raum nahm naturgemäß das Thema Tourismus ein, in diesem wichtigen Standortfaktor der Gemeinde sehen alle drei noch großes Potential. Ein Hotel am Stehlesee hält beispielsweise Christian Dröse für ein attraktives Tourismusprojekt. Es habe sogar schon Gespräche mit einem möglichen Investor gegeben. Völlig unterschiedlich bewerten die drei Bewerber, ob die Gemeinde bei diesem privaten Bauprojekt in finanzielle Vorleistungen gehen soll. Mehrheitlich hatte der Gemeinderat jüngst die Beteiligung an einer Standortanalyse beschlossen.

Christian Dröse hält dieses Vorgehen für richtig, die Ausgaben von etwa 2500 Euro für vertretbar. „Wenn das Hotel kommt, haben wir das Geld schnell wieder drin“, ist Dröse überzeugt. Manfred Krüger ist völlig anderer Meinung: „Wie kommt die Gemeinde dazu, ein Gutachten für einen Privatmann zu bezahlen?“ Diese Kosten müsse der Grundstückseigentümer allein tragen, auch wenn die Ausgaben noch überschaubar seien.

Gut besucht: etwa 80 Bürger waren in der Rotmooshalle dabei und sahen drei Kandidaten in Hochform.
Gut besucht: etwa 80 Bürger waren in der Rotmooshalle dabei und sahen drei Kandidaten in Hochform. | Bild: Linke, Frank

„Es geht nicht um Zahlen, sondern ums Prinzip“, so Krüger. Annekatrin Mickel will statt eines neuen Hotels lieber die bestehenden Kapazitäten reaktivieren und durch Modernisierungen eine neue Zukunftsperspektive geben. „Warum reden wir über ein neues Hotel am Stehlesee, wenn wir noch nicht einmal in der Lage sind, die Zukunft eines Waldheimes zu klären?“, fragt die Landschaftökologin. Auch der Wehrhalder Hof sei ein Haus mit großer Bettenkapazität, der eine Zukunftsperspektive verdiene.

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Einigkeit herrschte zwischen den Bewerbern beim Thema Eishalle, das touristische Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde in der Region. Trotz jährlich sechsstelligem Minus gebe es für diese Einrichtung keine Alternative, meint Annekatrin Mickel.

Ein Konzept, um die Kosten auch unter energetischen Gesichtspunkten in den Griff zu bekommen, sei deshalb vordringliche Aufgabe. „Wir diskutieren nicht, ob, sondern wie wir die Eishalle erhalten können“, pflichtete Manfred Krüger bei. „Bei einer Generalsanierung reden wir von Beträgen, die die Gemeinde nie alleine tragen kann“, zählt er auf Fördermittel. Christian Dröse ergänzte: „Auch wenn die Eishalle einen Haufen Geld kostet: Sie ist jeden Euro wert.“

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Streitthema Winterdienst

Seit Jahren gibt es im Hinblick auf den Winterdienst viel böses Blut und Auseinandersetzungen, wie auch die drei Kandidaten bereits selbst zur Genüge mitbekommen haben.

Annekatrin Mickel will hier vermittelnd eingreifen. Der Winterdienst sei harte Arbeit und die Mitarbeiter häufig mit Hindernissen konfrontiert, zugleich lägen bei vielen Bürgern bei diesem Thema die Nerven blank. „Hier ist dringend mehr Verständnis und Miteinander notwendig.“

Manfred Krüger stellte hingegen klar, dass es unter seiner Ägide keinen „Winterbürgermeister“ geben werde, der nach eigenem Gutdünken Straßen räume oder auch nicht: „Es gibt einen Bürgermeister und der muss für klare Verhältnisse sorgen. Nur so lässt sich auch Verständnis erzeugen.“

Christian Dröse will sich dagegen mit eigenen Augen ein Bild von der Situation machen: „Ich werde mit dem Winterdienst jede Straße mit abfahren und schauen, wo die Probleme sind.“ Dazu sollen öffentliche Veranstaltungen das Bewusstsein dafür stärken, was die Mitarbeiter alles leisten und wo es hakt.

Gewerbeentwicklung der Zukunft

Gewisse Unterschiede in den Positionen ergaben sich auch bei der Frage nach dem geplanten Gewerbegebiet „Rüttweidling“. Manfred Krüger zeigte hier unumstößlichen Optimismus, dass die 2,3 Hektar große Fläche problemlos mit in der Gemeinde ansässigen Unternehmen gefüllt werden könne, wenn sich die Gemeinde bemühe. Zuvor müssten aber sämtlichen planungsrechtlichen Verfahren abgeschlossen und das betreffende Gelände gekauft werden – da werde auf die Gemeinde eine erhebliche Belastung zukommen.

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Auch Christian Dröse macht einen Erweiterungsbedarf bei vielen Herrischrieder Betrieben aus, der durch ein Gewerbegebiet gedeckt werden müsse, allein schon um zu verhindern, dass – wie in früheren Jahren – Firmen in Nachbargemeinden abwandern. Ob es aber genügend erweiterungswillige Firmen in der Gemeinde gebe, um das Gewerbegebiet zu füllen, müsse erst geprüft werden. Daher sprach er sich dafür aus, auch Unternehmen von außerhalb die Möglichkeit zu bieten, in Herrischried zu bauen.

Annekatrin Mickel mangelt es dagegen an „belastbaren Zahlen“. Ohnehin hielt sie es für fraglich, dass Unternehmen in der aktuellen Corona-Krise tatsächlich erweitern wollen.

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Feuerwehr

Viele andere Gemeinden haben ihre Feuerwehrstrukturen in den vergangenen Jahren gestrafft, Herrischried hält an den kleinen Ortsteil-Feuerwehren fest – und das wollen alle drei Kandidaten festhalten. Wie Dröse, zugleich Feuerwehrkommandant der Gemeinde, darstellte, könne man auf keine der Ortsteilwehren verzichten, weil es sonst Probleme beim Einhalten der im Brandschutzbedarfsplan festgelegten Hilfsfristen gebe. Einer Überalterung der Wehr versuche das Feuerwehrkommando vorzubeugen, indem gezielt und permanent neue Leute gesucht werde. Und wo es Engpässe gegeben habe, hätten bereits in der Vergangenheit Abteilungen fusioniert.

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Dass ein solcher Schritt für die betroffenen Feuerwehren nicht unbedingt einfach sei, sich am Ende aber doch lohne, konnte Manfred Krüger als Feuerwehrmann aus eigener Anschauung berichten. Auch er wolle am bestehenden System festhalten, so Krüger. Gewisse Veränderungsprozesse werden sich aber nicht vermeiden lassen, spätestens wenn es um kostspielige Investitionen in Fahrzeuge und Infrastruktur gehe.

Auch Annekatrin Mickel würde am bestehenden System nicht rütteln, so lange es funktioniert: „Es wurde bereits eine Menge angepasst. Ich bin ganz froh über die Strukturen in der Gemeinde.“

Amtsführung

Was würden Sie anders machen als Bürgermeister Christof Berger? Für Annekatrin Mickel ist der Fall klar: Sie wolle Leute stärker in Planungsprozesse einbeziehen. Auch mehr Transparenz bei Entscheidungen tue Not. Und schließlich lebe sie auch in der Gemeinde, die sie führen wolle, dies sei immer von Vorteil. Ohnehin wolle sie sich voll und ganz auf die Gestaltung der Gemeindearbeit konzentrieren.

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Eine Kandidatur für den Kreistag komme für sie – im Gegensatz zu ihren beiden Mitbewerbern – nicht infrage. Christian Dröse betonte, dass er insgesamt mit Bergers Arbeit zufrieden sei. Gleichwohl strebe auch er eine bessere Öffentlichkeitsarbeit an: „Der Verweis auf die Gemeinderatssitzung ist einfach nicht genug.“

Als Bürger der Gemeinde sei er grundsätzlich näher dran an den Bürgern. Kurz und bündig fiel Manfred Krügers Antwort aus: Nachvollziehbare und konstruktive Entscheidungsprozesse seien sein Ziel.

Der Livestream zur SÜDKURIER-Podiumsdiskussion ist übrigens weiterhin online zu sehen. Unter diesem Link können Sie sich alles noch einmal in Ruhe anschauen.