Einen Blick in vergangene Zeiten bietet eine Ausstellung mit Postkarten, die am Samstag im Wagenschopf des Klausenhofs eröffnet wurde. Zu sehen sind Postkarten aus 125 Jahren, die Egon Gerteis und Bernd Herdung im Laufe von über 50 Jahren zusammengetragen haben. Der ehemalige Postangestellte Gerteis kam über das Sammeln von Briefmarken auf die Postkarten, Herdung hat bereits in seiner Jugend mit dem Sammeln von Ansichtskarten begonnen.

Unter dem Titel „Mit Postkutsche und Postomnibus in den Schwarzwald“ hat Egon Gerteis für die Ausstellung Ansichten des frühen Postverkehrs von Murg in den Schwarzwald zusammengestellt. Eine Postkarte von 1878 zeigt etwa die erste Fahrt einer Postkutsche am 1. Oktober in Richtung Hotzenwald. Aber auch die letzte Fahrt einer Postkutsche ist zu sehen. Ein Fahrplan aus Herrischried aus dem Jahr 1915 und ein Schmucktelegramm gibt es ebenfalls zu bestaunen.

„Mein Auge gfallt Herrischried im Wald“ – unter diesem Motto hat Bernd Herdung Postkarten mit Ansichten aus Herrischried aus den Jahren 1900 bis 1980 zusammengestellt. Da kamen bei manchem Besucher der Vernissage Erinnerungen auf und es entspann sich so manches Gespräch.

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Einen großen Raum nehmen in der Ausstellung auch die Gruß- und Glückwunschkarten ein, teilweise richtige Meisterwerke. Einigen der Karten liegen handgefertigte Motive zugrunde, andere sind mit Seidenblumen, Seidentrachten oder Glitzer verziert. Eine Besonderheit sind die „Halt gegen das Licht – Karten“: Werden die Karten von hinten angestrahlt, leuchten Teile der Karten – etwa bei Stadtansichten die Fenster.

Bei den „Halt mich ins Licht – Karten“ leuchten Teile der Postkarte, wenn man sie von hinten anstrahlt.
Bei den „Halt mich ins Licht – Karten“ leuchten Teile der Postkarte, wenn man sie von hinten anstrahlt. | Bild: Christiane Sahli

Und die Mondscheinkarten: Werden sie angestrahlt, erscheinen die Motive in einem silbernen Licht. Leporellokarten kennt heute kaum jemand mehr, sie haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Teile der Postkarten lassen sich aufklappen, dahinter verbergen sich weitere Motive.

Leporello-Karten haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich, zeigt Egon Gerteis: Sie lassen sich aufklappen und enthüllen weitere Motive.
Leporello-Karten haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich, zeigt Egon Gerteis: Sie lassen sich aufklappen und enthüllen weitere Motive. | Bild: Christiane Sahli

Und flotte Postkartensprüche gibt es auch zu lesen: „Wenn man sich damit befasst, merkt man, dass viel Humor dahintersteckt“, erklärt Gerteis. „Da geht einem das Herz auf, wenn man das sieht“, sagt Helmut Eckert, der Vorsitzende des Fördervereins Klausenhof. Es zeige sich, dass früher manches anders, unaufgeregter und ruhiger, aber nicht unbedingt schlechter gewesen sei. Bürgermeister Christian Dröse bezeichnete die Ausstellung als berührend. Ein junger Besucher fand die Einblicke in vergangene Lebenswelten spannend. Jeder kenne heute Postkarten, diese seien angesichts der digitalen Entwicklung aber fast in Vergessenheit geraten.

Wie viele Briefmarken sind hier wohl zu sehen? Auf der kleinen Säule befindet sich auch ein Hinweis auf das in Kürze anstehende Jubiläum des Klausenhofes.
Wie viele Briefmarken sind hier wohl zu sehen? Auf der kleinen Säule befindet sich auch ein Hinweis auf das in Kürze anstehende Jubiläum des Klausenhofes. | Bild: Christiane Sahli

Zu sehen ist ferner eine Säule mit unzähligen Briefmarken aus vielen Ländern, mit der sich ein Gewinnspiel verbindet. Wer der Zahl der Marken und der Länder, aus denen diese stammen, bei einer Schätzung am Nächsten kommt, wird mit einem kleinen Präsent der Gemeinde belohnt.

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