Im Anschluss an die mit 2300 Besuchern ausgesprochen erfolgreiche Ausstellung „Zeit der Natur“ der Naturenergie-Preisträgerin Hannelore Weitbrecht präsentiert das Bernauer Hans-Thoma-Kunstmuseum nun eine neue Schau, die beim Thema Natur bleibt. Allerdings richtet die Ausstellung „Schnee von gestern“, die von Museumsleiterin Margret Köpfer kuratiert wurde, den Fokus unmittelbar auf die Landschaft, auf Winterbilder prominenter Schwarzwaldmaler aus dem reichen Fundus des Museums. Die Ausstellung ist vor dem nächsten Lockdown noch bis Sonntag zu sehen.

Gezeigt werden unter anderem Werke von Karl Bartels, Hans Brasch und Helmut Müller-Wiehl. Kunsthistorische und ästhetische Aspekte stehen dabei im Mittelpunkt. Zugleich möchte das Museum aber auch auf ein für den Südschwarzwald äußerst wertvolles Gut aufmerksam machen, das für den Wintertourismus von unschätzbarer Bedeutung ist: den Schnee. Und mit dem Schnee rückt der Klimawandel in den Mittelpunkt.

Der Winterkönig

Einer der wichtigsten Schwarzwaldmaler war Karl Bartels. Er lebte lange in Bernau und ab 1926 dann in Hogschür. Aufgrund der malerischen Brillanz, die seine Werke auszeichnet, bezeichneten ihn seine Karlsruher Künstlerkollegen als den „Winterkönig“. Geboren wurde Bartels am 21. September 1867 als Sohn eines Architekten in Bielefeld. Sein Kunststudium begann er an der Königlichen Kunstschule Berlin und setzte es von 1889 bis 1892 an der Kunstakademie Karlsruhe fort. Prägend für ihn wurde unter anderem Professor Hermann Baisch, aber auch Hans Thoma, beide Anhänger der Freilichtmalerei.

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Thoma war es, der den Schwarzwald „bildwürdig“ gemacht hatte. Somit überrascht es nicht, dass Karl Bartels sich nach seinen Studienjahren wie Hans Brasch, Rudolf Gudden, August Babberger oder sein Studienkollege Hermann Dischler aufs Land zurückzog, um sich dem Studium der Natur und der Landschaftsmalerei zu widmen. Bartels Lichtauffassung und seine Malweise scheinen vom Impressionismus beeinflusst. Vermutlich war darin eine zunehmende Distanzierung von seinem Lehrer Hans Thoma begründet. Dennoch ließ sich Bartels für zwölf Jahre in dem damals noch weltabgeschiedenen Bernau nieder und wohnte mit seiner Ehefrau in bescheidenen Verhältnissen neben Thomas Geburtshaus.

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In dieser Zeit gründete der Künstler zusammen mit Hans Thomas ehemaligem Zeichenlehrer Ferdinand Ruska die Bernauer „Lehrwerkstätte für Volkskunst“. Ihre Produkte fanden auf den Kunstgewerbeausstellungen von Karlsruhe und Berlin große Beachtung. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt auf der Baar kehrte das Ehepaar Bartels für kurze Zeit nach Bernau zurück, um dann 1926 endgültig nach Hogschür im Hotzenwald zu übersiedeln.

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Karl Bartels Werke stießen auf enormes Interesse bei Museen und privaten Sammlern, nicht nur in Deutschland, auch in Übersee. Manche seiner Arbeiten, die in Bernau zu sehen sind, weisen eine erstaunliche Nähe zu den Werken von Giovanni Segantini auf. Nun gibt es die Chance zur Wiederbegegnung mit einem großen Künstler.