Es war die Überraschung in der zweiten Runde, als Annekatrin Mickel aus Herrischried bei der Bürgermeisterwahl unerwartet den Hut in den Ring geworfen hat. Beim ersten Anlauf zur Wahl vor Corona im Februar war die 42-Jährige noch nicht dabei. Entschieden hat sie sich erst später. „So um Pfingsten rum habe ich den Entschluss gefasst“, berichtet sie im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Nachdem Herrischried wegen der Corona-Pandemie die erste Wahl im März absagen musste, hat die Gemeinde nun zur Wahl am 19. Juli ein etwas anderes Bewerberfeld. Neben der CDU und den Freien Wähler sind mit Annekatrin Mickel alle drei Bewerber aus Herrischried und spiegeln auch die drei Fraktionen im Gemeinderat wider – mit Mickel also auch die Grünen. Natürlich betont die 42-Jährige, so wie das stets alle Kandidaten bei Bürgermeisterwahlen tun, ihre Parteiunabhängigkeit. Sie sei nicht für die Grünen angetreten, sagt Mickel, obgleich sie „ihre grüne Seele“ nicht verleugnen könne.

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Das sieht man freilich auch an ihrem Programm – es ist geprägt von Begriffen wie Ökologie und Nachhaltigkeit, gleichzeitig will sie diese mit konventionellen Bereichen wie Landwirtschaft, Gewerbe und Tourismus versöhnen. Denn eine Gemeinde wie Herrischried brauche auch auf den konventionellen Politikfeldern eine funktionierende Struktur. Beispiel: „Nehmen wir Landwirtschaft und Landschaftsschutz“, sagt sie. Sie ist sich sicher, dass es trotz scheinbarer Gegensätze Schnittmengen gebe. Hier gegenseitige Ergänzungen zu finden, statt Gegensätze zu betonen, sei ihr Ding. Dasselbe gelte für Gewerbe und Tourismus – auch diese seien von Hause aus nicht zwingend Gegenspieler zu den Themen Ökologie und Nachhaltigkeit. Aber wie soll das konkret aussehen? Diese Antwort bleibt sie im Konkreten zunächst mal schuldig. Vielmehr sieht sie bei diesen Themen die Funktion einer Bürgermeisterin in der Vermittlung. „Wir müssen in solchen Fällen die Menschen an einen Tisch bringen“, schlägt sie vor. Das könnte somit auch als ihr Wahlkampfmotto sein: „Es ist mein Demokratieprinzip, die Leute zusammenzuholen und dann Ziele zu formulieren.“

Konkret zum Thema neues Gewerbegebiet befragt, bejaht Annekatrin Mickel grundsätzlich die Notwendigkeit, dem heimischen Gewerbe Ansiedlungsmöglichkeiten zu bieten. „Die Gemeinde braucht eine Wirtschaftsperspektive, aber sie muss zum Hotzenwald passen“, sagt sei – eben, keine grüne Seele ohne ein Aber. Denn: „Wir müssen in allen Bereichen nachhaltiger wirtschaften“. Also bevor man etwa ein Gewerbegebiet ausweise, müssten einerseits der Bedarf ermittelt werden und andererseits die Art der Firmen feststehen.

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Also ist beim Landschaftsverbrauch eher „Vorsicht“ ihre Devise. So sieht sie auch keine Notwendigkeit in Herrischried „jetzt wie wild Bauland auszuweisen.“ Wichtig sei es, zunächst die unzähligen Baulücken zu schließen, die es in allen Ortsteilen gebe. Gleichwohl weiß sie um die Schwierigkeiten, private Grundstückseigentümer zum Verkauf zu bewegen.

Landschaftsökologie, Naturpark Südschwarzwald, Naturparkschule, Faire Gemeinde – das alles seien Themen mit Potenzial, die aber noch ausbaufähig seien – auch gerade beim Thema Tourismus. Sie ist beim derzeit diskutierten Hotelbau am Stehlesee nicht generell ablehnend, aber durchaus skeptisch – sie ist eher eine Anhängerin der kleineren Einheiten und sieht Bettenleerstände, die noch vor einem Bau eines Hotel aktiviert werden könnten. So stehe etwa das Waldheim mit 60 Betten leer.

Ein wichtiger Punkt in ihrer Bewerbung ist die Gemeinschaftsschule. Der Bau des Schulhauses sei ein Selbstläufer. Für eine neue Bürgermeisterin gehe es darum, für ein starkes Image der Schule zu sorgen und für eine hohe Akzeptanz in den Nachbargemeinden. An der Herrischrieder Gemeinschaftsschule könnten Kinder zwei Schulabschlüsse machen, betonte sie. Damit sei für die Mittlere Reife kein Wechsel an eine weiterführende Schule am Hochrhein nötig. Die Gemeinschaftsschule sei Grundlage für eine gute Schulbildung am Ort und ein Magnet für junge Familien.