Wenn man mit dem Lehrer und Gemeinderatsmitglied Bernd Kühnel aus Herrischried Lochhäuser einen Vormittag unterwegs ist, sieht man den Hotzenwald mit wacheren Augen. Plötzlich tauchen überall Spuren in der Landschaft entlang des Weges auf, die Geschichten erzählen von früherer Besiedlung, kleinen technischen Wunderwerken, einer vielfältigen Nutzung der Landschaft.

Als Kind wuchs Bernd Kühnel mit Eltern auf, die tief in die neue Heimat Hotzenwald eintauchten. Sein aus Dresden stammender Vater war der Initiator des späteren Fördervereins zum Erhalt der Ruine Wieladingen. Seine Mutter war viele Jahre aktives Mitglied in selbigem und sammelte jede Menge historische Zeitungsdokumente. Heute ist Bernd Kühnel selbst Mitglied des Fördervereins. In seinen Recherchen kann er auf eine kleine, über Jahre zusammen getragene Bibliothek seiner Eltern zurückgreifen. Viel von dem, was er in seinen Landschaftswanderungen einfließen lassen möchte, kann er noch historischen Zeitungsbelegen entnehmen.

Einerseits sind ihm die bekannten wissenschaftlichen Quellen eine gute Fakten-Grundlage. Alte Kartenwerke weisen noch frühere Flurnamen, alte Wege oder Gewässerläufe auf, die aus heutigen Kartierungen längst verschwunden sind. So sind wir denn an diesem Vormittag auch mit einer Wanderkarte aus den 70er Jahren unterwegs. Andererseits sind ihm die Sichtweisen auf die Landschaft, wie sie Roland Weiß pflegt, eine wichtige Inspiration. Jede Spur menschlichen Handelns in der Landschaft kann vielfältige geschichtliche Hintergründe haben. Oft sind die Spuren in verschiedenen Epochen und von späterer Nachnutzung überformt. Im Gespräch mit Bernd Kühnel wird deutlich, wie vielfältig die Interpretationsmöglichkeiten zum Beispiel am Hoheneck unterhalb von Hottingen sind, wenn man auf dem mit großen Blöcken gepflasterten Hohlweg mit den senkrecht zum Hang verlaufenden tiefen Rinnen steht.

Genau an dieser Diskussion setzt Bernd Kühnel mit seinem Angebot an. Er möchte einen lebendigen Beitrag zum hiesigen Kulturleben leisten. Auf seiner kurzen Wanderung schlägt er einen weiten Bogen von der Entstehung der Landschaft unterm Feldberggletscher, über die Besiedlungswellen des Hotzenwaldes, die Anlage der Wuhren zur Wiesen-bewässerung, zum Leben und Schaffen auf dem Hotzenwald.

Ein solch weiter Bogen kann in der Kürze der Zeit nicht in die Tiefe führen. Vielmehr soll er sowohl Gästen, als auch Einheimischen einen Überblick über die Eigenarten dieser Region vermitteln und Lust machen, sich selbst mehr damit zu befassen.

Nach Abschluss seines Berufslebens, kann er sich nun ganz diesem Hobby widmen und seine Neugier an seiner Heimat mit anderen teilen: „Wenn meine Wanderungen gut ankommen, kann man weitermachen. Das mach ich nach Lust und Laune“.

Diese Laune war es auch, die ihn dazu bewog, von dem eher literarischen Themenschwerpunkt der letzten zwei Vollmondwanderungen auf ein Gebiet umzusatteln, das auf Jahre spannenden Stoff für erkenntnisreiche Vollmondwanderungen liefert.