Ein Blick in die aktuelle frühkindliche Arbeit wirft die Frage auf, warum aus unserer heutigen Konsumfülle und Freiheit oftmals keine freien, unbeschwerten Kinder heranwachsen. Häufig ergibt sich eher der Eindruck einer Übersättigung, der zu Verhaltensauffälligkeiten führen kann und sich in sozialen Defiziten äußert.

Freiräume als Mangelware

Mit dieser Erfahrung ist das Team des Kindergartens „Wespennest„ in Herrischried im Bemühen um ein zeitgemäßes Angebot bei der Frage gelandet, die Leiterin Daniela Reichelt am Fortbildungstag formuliert: Die Frage sei nicht, was die Kinder brauchen, sondern was ihnen fehlt. Schnell wurde klar, es sind die echten Erfahrungsräume, im zweckfreien Tun, etwas ausprobieren zu können. Selten war der Kinderalltag so durchstrukturiert und durchorganisiert, wie heute. Fast alles ist aus der Erwachsenenwelt vorbestimmt und echte Freiräume sind häufig Mangelware.

Hier setzt die Pädagogik von Elfriede Hengstenberg an, die bereits vor 100 Jahren nach gelingenden Bedingungen für ein gesundes Aufwachsen des Kindes suchte. Anna Baydur, Erzieherin mit langjähriger Erfahrung in der Arbeit nach Pickler und Hengstenberg, erläuterte, wie damalige Erkenntnis die heutige Erziehungsarbeit bereichern kann.

Wachsen an den Herausforderungen

Angst ist ein schlechter Begleiter und so lautet eine Botschaft, Gefahren des Alltags auch immer als Chance zum Wachsen an einer Herausforderung zu sehen. Ein Kind, das sein ursprüngliches Bewegungsbedürfnis nicht ausleben darf, weil Eltern und Bezugsumfeld immer schon vorher Bedenken äußern und bremsend eingreifen, verarmt sinnlich. Bewegungs- und Erfahrungsangebote, wie Elfriede Hengstenberg sie im Blick hatte und eine Handvoll kindgerechter Regeln zum achtsamen Miteinander können hier den wichtigen Erfahrungsraum öffnen.

Unterstützung durch Förderverein und Gemeinde

Der Kindergarten nahm regelmäßige Einheiten nach Hengstenberg in seinen Alltag auf und machte sich vor knapp einem Jahr auf den Weg, alle Mitarbeiter und Eltern für dieses Konzept zu begeistern. Mittlerweile steht dem Kindergarten dank Unterstützung des eigenen Fördervereins ein solider Grundstock an Materialien zur Verfügung. Die Kernfrage der pädagogischen Arbeit stellt Referentin Baydur in den Raum: „Was braucht ein Organismus, um gut mit Gefahren im Leben umzugehen?“

Nachdem Anna Baydur die Spielzeiten anfangs begleitete, können die Erzieher diese nun selbst umsetzen. Die Starthilfe-Begleitung wurde durch eine Unterstützung der Referentin seitens der Gemeinde möglich. Um den Fortbestand des pädagogischen Angebotes bemüht sich der Förderverein aus eigener Kraft und mithilfe von Spendenmitteln.