Als historischen Tag bezeichnete der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Matthias Faißt die Glockenweihe in Herrischried, die eine große Festgemeinde am Sonntag feierlich beging. Am Freitag waren die drei neuen Glocken geliefert worden. Am Sonntag hatte das Morgenläuten aller Kirchen und Kapellen um 8 Uhr das Ereignis angekündigt. Um 9.30 Uhr begann dann der Gottesdienst mit dem Einzug von Dekan Peter Berg aus Bad Säckingen, begleitet von der Trachtengruppe Alt-Hotzenwald, vorbei an den drei hinten in der Kirche aufgehängten neuen Glocken. Begleitet wurde die Prozession von einem besonders langen Orgelvorspiel sowie einigen kräftigen Böllerschüssen. Den Abschluss bildete das erneute Anschlagen der Glocken beim Auszug aus der Kirche, dem ein Empfang im Freien folgte, umrahmt von der Trachtenkapelle Herrischried.

Als historischen Tag beging die Festgemeinde die Glockenweihe in Herrischried, am Freitag wurden sie angeliefertBild: KARIN STEINEBRUNNER
Als historischen Tag beging die Festgemeinde die Glockenweihe in Herrischried, am Freitag wurden sie angeliefertBild: KARIN STEINEBRUNNER | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Die Kirchenchöre von Herrischried, Strittmatt und Oberwihl sangen eine von einigen Mitgliedern der Trachtenkapelle Hogschür begleitete Messe des Blasmusikkomponisten Jacob de Haan. Der homophone Chorsatz des Kyrie wirkte wie ein Anrufungsgestus, das zunächst mit tiefem Blech unterlegte Gloria erhob sich mit immer heller werdendem Klang gen Himmel, der Chorsatz des syllabisch vertonten Credo wurde im Verlauf immer dichter. Dem mit Paukenschlägen untermauerten Sanctus folgte ein als Zwiegespräch zwischen Trompete und Chor gestaltetes Benedictus, von den übrigen Instrumenten mit ebenmäßigem Schreitrhythmus begleitet, das Agnus Dei schließlich wirkte feierlich-hymnisch.

<strong>Traditionell:</strong> Die Trachtengruppe Alt-Hotzenwald begleitete den Einzug in die Kirche.
Traditionell: Die Trachtengruppe Alt-Hotzenwald begleitete den Einzug in die Kirche. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Als Lesung diente, passend zum Anlass, kein geistlicher Text, sondern Auszüge aus Schillers „Lied von der Glocke“. Etwas zweideutig begann Dekan Peter Berg seine Predigt mit dem Hinweis auf den neuen Klang auf dem Wald. Er würdigte das Glockengeläut als Kennzeichen der Kulturlandschaft, als Laut, der das Getöse der geschäftigen Welt übertöne, auch als Sphäre des Geordneten. Der Glockenschlag verleihe der Zeit und damit auch jeder Sekunde des Lebens ihren eigenen Wert, ihr Klang sage aber auch: „Gott ist da, wir sind nicht allein auf unserem Weg.“

<strong>Andächtig:</strong> Eine feierliche Prozession zog durch die Kirche.
Andächtig: Eine feierliche Prozession zog durch die Kirche. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Pfarrer Bernhard Stahlberger bat die beiden Künstler, Rose Vollmer und Christof Feuerstein, die die Glockenzier für die drei neuen Glocken gestaltet hatten, sowie alle anwesenden Kinder nach hinten zu den Glocken, die der Dekan zunächst segnete. Es begrüßte sie mit Weihwasser, hüllte sie mit Weihrauch ein und bezeichnete sie mit Chrisam, einem Salböl, das eigens für Altäre und Glocken verwendet wird.

<strong>Am Ziel: </strong>Am Freitag wurden die Glocken in Herrischried angeliefert.
Am Ziel: Am Freitag wurden die Glocken in Herrischried angeliefert. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Die Kinderglocke, für die Rose Vollmer die Worte aus Lukas 18, Vers 16 „Lasst die Kinder zu mir kommen!“ kalligraphisch gestaltet hatte, wurde von Ministranten und Mitgliedern des Seelsorgeteams angeschlagen. Sie hat den Ton des1 und wiegt 600 Kilogramm. Ebenfalls von ihnen angeschlagen wurde die Josefsglocke mit dem Ton f1, die das von Rose Vollmer entworfene Bild der Heiligen Familie trägt und eine Tonne wiegt.

<strong>Künstlerisch:</strong> Die Glockenzier wurde von Christof Feuerstein und Rose Vollmer gestaltet.
Künstlerisch: Die Glockenzier wurde von Christof Feuerstein und Rose Vollmer gestaltet. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Die Zenoglocke mit dem Ton as1 wiegt 2,2 Tonnen. Sie wurde von Christof Feuerstein mit einem Bild sowie der Inschrift „Zeno heiß’ ich, GOTTES EHRE preis’ ich, euer HEIL WILL ich, drum sooft ihr hört mich, geht doch zur Hl. MESS’, damit ihr GOTT nicht vergesst“ geschmückt. Sie wurde von Bürgermeister Christof Berger, Mesner Helmut Eckert, Matthias Faißt sowie der neuen Gemeindereferentin Beate Tasse angeschlagen.

Bürgermeister freut sich über den neuen Klang

In seinem Grußwort erklärte Bürgermeister Berger, Glockenklang gehörten zum Kulturerbe Europas, auch wenn die weltliche Bedeutung des Glockenschlags gegenüber früher, als er die Uhrzeit kundtat, das neue Jahr einläutete, aber auch bei Bränden zum Löschen rief, stark nachgelassen habe. Er jedenfalls freue sich über den neuen Glockenschlag.

Willkommen für Gemeindereferentin

Neben zahlreichen Dankesworten an den Vertreter der Glockenbaufirma und des erzbischöflichen Bauamtes, an die Helfer beim Aufstellen der Glocken und rund um die Glockenweihe hießen Stahlberger und Dekan Berg Beate Tasse nochmals im Seelsorgeteam von St. Wendelinus Hotzenwald willkommen. Der Dekan verlas die Einsetzungsurkunde, die Erzbischof Stefan Burger an Bernhard Stahlberger als offiziellen Pfarrer der Seelsorgeeinheit gerichtet hatte, mit dem augenzwinkernd angefügten Rat, katholisch zu bleiben. Stahlberger beantwortete diesen mit dem Hinweis, er bleibe schon katholisch, auch wenn er etwas andere Wege gehe als die gewohnten. Er sage nur eins: „Ich bin gern uff’m Wald.“ Das quittierte Matthias Faißt verschmitzt mit dem Kommentar, diese Investitur sei eine Investition, die sich gelohnt habe.