Das herrliche Winterwetter lockt zahlreiche Wintersportler und -wanderer auf den Hotzenwald. Wer in Großherrischwand über den Parkplatz am Loipenstüble geht, erahnt, wie weit der Einzugsradius reicht. Gut ein Drittel der Fahrzeuge tragen Schweizer Kennzeichen.

Während die einen mit Langlaufski gemächlich in der Classic-Loipe dahin ziehen, spurten andere auf der Scating-Loipe nebenan davon. Alle Hundehalter und Winterwanderer sind froh, dass es auch bei dicken Schneelagen die festgewalzten Wege über die Hügel gibt.

Fulltime-Job auf den Pisten

Wenn sich warnend piepend von vorn oder hinten ein großes behäbiges Fahrzeug leise surrend nähert, dann darf man gern zur Seite treten und freundlich grüßen. Derzeit sorgen zwei Mitglieder des Loipenvereins Hotzenwald dafür, dass allzeit gute Wegebedingungen herrschen. Dabei fallen neben dem Spuren noch Wegeräumarbeiten nach Schneebruch an. Einen nicht unerheblichen Zeitaufwand braucht die Fahrzeugpflege. Derzeit ist Rudolf Kurtz technischer Leiter des Loipenvereins.

Wenn sechs Tonnen Maschine durch den Schnee pflügen, braucht es eine ruhige Hand und Besonnenheit. Für Rudolf Kurtz vom Loipenverein kein Problem.
Wenn sechs Tonnen Maschine durch den Schnee pflügen, braucht es eine ruhige Hand und Besonnenheit. Für Rudolf Kurtz vom Loipenverein kein Problem. | Bild: Annka Mickel

Auf seiner Tour erläutert Bernd Kühnel, Vorsitzender des Loipenvereins, die Details dieser Arbeit. Eigentlich ist das Spuren aller Loipen im Winter ein Fulltime-Job. So ist es für die Gemeinde Herrischried ein Glücksgriff, dass zwei frischgebackene Rentner die sechs Loipen und zwei Verbindungswege der Gemarkung gegen ein kleines Entgelt täglich pflegen.

Arbeitspensum: Sechs bis sieben Stunden

Bei einer Streckenlänge von knapp 50 Kilometern ist klar, dass nicht jede Loipe täglich gespurt wird. Allein die vom Ortskern Herrischried startende Ödlandloipe misst 16 Kilometer. Im Wechsel werden die Loipen präpariert.

Nicht selten kommen dabei sechs bis sieben Stunden täglich für Bernd Kühnel und seinen Kollegen Rudolf Kurtz zusammen. Beide scheinen diese stille Arbeit in der Winterkulisse zu genießen. Kühnel weist darauf hin, dass es eigentlich nicht optimal sei, bei laufendem Loipenbetrieb zu spuren. Andererseits funkt die Psychologie dazwischen. „Wenn die Leute uns nicht zu Gesicht bekommen, heißt es schnell: Die machen gar nichts!“

Optimale Verhältnisse für Langläufer, Winterwanderer und Rodler auf den Loipen der Gemeinden Herrischried und Görwihl: Der Loipenverein sorgt für gute Bedingungen.
Optimale Verhältnisse für Langläufer, Winterwanderer und Rodler auf den Loipen der Gemeinden Herrischried und Görwihl: Der Loipenverein sorgt für gute Bedingungen. | Bild: Annka Mickel

Überqueren der L 151 als Nervenprobe

Nur eines regt die beiden sonst so besonnen Fahrer auf: Auf den Rundtouren muss einmal die L 151 überquert werden. Ein Unterfangen, das höchste Konzentration verlangt. Im Idealfall sind sie an dieser Stelle zu zweit, sodass einer den Verkehr regeln kann. Wenn aber ein Autofahrer meint, gerade noch vorbeihuschen zu können und keine Wartezeit in Kauf nimmt, müssen sich beide zurückhalten, nicht los zu poltern.

Freiwilliger Beitrag erwünscht

Dass Herrischried diese Wintersportbedingungen bieten kann, ist ein gemeinschaftlicher Kraftakt. Die Gemeinde unterstützt die Fahrer und die Betriebsstunden des Fahrzeugs. Das Loipenmobil angeschafft hat der Loipenverein auf eigene Kosten für eine sechsstellige Summe.

Für die Abzahlung hilft es, wenn jeder, der die Wege nutzt, in die überall am Loipenstart aufgestellten Kassen einen freiwilligen Obulus entrichtet. Auch die Wanderer und Rodler am Lochhäuser Hang dürfen sich hier gern an den Kosten beteiligen. Der Verein ist glücklich darüber, dass zehn Prozent der Mitglieder spendable Schweizer sind, die das Skigebiet gern unterstützen und auch mal mit einer größeren Spende aushelfen können. Zudem kann der Loipenverein auf treue Sponsoren aus der Region setzen.

Weitere Pistenfahrer gesucht

Derzeit freuen sich die beiden über weitere Unterstützer. Wer Lust und Zeit hat, sollte sich gleich melden. Denn es braucht ein paar Jahre Fahrerfahrung, bis alle Wege eigenständig bewältigt werden können. Rudolf Kurtz hat sich in drei Jahren alles unter dem strengen Blick von Bernd Kühnel angeeignet.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, direkt beim Hersteller der Fahrzeuge in Südtirol begleitende Fahrtrainings zu absolvieren. Und dann braucht es einfach das Gemüt, auch in steiler oder Schieflage nicht aus der Ruhe zu kommen. Als ich wohlbehalten am Klausenhof, dem Stellplatz des Fahrzeugs, nach einem spannenden Rückwärtsmanöver aussteige, kann ich vor den Fahrern nur anerkennend den Hut ziehen.