Großherrischwand – Ob in Zukunft auf den Märkten beim Klausenhof (Kunststückchen und Erntemarkt) noch Musikgruppen spielen können, ist ungewiss. Derzeit sieht es danach aus, dass die Musikauftritte einheimischer Spielgruppen wie Da Capo und Skadefryd an erhöhten Gemapreisen scheitern werden. Helmut Eckert vom Förderverein Klausenhof und Dirk Bürklin vom Kunststückchen-Organisationsteam erklären, dass die Gema-Gebühren, die mittlerweile mehr als das Künstlerhonorar betragen, angesichts der ehrenamtlich geleisteten Mitgliedsbeiträge nicht länger gerechtfertigt seien.

Seit dem BGH-Gerichtsurteil im Jahr 2011 wird für Freilichtveranstaltungen die Veranstaltungsfläche für die Gema-Preisberechnung zu Grunde gelegt. Bei einer Fläche von 3000 Quadratmetern (wie beim Klausenhof) „kommen wir auf eine Abgabe von rund 500 Euro pro Markt-Veranstaltung“, rechnet Dirk Bürklin vor. Die sind selbst dann fällig, wenn nicht einmal das ganze Gelände beschallt wird. „Die Gema-Kosten überragen mittlerweile die Künstlerhonorare. So darf man Mitgliedsbeiträge nicht länger verschleudern, wirft doch der Markt nicht einmal einen Gewinn ab“, erklärt Helmut Eckert, Vorsitzender des Fördervereins des Freilichtmuseums Klausenhof.

Eine Gema-Abgabe wird stets dann fällig, wenn Musikstücke öffentlich gespielt werden, „deren Urheber (Komponist, Texter) nicht länger als 70 Jahre verstorben ist“, erklärt Gabriele Schilcher, Gema-Sprecherin aus München. Mittelalterliche Stücke, wie sie Da Capo und Skadefryd spielen, müssten da eigentlich gebührenfrei sein. Die Gema erklärt aber: „Bei solchen Stücken wurden im Nachhinein für die heutige Musikwelt Noten und Texte angepasst, weshalb man davon ausgehen kann, dass die heutige Interpretation innerhalb der letzten 70 Jahre aufgesetzt wurde.“ Ob ein Programm der Mittelalterlichen Spielgruppen nun gebührenpflichtig ist oder nicht, lässt sich anhand der Gema-Titellisten online herausfinden. Um weiterhin bei den Klausenhofmärkten auftreten zu können, müssten die Gruppen ihr Programm überarbeiten und Stücke heraus nehmen. Gemafrei sind beispielsweise Original-Volkslieder, oder Eigenkompositionen von Künstlern, die der Urhebergesellschaft nicht angehören.

„Wir können die Veranstalter schon verstehen. Irgendwo sollte die Gema eine sinnvolle Grenze ziehen und Kleinkunst auch mal Kleinkunst sein lassen“, sagt dazu Günter Butz, Manager von Skadefryd.

„Wir bieten zwar auch Gemafreie Programme an, dann fallen aber beliebte Titel weg und altertümliche Texte kann kaum einer mitsingen.“ Die Marktveranstalter haben nun über die Gemeinde einen Antrag bei der Gema auf Gebührenprüfung einreichen lassen. „Wenn sich nichts ändert, wird das musikalische Angebot der Märkte wohl schmaler. Oder es gibt einen Markt ohne Spielgruppe, was aber sehr, sehr schade wäre“, informiert Bürklin.