Es war eine spannende Wahl am Dienstagabend: Das Gemeindeteam Herrischried hatte ins Pfarrheim eingeladen, um über die Entwürfe für die drei neuen Glocken der St. Zeno Kirche abzustimmen. Die drei Künstler Rosemarie Vollmer, Wolfgang Eckert und Christoph Feuerstein stellten ihre tiefgründigen Gedanken zu den Motiven vor. Bei der anschließenden Wahl wurden 24 Stimmen abgegeben. Das Votum setzte der Stiftungsrat anschließend einstimmig in Kraft.

Den Auftrag erhielten demnach zwei Künstler: Die große, zwei Tonnen schwere Zeno-Glocke wird Christoph Feuerstein gestalten. Sein Entwurf lag mit einer Stimme knapp vor Rosemarie Vollmers Vorschlag. Dafür wurden Vollmers Entwürfe für die beiden kleineren Glocken, die Kinderglocke, sowie die Josefglocke, gewählt.

So unterschiedlich die Künstler, so verschieden waren ihre Ansätze: Da fiel die Wahl nicht leicht. Zunächst stellte Christoph Feuerstein seine Skizzen vor. Der 1965 in Heidelberg geborene Kunsthistoriker gestaltete bereits 2002 alle sieben Glocken für die Dresdner Frauenkirche. Eine tiefsinnige Symbolik prägt Feuersteins Ideen, die er gewandt in biblischen Motiven zum Ausdruck bringt und meist ohne Spruchtext auf den Betrachter wirken lässt.

Bei der Zeno-Glocke wird dies deutlich: Die eine Seite zeigt Bischof Zeno, wie er die ertrinkenden Seelen errettet. Die andere Glockenseite ziert eine alttestamentliche Szene, in der David den König Saul mit Harfenklängen von seinem Trübsinn heilt. Zeno und David – Ihre Namen bedeuten dasselbe, nämlich "von Gott geliebt". Feuerstein arbeitet recht ziseliert, verwendet tiefe Reliefs (bis zu 1,5 Zentimeter) und verleiht Gesichtern detailliert Ausdruck.

"Diese Relieftiefe stellt kein Problem für den Klang der Glocke dar. Ihr Ton beruht später beim Guss auf der Form und auf dem verwendeten Metall. Damit die Töne der Glocken nachher stimmen, begleite ich das Projekt bis zum Schluss", erklärt Glockeninspekteur Johannes Wittekind von der Diözese Freiburg.

Anders präsentierten sich die Vorschläge des Ehepaars Juliane und Wolfgang Eckert. Das Bildhauerpaar aus Furtwangen hatte bereits vor zwei Jahren beim Görwihler Kultursommer mitgewirkt und auch schon Glocken für die Lörracher Kirche St. Bonifatius gestaltet. Ihre Motive waren in der Fläche streng unterteilt, was die Ansicht beruhigte. Zentrale Figuren standen bei Eckerts im Bildmittelpunkt; ihre schematische Ausführung ließ dennoch Freiraum zur Interpretation. Einige Besucher stießen sich aber an dem strengen Schriftzug auf der Kinderglocke.

Rosemarie Vollmer, die auch schon am Kultursommer mitgewirkt hatte und mehrere Glocken, unter anderem für den Rottenburger Dom, entworfen hat, baute in ihre Motive immer wieder verspielte Elemente ein. Mit der Teilnahme an der Abstimmung zeigte sich das Gemeindeteam zufrieden. "Wir haben nicht mit so viel Interesse gerechnet", sagte Annemarie Matt. Als nächstes wird die Spendenaktion in Angriff genommen, erklärte sie. Gegossen werden die Glocken im Februar 2018.