In Wehrhalden ist nichts los? Von wegen. Wo sich Alpakas und Füchse „Gute Nacht“ sagen, kann es schon mal rund gehen. Wie vor ein paar Wochen, als ein verdutzter Herr Freter von seinem Wohnsitz in der Unteren Wehrhalden am Ende des Dorfes einen Omnibus talwärts in Richtung Auer Häusle vorbeifahren sah. Da die Straße gerne von Wanderern begangen wird, aber nicht für Fahrzeuge dieser Größe geeignet ist und ohnehin in einer Sackgasse endet, geschah, was geschehen musste: Der Bus kehrte im Rückwärtsgang wieder zurück und blieb stehen. Dessen Insassen begaben sich ins Freie und versuchten zu telefonieren. Doch die Untere Wehrhalden ist die Königin aller Funklöcher, weshalb die telefonischen Versuche in Ratlosigkeit mündeten.

Herr Freter begab sich zu den Gestrandeten und stellte fest, dass es sich um 18 Ingenieure vom türkischen Energieministerium in Ankara handelte. Sie wollten die Kavernenkraftwerke in Wehr und Bad Säckingen besichtigen. Der Bus war aus dem Raum Stuttgart gekommen, musste aber wegen der Sperrung des Wehratals einer Umleitung folgen, was dem Fahrer vielleicht nicht geheuer vorkam, weshalb er sein Handy-Navi benutzte. Das zeigte auch korrekt die Straße durch Wehrhalden in Richtung Wehratal nach Todtmoos-Au an, aber eben nicht die Sackgasse und auch nicht, wie steil, kurvig und eng es dort ist.

In diesem alpinen Gelände ist ein Bus hoffnungslos aufgeschmissen. Der Fahrer versuchte der misslichen Lage zu entkommen, indem er wenden wollte, um nicht die ganze Straße zurück bis zum Wehrhalder Hof im Rückwärtsgang fahren zu müssen. Das Ergebnis: tiefe Furchen im Grünen, Bremse, Handbremse und Kupplung am Rand der Verzweiflung sowie eine kaputte Stoßstange, also ein Fall für Panzerklebband, das Herr Freter aus seiner Fahrradwerkzeugtasche hervorzauberte.

Das zweistündige Drama wendete sich erst zum Guten, als ein Unimog aus Todtmoos zur Hilfe kam. Bis dahin erfuhren die türkischen Ingenieure, dass es nicht nur in der Türkei Gastfreundschaft gibt, sondern auch im hintersten Hotzenwald. Denn Herr Freter stellte in der Garage Biertische und Bänke auf, verpflegte die Gäste, zeigte ihnen den Weg zur Toilette und so fort – „eine Übung in Spontanität“, wie er fand. Die türkische Gesellschaft bedankte sich herzlich und schaffte es noch nach Wehr, aber nicht mehr nach Bad Säckingen, weil sie in Basel den Rückflug in die Heimat nehmen wollte. Immerhin bekamen die Herren einen Einblick in die deutsche Pumpspeichertechnologie. Und der Busfahrer? Musste wohl fix und fertig gewesen sein.

Hoffentlich war es nicht der gleiche Busfahrer wie in dieser Geschichte.

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