Hotzenwald Großer Rückblick auf das Projekt Atdorf: Die Quellen waren stets der Hauptstreitpunkt

Das Vorhaben spaltete ab 2008 den Hotzenwald.

Über neun Jahre lang bestimmte das von der Schluchseewerk AG geplante Pumpspeicherwerk Atdorf auf dem Hotzenwald die öffentliche Diskussion. Das Milliardenprojekt weckte Hoffnungen, rief Befürchtungen hervor und spaltete die Hotzenwälder in Befürworter und Gegner. Wir blicken zurück auf die Stationen.

  • 27. September 2008: Durch eine Indiskretion erfährt die Öffentlichkeit, dass die Schluchseewerk AG den Bau eines weiteren Pumpspeichers plant. Noch am selben Tag bestätigt die Unternehmensleitung Berichte über das Vorhaben. Es soll das größte Investitionsprojekt in der Geschichte des 1928 gegründeten Schluchseewerks werden. Das Unterbecken im Haselbachtal und das Oberbecken auf dem 700 Meter höher gelegenen Abhau sollen je zehn Millionen Liter Wasser fassen, die Turbine in der Kaverne 1000 Megawatt Leistung erbringen. Die Baukosten werden mit 700 Millionen Euro beziffert. Für sie sollen die Schluchseewerk-Eigner EnBW, Energiedienst und RWE aufkommen. 2014 will das Schluchseewerk mit dem Bau beginnen, 2018 soll der Pumpspeicher Atdorf in Betrieb gehen.
  • 2. Oktober 2008: Der Herrischrieder Bürgermeister Christof Berger weist darauf hin, dass ein Speicherbecken im Wasserschutzgebiet Abhau gravierende Auswirkungen auf die Wasserversorgung hätte, was die Gemeinde nicht hinnehmen könne.
  • 10. Dezember 2008: Im Haselbachtal führt die Schluchseewerk AG erste Erkundungsbohrungen durch.
  • 3. April 2009: Im Naturfreundehaus Strick kommen nach einem Aufruf für die Erhaltung der Naturlandschaft auf dem Abhau und im Haselbachtal rund 80 Gegner eines weiteren Pumpspeichers zusammen und beschließen die Gründung einer Bürgerinitiative.
  • 7. Mai 2009: Der Umweltausschuss des Landtags informiert sich vor Ort. Ausschussvorsitzender Ulrich Müller erklärt zum Projekt Atdorf: „Die energiewirtschaftliche Sinnhaftigkeit ist unbestritten.“
  • 29. Juni 2009: Der Schwarzwaldverein stellt fest, dass das Großprojekt Atdorf nur dann realisiert werden dürfe, wenn es volkswirtschaftlich und technisch ohne Alternative sei.
  • 27. Juli 2009: Das Schluchseewerk beginnt auch auf dem Abhau mit Probebohrungen. Im August läuft an einer der Maschinen Öl aus.
  • 6. Oktober 2009: Die Gemeinde Rickenbach fordert für den Fall, dass bei Arbeiten für das Pumpspeicherwerk auf dem Abhau Quellen versiegen, auf Kosten der Schluchseewerk AG Ersatz geschaffen werden muss.
  • 23. Oktober 2009: Der Sondierstollen zur Erkundung der Kaverne wird in Wehr angestochen.
  • 10. März 2010: In den Sondierstollen dringt erhöht Bergwasser ein. Dies verzögert die Arbeiten erheblich.
  • 18. Mai 2010: Der Gemeinderat Rickenbach stimmt zehn gegen sechs Stimmen einer Ersatzwasser-Vereinbarung mit dem Schluchseewerk zu.
  • 25. Mai 2010: Im Ausbruchsmaterial des Sondierstollens werden erhöhte Arsenwerte gemessen. Das Landratsamt wusste bereits im Januar davon.
  • 9. Juni 2010: Die Bad Säckinger Kliniken fordern die Behörden auf, den Bauantrag für den Pumpspeicher nicht zu genehmigen.
  • 16. Juni 2010: Beim Regierungspräsidium Freiburg sind 1137 Einwendungen gegen das Projekt Atdorf eingegangen.
  • 27. September 2010: Bei einer Bürgerbefragung der Gemeinde Herrischried sprechen sich 51 Prozent gegen das Projekt Atdorf aus.
  • 29. September 2010: Im Rahmen des Raumordnungsverfahrens erörtern in Bad Säckingen unter Leitung des Regierungspräsidiums die Schluchseewerk als Bauherrin und Gegner des Vorhabens ihre Positionen zum Pumpspeicherprojekt. Noch während der Termin läuft, stellt Landeswirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) fest, dass er den Bau des Pumpspeichers aus energiewirtschaftlicher Sicht nachdrücklich begrüße.
  • 27. November 2010: 300 Menschen demonstrieren in Bad Säckingen gegen den Pumpspeicher.
  • 8. Dezember 2010: Das Regierungspräsidium gibt im Raumordnungsverfahren grünes Licht für weitere Schritte im Genehmigungsverfahren.
  • 4. Februar 2011: Bei einer Bürgerbefragung der Gemeinde Rickenbach sprechen sich 52 Prozent für das Projekt Atdorf aus.
  • 26. Februar 2011: 400 Menschen demonstrieren in Bad Säckingen gegen den Pumpspeicher.
  • 14. März 2011: Der Sondierstollen ist komplett.
  • 6. April 2011: 40 Gewerbetreibende aus Rickenbach, Herrischried, Bad Säckingen und Wehr formieren sich als "Unternehmer pro Atdorf".
  • 25. Juni 2011: 40 Vertreter von Parteien, Verbänden, Initiativen und Unternehmen kommen in Bad Säckingen zum ersten von insgesamt fünf Runden Tischen zu Atdorf zusammen.
  • 8. Juli 2011: Der Sondierstollen wird geflutet und mit einer sechs Meter dicken Plombe verschlossen.
  • 7. September 2011: Die CDU-Landtagsfraktion legt bei ihrem Besuch am Hochrhein ein eindeutiges Bekenntnis zum Pumpspeicherprojekt ab.
  • 22. Dezember 2011: Wegen Untersuchungen zu Natur- und Artenschutz, Erdbebensicherheit und Standortvarianten verschiebt sich das Planfeststellungsverfahren um mindestens sechs Monate.
  • 28. März 2012: Unter derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen sei ein Pumpspeicherwerk nicht wirtschaftlich zu betreiben, erklärt Schluchseewerk-Vorstand Stefan Vogt. Er korrigiert auch den Zeitplan. 2016 soll der Bau begonnen werden und 2022 abgeschlossen sein.
  • 16. November 2012: Eine Untersuchung der Schluchseewerk AG bestätigt, dass der Sondierstollen negative Auswirkungen auf die Quellschüttung hatte und der Grundwasserspiegel am Abhau um bis zu 23 Meter gefallen ist.
  • 19. Dezember 2012: Das Landratsamt Waldshut lehnt einen Antrag der Bürgerinitiative PSW Atdorf: Bürgerinitiative auf Einstellung des Planfeststellungsverfahrens ab.
  • 24. März 2013: Die Schluchseewerk AG startet die Kartierungsarbeiten zur Prüfung möglicher Kompensationsflächen für das Pumpspeicherwerk. Mehrere hundert Hektar im ganzen Südschwarzwald werden untersucht.
  • 30. April 2014: Die RWE steigt aus der Finanzierung des Projekts Atdorf aus. EnBW und Energiedienst finanzieren die Planung jetzt alleine.
  • 9. Mai 2014: Die Behörden gehen davon aus, dass bei einem Bau des Pumpspeichers weitere Trinkwasserquellen trocken fallen. Neue Wasservorkommen sollen durch Tiefenbohrungen erschlossen werden.
  • 3. November 2015: Im Genehmigungsverfahren gibt es Verzögerungen: Mit der Offenlage ist frühestens nach Ostern 2016 zu rechnen, erklärt das Landratsamt.
  • 14. April 2016: Unter anderem auf den Rathäusern Rickenbach, Herrischried, Bad Säckingen und Wehr liegen bis 30. Mai die Planunterlagen für das Pumpspeicherwerk Atdorf aus: Der Planfeststellungsantrag umfasst 124 Ordner mit 20000 Seiten. Nach der Offenlage gehen bis 13. Juni über 1300 Einwendungen von Gemeinden, Verbänden und Bürgern gegen den Bau des Pumpspeicherwerks ein.
  • 9. Juni 2016: Der Gemeinderat Herrischried fordert einstimmig die Schluchseewerk AG auf, vom Projekt Pumpspeicherwerk Atdorf Abstand zu nehmen.
  • 9. Januar 2017: In der Seebodenhalle Wehr erörtert das Landrastsamt Waldshut drei Wochen lang bis 26. Januar die Einwendungen. Gemeinden und Verbände tragen Tag erhebliche Bedenken gegen das Pumpspeicherprojekt vor. Uneins sind die Juristen der Schluchseewerk AG und der Einwender, bei der Frage, ob Enteignungen vorgenommen werden dürften. Groß sind die Gegensätze vor allem bei den Themen Quellwasser und Heilquellen. Viele zusätzliche Gutachten müssten erbracht werden. Mit einem Planfeststellungsbeschluss wird nicht mehr vor 2018 gerechnet. Die voraussichtlichen Baukosten werden inzwischen mit 1,6 Millarden Euro beziffert.
  • 10. Oktober 2017: EnBW und Energiedienst teilen mit, dass sie kein Geld mehr für das Projekt Atdorf zu Verfügung stellen und die Pläne ad acta legen werden.

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