Nachdem der Rickenbacher Gemeinderat neulich ob der Nachricht, dass das Pumpspeicherwerk Atdorf nicht gebaut wird, die Sektkorken knallen ließ, tat der Herrischrieder Gemeinderat letzten Montag dasselbe: Es gab Chlöpfmoscht. Dieser wird gerne eingenommen, um einer gewissen Freude Ausdruck zu verleihen, was dann wiederum die Geselligkeit fördert. Jedenfalls kommt dieses Ritual in, beziehungsweise nach Gemeinderatssitzungen nicht oft vor. Denn oft ist es leider so, dass man und frau Volksvertreter eher sich über irgendetwas – ungehorsame Bürger, freche Presse, störrische Beamte – aufregen muss, und schon ist die Stimmung derart im Keller, dass nicht einmal ein rosaroter Sonnenaufgang sie wieder zu heben vermag, geschweige denn Chlöpfmoscht. Deshalb: Es möge der Sektkorken knallen, wenn der Anlass dazu einlädt. Gerne noch ein Chlöpfer dazu, damit die hungrigen Herren auf ihre Kosten kommen, die Damen erhalten Pralinchen.

Wer weiß, vielleicht gibt es bald wieder eine Gelegenheit. Vielleicht wird die Albtalstraße wieder geöffnet, verwandelt sich die Hotzenwaldhalle über Nacht in ein Cinderella-Schloss oder kommt ein Mäzen daher und bezahlt die ganze Zeche für den Rickenbacher Rathausumbau. Das wäre ein Hallo und ein Chlöpfmoschtgechlöpfe. Nur leider sieht die Realität anders aus: hart wie ein Granitblock, kalt wie ein Eiszapfen, undurchsichtig wie Nebel – wem ist da schon zum Feiern zumute. Gott sei Dank ist bald Martinimarkt. Dort gibt es allerlei Feines, Gemütsaufhellendes, sicher auch Chlöpfmoscht, auf jeden Fall Glühwein, wegen der Jahreszeit. Aber Obacht, Sie wissen ja: ein Glühwein, swei Glühwein, rei Lühwein und so fort, und wenn sich nach dem elften Glühwein die Schuhe von alleine ausziehen, ist es Zeit, heimzugehen. Mit etwas Glück schneit es dann nicht.saeckingen.redaktion@suedkurier.de