Mit der „Fliegenden Tuba“ von Ping Qui sowie frühmittelalterlichen Gesängen, interpretiert von Juliane Brittain und Wolfgang Dais, begann das Kunstprogramm des sechsten Görwihler Kultursommers in der Pfarrkirche St. Zeno in Herrischried im Anschluss an die Eucharistiefeier. Darin hatte Pfarrer Bernhard Stahlberger die Gläubigen aufgefordert, die Gaben zu nutzen, die jeder Mensch mit auf den Lebensweg gegeben wurden.

Künstlerin Ping Qui führte in ihre Installation „Fliegenden Tuba“ ein.
Künstlerin Ping Qui führte in ihre Installation „Fliegenden Tuba“ ein. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Nicht nur die Künstler des Kultursommers, so Stahlberger, hätten die Möglichkeit, ihre Gaben zu entwickeln und dadurch am Leben teilzunehmen, im Gegenteil sei jeder Einzelne dazu aufgefordert. Es sei nicht leicht gewesen, zu Jesu Lebenszeit des Nachts, wenn die großen Tore geschlossen waren, durch die kleine Pforte in die Stadt Jerusalem hinein zu kommen. Jedermann sollte sich indes bemühen, die enge Pforte zu durchschreiten, um ins Leben zu gelangen. Daher forderte er alle Anwesenden auf, ihm zu folgen, marschierte dann, die Kirchgänger im Gänsemarsch hinter ihm her, aus dem Portal hinaus, um die Kirche herum, und durch die kleine hintere Pforte, die in den Altarraum führt, wieder hinein, sodass jeder selbst spüren konnte, wie es sich anfühlt, durch so eine enge Tür zu gehen. So sollten die Gläubigen auch die enge Tür ihres Herzens öffnen – für Jesus. Entsprechend lautete auch die von der Gemeinde in den Fürbitten gesprochene Formel dieses Tages: „Herr, du bist die Tür, öffne uns das Leben.“

Von der „Fliegenden Tuba“ von Ping Qui fließen Fäden wie der Lufthauch des Musikers in Richtung Publikum.
Von der „Fliegenden Tuba“ von Ping Qui fließen Fäden wie der Lufthauch des Musikers in Richtung Publikum. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Während des Gottesdienstes waren neben den Orgelklängen von Regina Braun und dem Gesang von Kantorin Gabi Böhler zwei Lieder von Juliane Brittain und Wolfgang Dais zu hören gewesen. Nach dem Gottesdienst stellte Ping Qui ihre Installation vor, danach interpretierte das Duo weitere Gesänge.

Die Kirchenbesucher bewundern die „Fliegende Tuba“ von Ping Qui in der Pfarrkirche St. Zeno in Herrischried.
Die Kirchenbesucher bewundern die „Fliegende Tuba“ von Ping Qui in der Pfarrkirche St. Zeno in Herrischried. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Ping Qui, die in Berlin lebt, war im vergangenen Jahr bereits beim Kultursommer zu Gast und hatte dort für St. Zeno eine Installation geschaffen. Während ihres Aufenthalts war sie fasziniert von den Blasmusikbeiträgen beim Kultursommer und hatte spontan eine Skizze der Installation angefertigt, die sie nun mit Helfern verwirklichte. Ihre „Fliegende Tuba“ soll den Dialog anschieben zwischen der Kunst und den Menschen. Wie im vergangenen Jahr von der Hand einer Statue in St. Zeno, laufen diesmal von der Tuba Fäden zum Betrachter. Stahlberger ergänzte die Ausführungen und wies darauf hin, dass diese Fäden den Luftzug nachzeichnen, der durch das Mundstück in das Instrument geschickt wird.

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Wie diese Tuba raum- und zeitlos über den Anwesenden schwebte, entführten Juliane Brittain und Wolfgang Dais mit Gesang und Lautenbegleitung ihre Zuhörer in eine entschleunigte Welt. Zunächst erklangen zwei Stücke aus dem „Roten Buch von Montserrat“, einer Sammlung aus dem 14. Jahrhundert. Danach boten die beiden Künstler Beispiele spanischer Renaissancemusik aus einer Sammlung, die im Zeitraum von 40 Jahren von neun Personen zusammengestellt wurde und Stile umfasst, vom einstimmigen bis zum vierstimmigen Satz und von religiösen über satirische und politische Inhalte bis zu Liebesliedern. In den Beispielen führte die Laute mit der Singstimme Zwiegespräche, wurde vom Begleitinstrument zum Partner, einschließlich kunstvoller Zwischenspiele. Am Schluss kredenzte das Duo aus den „Cantigas de Santa Maria“ aus dem 13. Jahrhundert eine Legende, in der einem Mönch auf seine Bitten hin von Maria zu Lebzeiten ein Stückchen Paradies gezeigt wird. Anschließend offerierte das Gemeindeteam den Gästen noch einen Apéro.