Nach 28 Jahren Pause wird in Herrischrieds französischer Partnergemeinde Le Castellet am Sonntag wieder ein Formel-1-Rennen gestartet. Der nach dem Unternehmer und Motorsportsponsor Paul Ricard benannte Rundkurs in der Provence hat eine große Renntradition. Zwischen 1971 und 1990 wurden hier 14 Mal der Grand Prix der Formel 1 ausgetragen.

Dauersieger in Le Castellet war in den 80er Jahren der Franzose Alain Prost (links), hier 1983 zusammen mit seinem Teamgefährten Niki Lauda. Bild: Gerard Fouet/AFP
Dauersieger in Le Castellet war in den 80er Jahren der Franzose Alain Prost (links), hier 1983 zusammen mit seinem Teamgefährten Niki Lauda. Bild: Gerard Fouet/AFP | Bild: GERARD FOUET

Auf dem Circuit Paul Ricard schrieben sich Rennlegenden wie Jackie Stewart (1971), Ronnie Peterson (1973), Niki Lauda (1975), James Hunt (1976) Nelson Piquet (1985) und Nigel Mansell (1986 und 1987) in die Siegerliste ein. Erfolgreichster Formel 1-Fahrer auf dem Rundkurs ist der Franzose Alain Prost, der hier 1982, 1983, 1988, 1989 und 1990 gewann. In der Saison 2018 führt nach sieben von 21 Rennen der Deutsche Sebastian Vettel mit einem einzigen Punkt Vorsprung vor dem englischen Weltmeister Lewis Hamilton. Über deren Startplätze entscheidet das Qualifying am Samstag.

Paul Ricard, Pastis-Hersteller und ehemaliger Bürgermeister von Signes, einer Nachbargemeinde von Le Castrellet, 1986 auf der von ihm erbauten Rennstrecke. Bild: Daniel Janin/AFP
Paul Ricard, Pastis-Hersteller und ehemaliger Bürgermeister von Signes, einer Nachbargemeinde von Le Castrellet, 1986 auf der von ihm erbauten Rennstrecke. Bild: Daniel Janin/AFP | Bild: DANIEL JANIN

Der Rundkurs liegt fünf Kilometer Luftlinie nördlich von Le Castellet auf einer Hochebene. Paul Ricard (1909-1997), vermögender Pastis-Hersteller und ehemaliger Bürgermeister von Le Castellets Nachbargemeinde Signes, hatte hier 1962 1000 Hektar Land erworden und einen Privatflugplatz sowie die 5,8 Kilometer lange Rundstrecke errichtet. Nach Ricards Tod wurde beides 1999 von einer Firma des langjährigen Formel-1-Promotors Bernie Ecclestone erworben und diente unter anderem als Teststrecke.

Bei ihrer Eröffnung 1970 setzte die Rennanlage in Le Castellet neue Maßstäbe. Vielfach wurden auch Formel-1-Rennen damals noch auf öffentlichen Straßen abgehalten. Der Circuit Paul Ricard bot demgegenüber eine eine speziell für Motorrennen geschaffene Infrastruktur. Bekannt war die Strecke auch wegen der 1,8 Kilometer langen Mistral-Geraden. Der Schweizer Marc Surer erreichte hier 1985 im Brabham BMW 338 Stundenkilometer. Probleme machte bei solchen Geschwindigkeiten die Signes-Kurve, in der die Mistral-Gerade endete, und wo es in den 80er Jahren bei Rennen immer wieder zu schweren Unfällen kam.

Der Circuit Paul Ricard aus der Luft gesehen. Im Vordergrund die Beausset-Kurve, oben rechts die Signes-Kurve, am oberen Bildrand die 1,8 Kilometer lange Mistral-Gerade mit der nachträglich eingebauten Schikane. Links ist der ebenfalls von Paul Ricard erbaute Flugplatz zu erkennen. Bild: Morgan Mathurin/Circuit Paul Ricard
Der Circuit Paul Ricard aus der Luft gesehen. Im Vordergrund die Beausset-Kurve, oben rechts die Signes-Kurve, am oberen Bildrand die 1,8 Kilometer lange Mistral-Gerade mit der nachträglich eingebauten Schikane. Links ist der ebenfalls von Paul Ricard erbaute Flugplatz zu erkennen. Bild: Morgan Mathurin/Circuit Paul Ricard | Bild: Morgan Mathurin/Circuit Paul Ricard

Nachträglich eingebaute Schikanen sollen die Mistral-Gerade heute entschärfen. "Zu groß ist die Angst, dass die Autos bei allfälligen Problemen in der Signes zu wenig Sturzraum hätten", schreibt speedweek.com. Etwa auf der Hälfte der Geraden müssen die Boliden deshalb in die Nord-Schikane abbiegen und ihr Tempo reduzieren. Dennoch rechnet das "Motorsport Magazin" mit Spitzengeschwindigkeiten von etwa 330 Stundenkilometern im ersten Abschnitt der Mistral-Geraden und mit "deutlich über 250 Stundenkilometern" im Bereich der Signes.

Nach zehn Jahren Grand Prix-Pause in Frankreich und sogar 28 Jahren in Le Castellet rechnen die Organisatoren mit einem großen Publikumsinteresse. Um das früher bei Formel 1-Rennen auf dem Circuit Paul Ricard übliche Verkehrschaos zu verhindern, wollen sie am Renntag maximal 70000 Besucher auf die Anlage lassen.