Bei milden Temperaturen, herrlichem Abendlicht und ganz ohne Regen ging am Samstag Abend die Premiere des Stückes „Strom“, geschrieben von Markus Manfred Jung, über Klausenhof-Bühne statt.

Gleich in mehrerlei Hinsicht wartete das Ensemble der Laienschauspieler mit Neuerungen auf: Anders, als in den Vorjahren waren alle Sprecherrollen mit Headsets ausgestattet, sodass man das Gesprochene viel besser verstanden hat und auch die individuellen Stimmmodulationen viel besser zum Ausdruck kamen. Kleiner Wehrmutstropfen – dafür prangt auf jeder liebevoll gestalteten Robe des letzten Jahrhunderts ein Responder und sorgt manchmal für Kabelsalat. Stimmlich wieder unglaublich eindrucksvoll war Margrit Eckert-Schneider als Witwe Merkle, die kein Blatt vor den Mund nimmt.

Viele bekannte Gesichter

Viele bekannte Gesichter standen auf der Bühne, aber mit dem Bürgermeister Matt aus Herrischied (Markus Stoll aus Engelschwand) und dem Bürgermeister Sutter aus Hottingen (Götz Hinze aus Görwihl), dem Bauernsohn Gerwig (Joscha Kramer) und einem herrlich verwirrten Bauern „Kaiser Hebbi“ (Andreas Kramer) standen auch Bühnenneulinge mit großen Rollen vor dem, die Tribüne leider nur zu zwei Drittel füllenden, Publikum.

Auch hinter den Kulissen gab es einen Neuanfang, der im Nachgang des Stückes von vielen Beteiligten als gelungen empfunden wurde – Gotthard Jost aus Schopfheim (s. Infokasten) führte erstmals bei der Freilichtbühne Klausenhof Regie. Der „Lehrer Strittmatter“ (Konrad Betzler) schwärmte hinter den Kulissen zum Gruppengefühl „glücklich ist noch untertrieben“.

<strong>Das Ensemble:</strong> So richtig zur Geltung kommt das Theater erst im Abendlicht. Hier sitzt die sonst lärmende Kindermeute mal still und verstohlen und lauscht, was die Großen im Wirtshaus aushandeln.
Das Ensemble: So richtig zur Geltung kommt das Theater erst im Abendlicht. Hier sitzt die sonst lärmende Kindermeute mal still und verstohlen und lauscht, was die Großen im Wirtshaus aushandeln. | Bild: Annka Mickel

Spannend über die Jahre zu beobachten, wie die Kinder langsam mit dem Theater mitwachsen und ihre Sprechrollen erweitern. Herrlich hier Johannes Siebold aus Giersbach in der Rolle des Rotzbengels Fridolin Sutter, der mit seinen Streichen den Lehrer Strittmatter regelmäßig zu wuchtigen Flüchen treibt. Keine Klausenhof-Bühne ohne eine lärmende, wilde Kinderschar, die dem altehrwürdigen Gemäuer so schön Leben einhaucht.

Bild: Annka Mickel

Der Hotzenwald steht zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Zeitenwende zur Elektrifizierung mithilfe der Wasserkraft. Dass ein solcher Wandel die Gemüter erhitzt und die Angst vor Veränderung hochkocht, ist abzusehen. Webereibesitzer Ferdinand Faller aus dem Wiesental (Sascha Brenn aus Rickenbach) will diese Chance geschäftstüchtig nutzen und versucht, sich mit den Hotzenwäldern zu Wasserrechten und Flächeneigentum handelseinig zu werden. Der Konflikt zwischen den „Wäldern“ und den „Tälerleut“ ist vorprogrammiert. In geschickten Seitenhieben schafft es Autor Markus Manfred Jung immer wieder, den Bogen zur Gegenwart zu schlagen, in der man vielleicht „zivilisierter“ streitet, aber in der Essenz um die ewig gleiche Frage „Wer hätt‘ des Sage uff’m Wald?“.

<strong>Der Gelehrte:</strong> Während Lehrer Strittmatter (Konrad Betzler) in den Segnungen der Elektrizität schwelgt, schmort Fridolin (Johannes Siebold mit Eselohren) in der Schäm-Ecke für seine Streiche,
Der Gelehrte: Während Lehrer Strittmatter (Konrad Betzler) in den Segnungen der Elektrizität schwelgt, schmort Fridolin (Johannes Siebold mit Eselohren) in der Schäm-Ecke für seine Streiche, | Bild: Annka Mickel

Wer bei der Premiere nicht dabei sein konnte, hat bis zum 29. Juli jeweils Samstag und Sonntag die Gelegenheit, zu erleben, wie diese Frage entschieden wird. Für das leibliche Wohl der Zuschauer sorgt in allbewährter Weise der Förderverein Klausenhof und das Klausenhof-Kiosk.

<strong>Der Neue:</strong> Gotthard Jost, Lehrer aus Schopfheim, führte im Stück "Strom" die Regie am Klausenhof. Seine Schülerin Anna Schwarzwalder brachte ihn zur Klausenhof-Bühne.
Der Neue: Gotthard Jost, Lehrer aus Schopfheim, führte im Stück "Strom" die Regie am Klausenhof. Seine Schülerin Anna Schwarzwalder brachte ihn zur Klausenhof-Bühne. | Bild: Annka Mickel

Gotthard Jost und seine Regiearbeit

Theater ist sein Leben, so scheint es, wenn man den Hünen Gotthard Jost, der im „richtigen Leben“ Lehrer ist, zwischen seinen Ensemble-Leuten stehen sieht. Rund 35 Darsteller, auch etliche Kinder, haben sich in zahlreichen Proben auf die Aufführungen vorbereitet. Für jeden hat Gotthard Jost noch einen Rat, schwört die Gruppe zu Beginn der Aufführung auf das gemeinsame Ziel ein, packt sie anscheinend gekonnt bei ihrem Ehrgeiz. Und sitzt dann bescheiden beim Publikum.

Szenen lebendiger

Dass die Wirtshaus- und Schulszenen lebendiger wirken, ist seiner Idee zu verdanken, auch echten Nebengesprächen Raum zu geben. „Im Freilichttheater, muss der Fokus des Zuschauers auf vielfältige Weise auf die Szene gebannt werden“, sagt der Theatererfahrene.

Gotthard Jost spielt selbst in verschiedenen Projekten im Dreiland Theater. Im vergangenen Jahr räumte er mit der Trachtengruppe Zell im Wiesental mit dem Stück „Verliebt, verlogen, verheiratet“, einer alemannischen Adaption auf das Original von Ray Cooney, in der Kategorie Mundart-theater den Landesamateur-Theaterpreis (Lamathea 2017) ab – sein Regiedebut.

Positive Bilanz

Mit der Premiere am Samstag ist Gotthard Jost zufrieden: „Eine typische Premiere – alle kommen so langsam an und bis zum Ende des Stücks wird es super.“ Ob „der Neue“ dauerhaft dabei bleibt, entscheidet neben Gotthard Jost selbst das Ensemble gemeinsam. Der Auftakt war schon mal vielversprechend.