Bald läuten sie wieder. Am Mittwoch war es so weit und es wurde Maßarbeit geleistet. Nach einer knappen Dreiviertelstunde waren alle vier Glocken im nordseitigen Turm der Pfarrkirche St. Zeno in Herrischried „versorgt“. Die Firma Harald Schneider Herrischried hatte den alten Glockenstuhl demontiert und zersägt. Kein Job für schwache Nerven, da sie auch den Boden unter ihren Füßen wegschneiden mussten. Nur die vier in den Mauern ruhenden Tragbalken blieben bestehen. Darauf errichteten sie den neuen Boden und einen Teil des Glockenstuhles, der neu aus Douglasien Holz bestehen wird. Die Balken über dem Glockenstuhl wurden provisorisch versteift.

<strong>Sitzt, passt, wackelt und hat Luft:</strong> Auch die größte Glocke (Hl. Zeno) ging knapp, aber einwandfrei durch die im Vorfeld vergrößerte Fensterluke.
Sitzt, passt, wackelt und hat Luft: Auch die größte Glocke (Hl. Zeno) ging knapp, aber einwandfrei durch die im Vorfeld vergrößerte Fensterluke. | Bild: Hans-Jürgen Sackmann

Um 14 Uhr war der Schwerlastkran von der Zimmerei Ebner aus Luttingen einsatzbereit. Zunächst hob der Kran die „kleinen“ Glocken, Hl. Josef, die Kinderglocke und die alte „Namenlose“ Glocke Zwei immer zuerst etwas an. Dann wurden sie dreimal von Pfarrer Bernhard Stahlberger oder von Annemarie Matt angeschlagen und mit einem Geleitwort nach oben in den Turm entsandt. Viele Menschen hatten das Einbringen des Geläuts vom Pfarrhaus aus bei strahlendem Sonnenschein verfolgt.

<strong>Eine Krone birgt ein Geheimnis:</strong> Wer die neuen Glocken genau betrachtete, hat vielleicht die Zugabe auf einem der Henkel der Hl. Zeno Glocke bemerkt.
Eine Krone birgt ein Geheimnis: Wer die neuen Glocken genau betrachtete, hat vielleicht die Zugabe auf einem der Henkel der Hl. Zeno Glocke bemerkt. | Bild: Hans-Jürgen Sackmann

Es gab Applaus als bei der größten Glocke, Hl. Zeno, Pfarrer Stahlberger es sich nicht nehmen lies, das Anschlagen gemeinsam mit den anwesenden Kindern zu bewerkstelligen. Bevor die letzte Glocke in die Lüfte entschwand in Richtung Turm, verriet der Pfarrer noch ein Geheimnis. In der Krone auf einem Henkel wurde auch der jetzige Papst verewigt. Wer die Idee hatte, das Gesicht des Papstes mit einzugießen, der Zierkünstler, die Gießerei oder er selbst, das verriet er allerdings nicht. Jetzt kam das Schwierigste, die große 2.2 Tonnen schwere Glocke in dem Turm zu-
bringen. Die Balken, die den Flaschenzug halten mussten, als die Glocke innerhalb des Turms bewegt wurde, ächzten beträchtlich.

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Aber die Firma Schneider Turmuhr- und Glockentechnik aus Schonach zusammen mit dem Kranfahrer vollbrachten eine Meisterleistung. Auf jeder Seite der Öffnung waren nur wenige Zentimeter Platz, als diese Glocke hindurch manövriert wurde. Aber alles ging gut. Eng wurde es im Turm. Führungen wird es vermutlich in Zukunft keine geben. Die Platzverhältnisse lassen dies nicht zu.

Der Zeitplan sollte eingehalten werden können. Am 27. Oktober um 18.30 soll das neue Geläut zum ersten Mal die Herrischrieder erfreuen und zur Sonntag Vorabmesse rufen.

SWR-Fernsehen: Am Freitag, 12. Oktober, um 21 Uhr wird eine 45-minütige Reportage des SWR im Südwest-Fernsehen ausgestrahlt: „Wie man eine Glocke gießt.“ Da wird der Guss der Herrischrieder Glocken bei der Firma Bachert in Neunkirchen gezeigt.