Die Herrischrieder Pfarrkirche St. Zeno erhält ihre drei neuen Bronzeglocken und die Glockenweihe kann am 9. September stattfinden. Die 40-köpfige Abordnung aus der ganzen Kirchengemeinde St. Wendelin konnte am Freitag die Fahrt nach Neunkirchen zur Firma Bachert antreten und hautnah erleben, wie die Glocken gegossen werden.

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Auch Filmteam des SWR dabei

„So eine Reise werden wir kaum mehr erleben, nur die jungen vielleicht“, so Pfarrer Bernhard Stahlberger beim Start in Herrischried. Am Freitag wurden für vier Kirchengemeinden insgesamt sieben Glocken gegossen. Zu den zwei teilnehmenden Gemeinden hatte sich auch noch ein komplettes Fernsehteam vom SWR eingefunden und alle warteten gespannt auf den Glockenguss.

Die nächste Überraschung: Ein Fernsehteam des SWR3 war auch schon vor Ort und begleitete den Glockenguss.
Die nächste Überraschung: Ein Fernsehteam des SWR3 war auch schon vor Ort und begleitete den Glockenguss. | Bild: Hans-Jürgen Sackmann

Christiane Bachert referierte fachkompetent und unterhaltend: „Jede Glocke ist ein Unikat. Die Formen werden von Hand gemacht und jede Glocke hat ihren eigenen musikalischen Fingerabdruck. In Deutschland werden heute noch alle Glocken im Lehm-Form-Verfahren kunsthandwerklich gefertigt“.

Alles beginnt mit einer Rippe

Die Basis bei der Herstellung einer Glocke bildet die Rippe, eine Schablone der Glocke. Mit ihrer Hilfe wurde über einem gemauerten Sockel die Form aus Lehm modelliert. Diese besteht aus drei Schichten: dem Glockenkern, der falschen Glocke und dem Mantel. Die sogenannte falsche Glocke wird vor dem Guss entfernt – um den zurückbleibenden Hohlraum mit Bronze auszugießen. Christiane Bachert bittet die Besucher beim Glockenguss um absolute Ruhe in der Halle: „Ihr Mann und die Angestellten müssen sich untereinander verständigen können“.

Christiane Bachert begrüßte die beiden Kirchengemeinden und gab eine ausführliche Einführung in den Glockenguss.
Christiane Bachert begrüßte die beiden Kirchengemeinden und gab eine ausführliche Einführung in den Glockenguss. | Bild: Hans-Jürgen Sackmann

Sie führt beide Gemeinden in die Halle zur Besichtigung der Gießerei vor dem eigentlichen Guss. Die Luft ist heiß und stickig. Nur wenig Licht dringt durch die Fenster. Neben einer randvoll mit Erde zugeschütteten Grube, in der die Glockenformen eingelassen waren, bullert unablässig ein gasgefeuerter Ofen.

Eine heiße Angelegenheit

Hier wurde seit fünf Uhr das für den Glockenguss verwendete Kupfer (78 Prozent) und Zinn (22 Prozent), auf 1100 Grad erhitzt und somit geschmolzen. Das Brummen und Rauschen des Ofens verstummt und man kann das Blubbern der Bronze hören.

Der Ofen wurde noch einmal angeheizt und auf 1100 Grad gebracht.
Der Ofen wurde noch einmal angeheizt und auf 1100 Grad gebracht. | Bild: Hans-Jürgen Sackmann

Akribisch achtet der Chef der Glockengießerei Albert Bachert darauf, dass die Besucher Abstand halten. Zu groß die Gefahr, dass herausspritzende Bronze jemanden trifft und verletzt. Albert Bachert begutachtet eine letzte Gussprobe. Die Bronze ist etwas zu heiß und es dauert noch zehn Minuten bis zum Abguss.

15.30 Uhr: Die Bronze hat die richtige Temperatur erreicht und es wird gemeinsam von Pfarrer Bernhard Stahlberger und Christoph Zeh das Segensgebet für das Gelingen des Glockengusses gebetet. Mit wuchtigen Schlägen wird der Zapfen, der den Schmelzofen verschließt, entfernt.

Das glühende Metall floss durch die Rinnen zu den Glockenformen.
Das glühende Metall floss durch die Rinnen zu den Glockenformen. | Bild: Hans-Jürgen Sackmann

Schnell ergießt sich ein glühender orangefarbener Schwall – die Glockenspeise – in die offenen Backsteinrinnen. Wie ein Lavastrom läuft die Bronze in die Öffnung der ersten Form. Unter lautem Gurgeln, Schmatzen und Zischen verschwindet sie in der Erde. Flammen schlagen aus den Windpfeifen (Entlüftungen) der tief eingegrabenen Glockenformen. Beißender, nach Metall riechender Rauch steigt auf.

Vorsicht ist angebracht

Die Temperatur wird für die Mitarbeiter der Firma Bachert in ihren bodenlangen silberfarbenen Hitzeschutzmänteln beinahe unerträglich. Auch die Besucher schwitzen ordentlich.

Die große St.-Zeno-Glocke mit etwas mehr als 2200 Kilogramm wurde abgegossen. Die Zier wurde von Christoph Feuerstein entworfen. Das Hauptbild auf der Vorderseite zeigt Zeno als Bischof von Verona wie er als Menschenfischer mit seinem Bischofstab angelt.
Die große St.-Zeno-Glocke mit etwas mehr als 2200 Kilogramm wurde abgegossen. Die Zier wurde von Christoph Feuerstein entworfen. Das Hauptbild auf der Vorderseite zeigt Zeno als Bischof von Verona wie er als Menschenfischer mit seinem Bischofstab angelt. | Bild: Hans-Jürgen Sackmann

Nach wenigen Minuten schlägt eine Flamme aus dem Inneren der Form, Bronze blubbert und es spritzt leicht heraus. Je größer die Glocke, desto mehr ist das Schauspiel zu beobachten und die Zuschauer müssen auf Geheiß von Albert Bachert mehr zurücktreten. An diesem Phänomen erkennen die Glockengießer, dass die Glockenform voll ist und der nächste Kanal geöffnet werden kann.

Christiane Bachert list parallel den andächtig staunenden Besuchern vor, für welche Gemeinde die gerade entstehende Glocke gegossen wird, in welchem Ton sie erklingen wird, wie schwer sie sein wird, welchem Heiligen sie geweiht ist und wie die jeweiligen Aufschriften lauten.

Nach dem Guss gab es ein gemeinsames Gebet beider Pfarrer. Durch die Anwesenheit zweier unterschiedlichen Konfessionen wurde kurz entschlossen die Ökumene beim Glockenguss gelebt.
Nach dem Guss gab es ein gemeinsames Gebet beider Pfarrer. Durch die Anwesenheit zweier unterschiedlichen Konfessionen wurde kurz entschlossen die Ökumene beim Glockenguss gelebt. | Bild: Hans-Jürgen Sackmann

Nach dem Guss der letzten Glocke wendet sich Albert Bachert an die Anwesenden. Er sei guter Dinge, dass auch die Glocken gut gelingen. „Man sieht es erst in zwei bis drei Wochen, wenn sie aus der Form kommen und das erste Mal angeschlagen werden“.

Auch das erzbischöfliche Bauamt ist vertreten in Person von Joachim Maier und Roland Braun, die im Vorfeld an der Planung für die neuen Glocken mitgewirkt haben. Es ist eine tief beeindruckende Zeremonie, die vor und nach dem Glockenguss allen Teilnehmern aufzeigt, dass man einem solchen Ereignis, wohl nur einmal in seinem Leben beiwohnen kann.

Etwas müde von den vielen Eindrücken, aber immer noch bestens gelaunt, versammelte sich die Delegation, um die viereinhalbstündige Heimfahrt anzutreten.
Etwas müde von den vielen Eindrücken, aber immer noch bestens gelaunt, versammelte sich die Delegation, um die viereinhalbstündige Heimfahrt anzutreten. | Bild: Hans-Jürgen Sackmann