„Strom“, das neue Schauspiel aus der Feder von Mundartdichter Markus Manfred Jung, auf der Bühne realisiert durch die Truppe der Freilichtbühne Klausenhof, ist auf der Zielgeraden angelangt.

Am Samstag, 7. Juli, um 19 Uhr, ist, so der Wettergott mitspielt, Premiere am Klausenhof in Herrischried-Großherrischwand. Rund 35 Darsteller, aber auch etliche Kinder, haben sich in zahlreichen Proben mit Regisseur Gotthard Jost und unter der Leitung von Yvonne Fischer-Lueg darauf vorbereitet.

„Strom“, im Original mit dem griechischen Omega, dem Zeichen für den elektrischen Widerstand, geschrieben, ist die Geschichte der Elektrifizierung auf dem Hotzenwald. So lautet auch der Untertitel des Stücks „Wie der Strom auf den Wald kam“.

Strom als Angriff auf Gottes Schöpfung

Dass das nicht reibungslos ablief, kann man sich denken, sollte doch zur Stromerzeugung die Wasserkraft der Hotzenwälder Murg genutzt werden. Die aber war seit alters her dank kunstvoll angelegter Bewässerungskanäle, der Wuhre, als Tau- und Bewässerungsquelle für die Wiesen und als Antriebskraft in kleinen Gewerbebetrieben wie Sägen, Schmieden oder Mühlen in Gebrauch. Bei einer weiteren Nutzung fürchteten die Hotzenwälder entsprechend den Verlust ihres kostbaren Wassers.

Auch was die Elektrizität mit dem Wasser, den Fischen, ja sogar ihnen selbst anstellen würde, war etlichen Waldbewohnern unheimlich, wenn nicht gar unvorhersehbar katastrophal.

Würde die Elektrifizierung nicht am Ende Gottes Schöpfung auf den Kopf stellen, die Nacht, die Gott doch wohl mit Bedacht geschaffen hatte, zum Tag umwandeln?

Andererseits wurden Arbeitsplätze auf dem kargen Wald dringend gebraucht, und die Elektrifizierung versprach diese, Arbeitsplätze zu sichern und weitere zu schaffen, sowohl durch den Strom für die Webstühle der Heimweber als auch durch die Möglichkeit, die Weberei auf dem Wald industriell aufzurüsten.

Chancen und Probleme der Elektrifizierung

Das Stück von Markus Manfred Jung zeigt die Chancen und die Problematik der Elektrifizierung in der direkten Konfrontation der unterschiedlichen Meinungen innerhalb der Bevölkerung, aber auch die zwischen den offiziellen Parteien geführten Verhandlungen, die letztlich auch in der historischen Realität zu einem für alle Betroffenen gangbaren Ergebnis führten.

Dabei bedient sich der Autor in der schon aus früheren für die Klausenhoftruppe entstandenen Stücken bewährten Manier der exemplarischen Darstellung kontrastierender markanter Charaktere, setzt derben Humor und raue Worte neben beinahe wissenschaftliche Exkurse, kurz: Er bietet ein überaus lebendiges, bunt schillerndes Kaleidoskop der Zeit.

Darin nicht fehlen dürfen natürlich auch die beliebten Schulszenen, in denen Kindermund, die Gespräche der Erwachsenen nachahmend, ganz nebenbei dem Zuschauer neue Erkenntnisse liefert. Und auch die Wirtshausszenen sind ein Muss, spielten sich doch Diskussionen und Verhandlungen auch historisch betrachtet tatsächlich zumeist dort ab.

Kein Schauspiel ohne Beziehungsdrama. Ferdinand Faller, Fabrikant aus Zell im Wiesental und Vorreiter der Elektrifizierung, verliebt sich in Johanna, die älteste Tochter des Herrischrieder Bürgermeisters Peter Matt.

Auch eine Liebesgeschichte darf nicht fehlen: Finden sich Ferdinand Faller (Sascha Brenn) und Johanna Matt (Tamara Arzner) am Ende?
Auch eine Liebesgeschichte darf nicht fehlen: Finden sich Ferdinand Faller (Sascha Brenn) und Johanna Matt (Tamara Arzner) am Ende? | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Das missfällt Gerwig Gottstein, dem Sohn eines Sägewerkbetreibers, der ebenfalls ein Auge auf Johanna geworfen hat und ihr seine Absichten deutlich zu verstehen gibt. Gemeinsam mit seinem Vater kämpft er auch in Sachen Strom gegen seinen Rivalen an.