Der Polizeiposten Görwihl und die Gemeindeverwaltung Herrischried untersuchen den Vorfall von Karfreitag, als ein freilaufender Schäferhund ein trächtiges Reh gerissen hat. „Wir klären im Moment ab, ob es sich um eine Ordnungswidrigkeit oder vielleicht doch sogar um eine Straftat handeln könnte“, sagt Polizeisprecher Dietmar Ernst. „Wir werden auf jeden Fall ein Verfahren durchführen“, erklärt der Herrischrieder Bürgermeister Christof Berger.

Ernst und Berger bestätigen den Eingang von Anzeigen des Jägers Andreas Schupp per E-Mail. Schupp hatte zusammen mit einem Nachbarn am Karfreitag gegen 17 Uhr bemerkt, wie unterhalb des Ödlands im Gewann Schneeloch ein freilaufender Schäferhund ein schwer verbissenes Reh stellte. Bei seinem Eintreffen sei das Wildtier bereits so schwer verletzt gewesen, er es mit einem Gnadenschuss habe erlösen müssen, berichtet Schupp. Der Führer des Hundes sei in der Nähe gewesen, habe sich aber nicht um das Geschehen gekümmert. Bereits am Karsamstag habe der Mann das Tier wieder frei laufen lassen, obwohl er es durch Rufe nicht unter Kontrolle gehabt habe, so Schupps Vorwurf.

„Tiere sind so zu halten, dass keine Gefährdung von ihnen ausgeht“, betont Bürgermeister Berger. Konkret schreibe die Herrischrieder Polizeiverordnung vor, dass Hunde im innerörtlichen Bereich auf öffentlichen Flächen an der Leine zu führen seien. Außerorts könne der Hundeführer das Tier von der Leine lassen, wenn gesichert sei, dass es auf seinen Zuruf reagiert. Halte sich ein Hundehalter nicht an diese Regeln, könne die Gemeinde je nach Schwere und Häufigkeit des Verstoßes reagieren. Es sei möglich, einen Leinen- oder Maulkorbzwang aussprechen. „Es ist aber auch möglich, jemandem die Befugnis zur Haltung eines Tieres ganz zu verbieten“, weist Berger auf mögliche Konsequenzen hin.

Wegen des Vorfalls von Karfreitag werden die Polizei und die Gemeinde zunächst Gespräche mit den Zeugen und dem Beschuldigten führen. Danach entscheiden sie über weitere Schritte. Liegt eine Ordnungswidrigkeit vor, kann die Gemeinde ein Bußgeld aussprechen. Handelt es sich sogar um eine Strafftat, etwa um Tiertötung oder Tierquälerei durch Unterlassen, dann könnte sogar die Staatsanwaltschaft tätig werden.

Bürgermeister Berger wies im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass unbedingt geklärt werden müsse, wie groß die Gefahr sei, dass der Hund nochmals ein anderes Tier reiße. Schupp hat bei der Gemeindeverwaltung bereits beantragt, dass der Hund zum Abschuss freigegeben werden müsse, falls er nochmals wildere. „Das wäre dann der Maximaleingriff. Da müssten dann aber alle anderen Lösungen gescheitert sei“, erklärte Berger hierzu. Ziel sei nicht, den Hund zu töten. Ziel sei es, zu verhindern, dass er wieder reiße. Dies könne durch Leinen- oder Maulkorbzwang ebenso erreicht werden wie durch ein erfolgreiches Training für den Hund uns seinen Halter.