Ein Mann bestellt bei einem Außendienstmitarbeiter eine Luftbildaufnahme von Haus und Umgebung, der kommt eines Abends vorbei, klopft und klingelt Sturm. Der Kunde ist genervt und das Ganze endet in einer körperlichen Auseinandersetzung. Der Außendienstmitarbeiter zeigt seinen Kunden an. Richter Rupert Stork vom Amtsgericht Bad Säckingen verurteilte nun den 54-jährigen Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 30 Euro. Der Strafbefehl hatte sich auf mehr als 2000 Euro belaufen. Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Jessica Werner, hatte für eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 30 Euro plädiert, Verteidiger Michael Vogel hatte sich für einen Freispruch eingesetzt.

Empfang mit der Mistgabel

Der Geschädigte soll Würgemale am Hals und Kratzspuren an Hand und Arm davongetragen haben. Auch sein Hemd sei zerrissen gewesen. Der Angeklagte, der seine Unschuld beteuerte, schilderte den Tathergang. Es habe bei ihm Sturm geklingelt und jemand habe an alle Fenster geklopft und herumgeschrien. Die Lebensgefährtin hatte nachgeschaut, was los war, und er sei mit einer Mistgabel an die Tür gegangen, weil er noch die Ziegen füttern musste. Der Geschädigte habe geschrien und ihn zurückgestoßen. Die Mistgabel habe er zu diesem Zeitpunkt schon auf den Boden gelegt. Er habe sich am Hemd des Anderen festgekrallt, um nicht zu fallen, dabei sei das Hemd zerrissen. Von Würgemalen wollte er nichts wissen. Vermutlich habe er ihn reflexartig am Hals gepackt. Er habe den Anderen aufgefordert, zu gehen, sei ihm bis ans Auto gefolgt. Er habe nichts gemacht und mit dem Abgang des Außendienstmitarbeiters sei für ihn die Sache erledigt gewesen.

Besucher hat überall geklopft

Der Angeklagte habe eine Luftaufnahme mit Rahmen im Wert von circa 450 Euro haben wollen, er sei begeistert gewesen, gab der Geschädigte an. Da er gesagt hätte, er sei erst ab 20 Uhr erreichbar und weil er selbst gerade in der Gegend gewesen sei, wollte er das Bild abliefern. Da er keine Klingel gesehen hätte, habe er überall geklopft. Der Angeklagte habe ihn mit der Mistgabel erwartet, an ihm herumgerissen und gesagt, er solle verschwinden. Dann sei er ihm nach draußen gefolgt und habe den Außenspiegel verdreht. Er sei schockiert gewesen und habe die Polizei gerufen. Für ihn habe sich das mit dem Vertrag und dem Foto erledigt.

Würgen kaum nachweisbar

Er erkenne bei ihm Belastungstendenzen, erklärte Vogel. Von einem Würgevorgang könne man bei oberflächlichen Hautrötungen, wie bei der Polizei dokumentiert, nicht ausgehen. Beschädigungen am Auto seien ebenfalls keine festgestellt worden. Kaum etwas zur Klärung beitragen konnte die Lebensgefährtin des Angeklagten. Sie habe das Klopfen gehört, den Rest der Auseinandersetzung aber nicht mitbekommen. "Was sich genau abgespielt hat, ist nicht klar“, erklärte Werner. Für sie stehe aber fest, dass sich der Sachverhalt so zugetragen hatte, wie in der Anklageschrift formuliert. Der Angeklagte habe den Anderen gepackt und das Hemd sei zerrissen. Zugunsten des Angeklagten sprächen die geringen Folgen und dass er nicht vorbestraft sei.

Richter kann Gefühl der Bedrohung nachvollziehen

Im Zweifel für den Angeklagten, plädierte Rechtsanwalt Vogel. Der Geschädigte habe sich in Widersprüche verheddert. „Man kann hier nicht sagen 'Aussage gegen Aussage', die Aussage des Geschädigten war schlüssig“, sagte der Richter. "Der Geschädigte hat geklopft und geklingelt, dann ist das Ganze etwas ausgeartet.“ Die Attacke sei da gewesen. „Das kann man schon als Bedrohung auffassen, wenn jemand mit der Heugabel vor einem steht. Der Mitarbeiter wollte ein Bild ausliefern und wurde attackiert. Der Anlass war völlig nichtig“, schloss der Richter.