Es weht Wind, aber Windräder drehen sich nicht: Dieser Anblick sorgt immer wieder für Erstaunen. Tatsächlich gibt es vielfältige Gründe dafür, erklären die Betreiber des Windparks Rohrenkopf (Gersbach) und Glaserkopf (Hasel). Gleichwohl seien „drehende Räder die Regel“. Das zeige die Strombilanz: Beide Windparks können demnach auf ein überaus gutes erstes Halbjahr zurückblicken – mit Blick auf den Bundestrend schwimmen sie sozusagen voll mit dem Strom.

Die Stromproduktion

In den vergangenen Wochen gab es vermehrt Meldungen, dass der Anteil Erneuerbarer Energien an der Gesamtstromproduktion in Deutschland auf einem Rekordhoch ist. Mehr als 50 Prozent des Bedarfs wurden demnach phasenweise von Windrädern, Solaranlagen, Wasserkraftwerken und Biomasseanlagen gedeckt. Zwar spielt dabei der coronabedingt gesunkene Stromverbrauch auch eine Rolle – aber dennoch werden steigende Produktionszahlen gemeldet.

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Das trifft auch für die beiden Windparks Rohrenkopf (Gersbach) und Glaserkopf (Hasel) zu. „Auch am Rohrenkopf war das erste Halbjahr ein sehr gutes“, teilt Tobias Tusch, Geschäftsführer der EWS Windpark Rohrenkopf GmbH, mit. Demnach haben die fünf Gersbacher Windräder rund 20.998 Megawattstunden (MWh) Strom produziert. Ähnlich äußert sich die EnBW auf Nachfrage nach den Zahlen für den Windpark Hasel. Sprecher Ralph Eckhardt berichtet, dass die drei Windräder südlich Gersbach von Januar bis Ende Juni 13.330 Megawattstunden produziert haben. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2019 waren es 10.710 Megawattstunden. Ein klares Plus von fast 30 Prozent. Mit Ausnahme des März haben die drei Windräder in jedem einzelnen Monat des Jahres mehr Strom erzeugt als im Vorjahr. Auch in den beiden ersten Monaten des zweiten Halbjahres liegt die Stromproduktion der Haseler Windräder leicht über dem Vorjahresniveau. Und die besonders windreichen Herbstmonate kommen erst noch: Ein Großteil des Jahresertrags wird nämlich in den Monaten September bis Dezember produziert.

Warum Windräder still stehen

„Diese Zahlen sind eigentlich der beste Beweis, dass zum Beispiel die Windenergieanlagen Rohrenkopf nicht stehen, sondern sich in der Regel drehen und erneuerbaren Strom produzieren“, sagt Tobias Tusch von der EWS Schönau auf die Frage, warum immer mal wieder still stehende Windräder beobachtet werden. Gleichwohl gebe es tatsächlich einige Gründe für gelegentliche Stillstände.

Dass sich eines oder mehrere Räder nicht drehen, könne zum einen daran liegen, dass es sich um auflagenbedingte Abschaltungen wegen Tierschutz (unter anderem für Fledermäuse) und Schattenwurf handelt. Ursache können aber auch Wartungsarbeiten oder Netz-engpässe sein, wobei diese laut Tusch für den Windpark Rohrenkopf aber „eigentlich nicht gegeben sind“.

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Auch kann es sein, dass Windräder abgeschaltet werden, wenn ein Überangebot an Strom auf dem Markt ist beziehungsweise wegen negativer Strompreise, bedingt durch die – so Tusch – „Inflexibilität konventioneller Erzeuger.“ Im Winter spiele auch Eisansatz eine Rolle. Es gebe aber auch eine ganz banale Ursache für einen Stillstand: zu wenig Wind. So benötigen die Räder laut Tusch eine Windgeschwindigkeit von rund 2,5 Metern pro Sekunde, um in Schwung zu kommen.

EnBW-Sprecher Ralph Eckhard listet identische Gründe auf: Genehmigungsauflagen – also Abschaltungen wegen Schattenwurf und zum Schutz von Fledermaus und Rotmilan –, Eisansatz, Wartungen und Prüfungen, Kapazitätsengpässe im Stromnetz – und der aktuelle Strompreis.

Ausblick

Obwohl Erneuerbare Energien einen hohen Anteil an der Stromproduktion haben, verfällt Tobias Tusch von der EWS Schönau nicht in Euphorie. Bezogen auf die Rekordhoch-Meldungen „stimmt dies zwar an wind- und sonnenreichen Tagen, jedoch darf man sich von dieser Botschaft nicht blenden lassen“. „In den kommenden Jahren wird bei den ersten Windenergieanlagen nach 20 Jahren Betrieb die Betriebsgenehmigung auslaufen und diese müssen, wenn kein Weiterbetrieb möglich ist, zurückgebaut werden.“ Auch die EEG-Förderung bei den vor 20 Jahren installierten ersten PV-Anlagen ende. Werde diese rückzubauende Leistung nicht durch neue ersetzt, drohe ein dramatischer Einbruch. „Das mittel- bis langfristige Ziel sind aber 100 Prozent Erneuerbare“ – insofern sei jede bestehende Anlage „ein wichtiger Baustein“.

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