Was war im Wiesental vor einem halben Jahrhundert los? Was war vor 25 Jahren? Ein Blick ins Archiv ist oft lehrreich, oft auch witzig und immer spannend. In einer Serie blickt diese Tageszeitung zurück auf Ausgaben, die vor 50 Jahren und vor 25 Jahren erschienen sind. Im November 1970 waren beispielsweise die ersten Vorboten der Kreisreform in der Zeitung zu sehen. Es gab zahlreiche Eingemeindungen, Landkreise wurden neu geordnet und teils aufgelöst, wie zum Beispiel der Landkreis Säckingen. Und Hasel sollte dem heutigen Landkreis Waldshut einverleibt werden – gegen den Willen der Bürger.

„Hasel soll beim Landkreis Lörrach bleiben“ – so titelte die Zeitung am 19. November 1970. Im Bericht über eine Bürgerversammlung in Hasel mit rund 200 Teilnehmern heißt es: „Ausdruck des Zugehörigkeitsgefühls der Gemeinde Hasel zum Landkreis Lörrach und zum Markgräfler Land war bei der Bürgerversammlung am Montagabend im überfüllten Bürgersaal des Rathauses die Reihe von neun Trägerinnen der Markgräfler Tracht, die Landrat Bechtold und die Landtagsabgeordneten Jung und Lorenz daran erinnern sollten, dass Hasel auf keinen Fall aus dem Landkreis Lörrach ausgegliedert werden möchte.“

Der Entwurf

Landrat Wolfgang Bechtold sowie den Abgeordneten Wilhelm Jung (CDU) und Nikolaus Lorenz (SPD) sollte der Entwurf des Kreisreformgesetzes an diesem Abend um die Ohren gehauen werden. Offenbar hatte jemand in Stuttgart beim Erstellen diese Entwurfs eine Landkarte studiert und dabei Hasel wohl für so etwas wie einen nordwestlichen Wehrer Vorort gehalten. Schließlich ist Hasel geografisch wirklich eher dem Wehra- als dem Wiesental zuzuordnen, auch fließen Schammer- und Haselbach in die Wehra, die Wege nach Wehr sind kurz, jene über den Dinkelberg sehr lang. Und so wollte der Gesetzentwurf Hasel kurzerhand dem „Hochrheinkreis“, dem heutigen Landkreis Waldshut, zuschlagen und „dem Unterzentrum Wehr zuordnen“, wie es im Text heißt. Hasel wäre so heute wahrscheinlich ein Ortsteil von Wehr.

Die Landschaft

Diese Idee stand historisch gewachsenen Zugehörigkeiten entgegen. Eine der wichtigsten politischen Grenzen im Südwesten zog sich jahrhundertelang direkt am südlichen Ortsende von Hasel entlang. Gehörte doch das evangelische Hasel seit 1503 zum Markgräflerland und nicht wie das benachbarte, katholische Wehr zu Vorderösterreich.

Die Resolution

Den Haslern, sozusagen als letzte Bastion gegen die Habsburger, waren solche Einverleibungs-Gedankenspiele ein Gräuel und so hatten Gemeinderat und Bürgerschaft bereits Wochen vor der beschriebenen Bürgerversammlung ein deutliches Zeichen gesetzt: „Mit einer von fast allen wahlberechtigten Haseler Bürgern unterzeichneten Resolution wurde der Verbleib der Gemeinde im Kreis Lörrach gefordert“, heißt es im Text. Bürgermeister Ernst Jost war sich denn auch sicher, „dass Stuttgart über diese Resolution nicht hinwegsehen könne“.

Landrat respektiert Bürgerwunsch

Es waren Signale, die auch Landrat Wolfgang Bechtold bei der Versammlung nicht ignorieren konnte: „Bechtold versprach den Bürgern, dass er dem Kreistag bei seiner nächsten Sitzung den Willen der Gemeinde Hasel, beim Landkreis Lörrach zu bleiben, vortragen werde.“ Das übrigens auch für den Fall, „dass Säckingen Verwaltungszentrum des Hochrheinkreises wird“. Und weiter: „Die Teilnahme an dieser Bürgerversammlung lasse keinen Zweifel daran offen, dass Hasel im bisherigen Landkreis bleiben wolle, mit dem es seit langer Zeit geschichtlich und auch religiös verbunden ist.“

Frühe Überlegungen

Der Landrat hatte zuvor in der Sitzung aber auch einige Sachverhalte erklärt, die deutlich machten, in welch frühem Stadium die Kreisreform damals noch steckte: „Er erinnerte an das Ziel der Kreisreform, größere und leistungsfähigere Gebilde zu schaffen. Wenn das Verflechtungsgebiet Grenzach-Wyhlen dem Hochrheinkreis zugeordnet werde, müsse der Landkreis Lörrach mit einer erheblichen Schwächung seiner Steuer- und Verwaltungskraft rechnen. Allerdings würde auch der Hochrheinkreis Einbußen erleiden, wenn das Verflechtungsgebiet Rheinfelden in den Landkreis Lörrach eingefügt würde.“

So kam es dann

Der SPD-Abgeordnete Nikolaus Lorenz erklärte während dieser Bürgerversammlung, dass er dafür plädiere, „dass die Grenzen des Landkreises Lörrach erhalten bleiben sollen“. Wie man heute weiß, kam es dann so: Säckingen – ab 1978 dann Bad Säckingen – wurde nicht zur Hauptstadt des Hochrheinkreises, sondern Waldshut-Tiengen. Der Landkreis Säckingen wurde zwischen den Landkreisen Waldshut und Lörrach aufgeteilt, der Name Hochrheinkreis verschwand.

Weiter an der Grenze

Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen wurden gemeinsam mit Schwörstadt und Dossenbach dem Landkreis Lörrach zugeordnet, der damit deutlich über seine frühere Grenzen hinauswuchs. Und Hasel? Die Gemeinde Hasel ist immer noch die letzte Bastion, nun aber nicht mehr an der Grenze zu Vorderösterreich, sondern eben zwischen LÖ und WT.

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