„Im Fall des Windparks Hasel ist festzustellen, dass sich der Rotmilan-Bestand über die Jahre verändert hat“: Zu dieser Einschätzung kommt das Landratsamt Lörrach, nachdem jetzt auch Ergebnisse einer Nachuntersuchung vorliegen.

Die Behörde hatte diese in Auftrag gegeben, nachdem die Gersbacher Windkraftgegner beziehungsweise der Biologe Andreas Lang vergangenes Jahr eigene Untersuchungen vorgelegt hatten, deren Ergebnisse deutlich abweichen von der Datengrundlage der Windpark-Genehmigung. Auswirkungen könnten die Ergebnisse auch auf das von EnBW geplante vierte Windrad haben. Das Unternehmen wollte die neuen Ergebnisse nicht kommentieren.

Der Gutachter und Biologe Andreas Lang hatte bereits 2016 Hinweise auf ein besonders schützenswertes Brutgebiet (Dichtezentren) gefunden. Im Jahr 2017 nun fand er zusätzliche Belege dafür, dass ein Dichtezentrum vorhanden ist.

Lang hatte vier Brutreviere im maßgeblichen 3,3-Kilometer-Radius um den Windpark nachgewiesen sowie ein Revier knapp außerhalb, zudem zwei weitere Brutstandorte in direkter Nähe. Seitdem fordern die Windkraftgegner, dass die Genehmigung nochmals artenschutzrechtlich auf den Prüfstand gehört. Auch weil ihre Daten erheblich von jenen abweichen, auf denen die vom Landratsamt Lörrach erteilte Genehmigung basiert. Diese stammen aus dem Jahr 2013. Das damals vom Windpark-Investor EnBW beauftragte Büro IUS/Ness hatte kein Dichtezentrum entdeckt.

Reaktion des Landratsamts

Die Behörde hat, wie im Frühjahr angekündigt, reagiert und Nachuntersuchungen veranlasst. Nicht, weil es den Dichtezentrumsnachweis in Zweifel zöge. „Das Dichtezentrum des Rotmilans im Bereich des Windparks Hasel ist für uns bestätigt“, so Pressesprecher Torben Pahl. Vielmehr geht es der Behörde um das Windrad, das noch nicht gebaut ist – die Windkraftanlage (WEA 1), die ganz in der Nähe der Mettlenhöfe errichten werden soll. Die Baugenehmigung hierfür lag bislang wegen des Widerspruchs von Mettlenhof-Bewohnern auf Eis. Das Regierungspräsidium Freiburg hat aber nun kürzlich den Einspruch abgewiesen, die EnBW hat daraufhin angekündigt, dieses Windrad ebenfalls noch bauen zu wollen.

Mit Blick auf diesen Standort allerdings hatte das Büro Lang ein Revier innerhalb des nochmals besonders zu bewertenden 1-Kilometer-Radius ausfindig gemacht. Zwar war das Nest an sich nicht gefunden worden, wohl aber gab es Hinweise darauf, dass ein Rotmilan-Paar dort brütet. Daher hatte das Büro Lang diesen Standort als B-Nachweis („wahrscheinliches Brüten“) angegeben.

Auch diese Beobachtungen werden vom Landratsamt laut Pahl „nicht angezweifelt, sie waren aber nicht so eindeutig, wie die anderen B-Nachweise an den anderen Revierstandorten.“ Daher wurde ein weiterer Gutachter beauftragt, „um nun entweder einen eindeutigen Revier- oder gar Brutnachweis führen zu können oder um das Revier ausschließen zu können.“

Das Ergebnis

Dieses Zusatz-Gutachten liegt nun nach Auskunft des Landratsamts vor. Der Gutachter konnte demnach zwar ebenfalls nicht direkt einen Horst bei den Mettlenhöfen finden. Allerdings hat er „revieranzeigendes“ Rotmilan-Verhalten (Nistmaterial tragen) beobachtet, die Angaben des Büros Lang vom letzten Jahr somit „grundsätzlich bestätigen“. Das bedeutete, dass weiterhin ein Revier im 1000-Meter-Radius um die geplante WEA 1 nicht ausgeschlossen werden könne.

Das Landratsamt kommt zu dem Schluss, dass „im Fall des Windparks Hasel grundsätzlich festzustellen ist, dass sich der Rotmilan-Bestand über die Jahre verändert hat.“ Das sei auch der Grund, warum die Firma IUS 2013 deutlich weniger Rotmilan-Reviere nachgewiesen habe. Auch habe wohl das mögliche Revier an der „Schanze“ bei der WEA 1 damals noch nicht existiert.

Dementsprechend werde nun von der Behörde geprüft, ob die 2013 vorgelegte Raumnutzungsanalyse (Flugbewegungen) noch ausreichend sei. „Gegebenenfalls könnte also eine neue Raumnutzungsanalyse erforderlich werden.“ Was nun die bislang noch nicht gebaute WEA 1 angeht, so teilt Torben Pahl mit, dass dieser Aspekt „interpretiert und im weiteren Verfahrensgang selbstverständlich mit berücksichtigt wird“.