So schnell kann aus einem Umweltskandälchen ein ganz harmloser Fall werden: Nachdem am Montag Fotos aufgetaucht sind, die Kanister mit womöglich giftigem Inhalt auf der Windpark-Baustelle am Glaserkopf frei zugänglich auf dem Boden stehend zeigten, hat die EnBW nun herausgefunden, was wirklich in den Kanistern war. Laut Unternehmen befand sich nämlich kein giftiges Separol in den Kanistern, sondern lediglich Rapsöl. Eine Konsequenz aus dem Vorgang soll es trotzdem geben. Die EnBW will die Baustelle besser gegen unbefugten Zutritt sichern. Der Energieversorger, der die drei Windkraftanlagen auf dem Glaserkopf zur Zeit baut, erwägt den Einsatz eines Sicherheitsdienstes.

Pressesprecher Ulrich Stark – dem ohnehin beim Thema Glaserkopf fast täglich neue Überraschungen um die Ohren fliegen – äußerte sich reichlich angefressen über den ungebetenen Besucher auf der Baustelle, der dann das angeblich brisante Ergebnis seines Inkognito-Besuches an die Presse weitergab. Per Zuschrift wurden Fotos an die Zeitung geliefert, die Kanister mit dem giftigen Schalöl Separol F-100 (es wird beim Betonieren gebraucht) frei zugänglich und ohne Auffangwannen auf der Glaserkopf-Baustelle zeigten. Das Landratsamt schickte gleich eine mahnende Mail an die EnBW mit der Aufforderung, das Schalöl nach Vorschrift zu lagern.

Doch nun hat das Unternehmen nachgeforscht und offenbar eine Entdeckung gemacht, die den vermeintlichen Elefanten zur Mücke macht. Denn – so teilt Pressesprecher Stark mit – in den Kanistern sei kein giftiges Schalöl gewesen, sondern Rapsöl. „Aus dem Lidl, Aldi oder Penny, da wollen sich die Herren von der Baustelle nicht so genau festlegen“, sagt Stark. „Die ausführende Firma hat uns erklärt, dass sie im Sommer generell kein Separol, sondern immer Rapsöl zum Schalen verwendet.“ Abgefüllt werde es gerne „unter anderem in die offenbar sehr stabilen und gut zu handhabenden Sika-Kanister“. Alle Aufregung also umsonst? Nicht ganz. Denn einerseits gibt auch Ulrich Stark zu, dass auf einer Baustelle am Besten immer auch das in den Kanistern sein sollte, was draufsteht. Der vorliegende Fall zeigt ganz gut, dass andernfalls schnell Missverständnisse entstehen können. Die Baufirma hat sofort reagiert: Mit einem Filzstift wurde auf dem Etikett aus dem beim Einatmen lebensgefährlichen Separol ein schnödes Pflanzenöl.

Andererseits beschäftigt die EnBW die Tatsache, dass die Baustelle immer wieder trotz des Verbots Besuch von Unbefugten bekommt. Und hier überlegt das Unternehmen, ob es einen Sicherheitsdienst auf dem Glaserkopf auf Patrouille schickt. Denn – so vermutet Stark – es haben sich wohl auch schon Besucher aktiv Zutritt verschafft. Heißt: Die Absperrung war intakt und wurde von Neugierigen beiseite geschoben. „Oder sie sind durch den Wald geklettert“, sagt Stark. So müsste auch der Fotograf auf die Baustelle gekommen sein, denn – so hat Stark bei der Bauleitung erfahren – die Tore seien übers Wochenende zu gewesen.

Eine so riesige Baustelle wie die am Glaserkopf könne man allerdings nicht komplett umzäunen. „Wer da drauf will, der kommt auch drauf“, sagt der Pressesprecher, dem durchaus bewusst ist, dass ein Windpark von großem öffentlichen Interesse ist und damit Beobachter anzieht. „Wir stellen fest, dass es auf Windpark-Baustellen überall im Land viele Besucher gibt, die nach Dingen suchen und dann meinen, sie hätten den großen Skandal aufgedeckt. In 99,9 Prozent der Fälle ist dann hinterher gar nichts. Für uns ist das nervenaufreibend und lästig. Ich habe den Eindruck, das wird für viele zum Hobby.“