Ein sonniger Vormittag, kurz nach halb zwölf, die zweite große Pause nähert sich dem Ende. Während die etwa drei Dutzend Schüler der Hasler Grundschule mit den zwei andren Lehrerinnen des Kollegiums für eine letzte Lernetappe des Tages in die beiden Klassenzimmer verschwinden, hat die neue Rektorin Heike Grotjans ein Stündchen Zeit für eine 100-Tage-Bilanz. Dabei klingt neu eigentlich zu sehr nach Neustart, Sprung ins kalte Wasser und Eingewöhnungsbedarf. Tatsächlich ist die 56-jährige Pädagogin bereits seit 16 Jahren als Lehrerin an der Hasler Grundschule, das Rektorenamt hatte Heike Grotjans schon seit der Verabschiedung ihres Vorgängers Kurt Meier zum Schuljahresende 2015 kommissarisch inne.

„Ich wollte sehen, ob ich das kann und ob es mir Spaß macht“, erklärt sie die lange Probezeit. Vielleicht gab es auch die leise Hoffnung, dass sich noch jemand anders auf das Rektorenamt bewirbt, denn: Einfach so, ohne Notwendigkeit, das bekennt die Pädagogin offen, hätte sie sich nicht um die Schulleitung gerissen. Der Erhalt der kleinen Hasler Grundschule war dann aber Grund genug. Ohne ordentliche Leitung wäre es auf Dauer nicht gegangen und ein anderer Bewerber fand sich nicht. So ergriff Heike Grotjans mit ihrer Bewerbung Ende des vergangenen Jahres die Initiative, am 24. Februar dieses Jahres folgte die offizielle Ernennung zur Rektorin. „Das war morgens ein Anruf hier im Büro und mittags ein Händeschütteln im Schulamt“, erinnert sich Grotjans an die wenig feierliche Amtseinführung.

„Man trägt die Verantwortung, für alles“, bringt Heike Grotjans den Unterschied zwischen jetzigem Rektoren- und vormaligem Lehrerdasein auf den Punkt, und kommt im selben Atemzug auf die zweischneidige Besonderheit einer Kleinstschule zu sprechen, wie die Hasler Grundschule es ist: 41 Schüler, drei Lehrer (Rektorin eingerechnet), zwei Kombiklassen, in denen Erst- und Zweit, beziehungsweise Dritt- und Viertklässer gemeinsam unterrichtet werden. Einerseits ist das übersichtlich. Ob Lehrer, Schüler oder Eltern – jeder kennt jeden, räumlich wie persönlich besteht eine große Nähe, die Schulgemeinschaft ist fast familiär. „Das weiß ich sehr zu schätzen“, sagt Heike Grotjans. Andererseits gibt es bei einem Kollegium von drei Personen wenige Schultern, auf die sich die Aufgaben verteilen. Wenn nur eine Kollegin – also ein Drittel der Belegschaft – krankheitsbedingt ausfällt, wird schon das Sichern der Unterrichtsversorgung zur Herausforderung.

Neben dem Unterrichten sind etliche Aufgaben auszufüllen, damit eine Schule in der Zusammenarbeit mit diversen Ämtern, mit Zusatzaufgaben und als lebendige Gemeinschaft mit Aktionen vom Schulfest bis zu den Projekttagen rund läuft. Seit Neuestem gibt es immerhin eine Sekretärin, die das Rektorat zwei Stunden in der Woche unterstützt. Um so mehr schätzt die neue Rektorin das gute Umfeld ihrer Schule: Vor Ort unterstützt sie weiterhin ihr Vorgänger Kurt Meier, er hat schon Vertretungsstunden übernommen.

Sehr gut aufgenommen und unterstützt sieht sich die neue Rektorin im Kreis der Schopfheimer Schulleiter, die sich regelmäßig austauschen und der Neuen in ihren Reihen mit Erfahrung zur Seite stehen. Als aktuelle Herausforderungen an ihrer Schule nennt Grotjans die Kernzeitbetreuung, in der die Kinder unabhängig von den konkreten Unterrichtzeiten für einen gewissen Zeitraum verlässlich betreut sind. Hier müsse gemeinsam mit der Gemeinde eine Lösung erarbeitet werden. Ansonsten sieht die neue Rektorin ihre Grundschule in ihren eingespielten Abläufen, im Miteinander von Dorf und Elternschaft gut aufgestellt: „Das ist eine tolle Basis hier."

Zur Person

Heike Grotjansist 56 Jahre alt. Zum Beruf Lehrerin fand sie im zweiten Anlauf: Als sie in den 1990er Jahren ihr Pädagogikstudium in Heidelberg aufnahm, war die Religionspädagogin seit 14 Jahren als Gemeindediakonin tätig. Ihr Referendariat führte sie 1998 nach Haagen und Brombach, ihre erste Lehrerstelle trat sie in Herten an. 2001 kam sie nach Hasel.