Nun auch noch das: Nachdem der Zeitplan für den Windpark am Glaserkopf sowieso schon äußerst sportlich gestrickt war, ist es nun eine Baustelle auf der A 98 bei Binzen, die ihn endgültig umzukippen droht. Die Schwertransporte, die ab dem 14. August die einzelnen Elemente der drei Windkraftanlagen auf den Glaserkopf liefern sollten, können voraussichtlich nicht passieren.

Dadurch ist die geplante Inbetriebnahme zum 30. September endgültig in höchster Gefahr. Der Energieversorger EnBW sucht deshalb unter Hochdruck eine alternative Route. „Es läuft die 85. Minute und der Gegner führt 2:0“, zieht Ulrich Stark, Pressesprecher der EnBW, einen sarkastischen Fußball-Vergleich. „Aber gehen Sie dann vom Platz?“ Nein, die EnBW wird nicht vom Platz gehen. Kann sie auch gar nicht mehr, seit auf dem Glaserkopf Fakten aus Beton geschaffen – oder vielmehr gegossen worden sind. Esh wurde bekannt, dass eine Baustelle auf der Autobahn 98 – zwischen dem Autobahndreieck Weil am Rhein und Binzen – den Schwertransporten mit den Windrädern im Weg ist, die ab dem 14. August rollen müssen. Müssen deshalb, weil sonst der Schiedsrichter beim Stand von 0:2 abpfeift. Heißt: Dann wird der Windpark nicht bis zum 30. September ans Netz gehen können. „Wenn wir den 14. August nicht schaffen, dann war es das“, sagt Ulrich Stark.

Das heißt nicht, dass das gesamte Projekt damit in Frage gestellt wird. Aber der Stichtag 30. September ist deswegen so wichtig, weil an diesem Termin eine Menge Geld für das Energieversorgungsunternehmen hängt. Von einer „mittleren sechsstelligen Summe“ spricht der Pressesprecher. Die würde der EnBW bezogen auf das gesamte Projekt wie der Wind durch die Finger gleiten, wenn die Rotoren sich auch nur einen Tag später erst zu drehen beginnen. Denn schon ab dem 1. Oktober sinkt die gesetzliche Einspeisevergütung für die Betreiber von Windkraftanlagen. Ob sich das Ganze dann immer noch rentiert? „Ja“, sagt Ulrich Stark. „Es ist schon noch ein sinnvolles Projekt.“ Das erklärt auch, warum die EnBW trotz mehrfacher Störfeuer weiter am Ball blieb. „Spaß hat da aber keiner mehr dran“, sagt Ulrich Stark. „Jeden Tag eine neue Überraschung und dann noch Querschüsse von links und rechts.“ Zunächst wurden die Pläne der EnBW für fünf Windkraftanlagen zurückgestutzt. Eines wurde vom Unternehmen zurückgezogen, die Nähe zum nächsten Wohnhaus – den Mettlenhöfen bei Gersbach – zwangen das Unternehmen dazu, ein weiteres zurückzustellen. Hier läuft noch ein Widerspruchsverfahren. Dann aber rollte die Stadt Schopfheim den ersten Felsbrocken heran: Ein kurzes Stück Gersbacher Waldweg, das die EnBW gerne als Baustellenzufahrt genutzt hätte, wurde von der Stadt bekanntlich für tabu erklärt. Gegenwind bei Windpark-Projekten ist das Unternehmen gewohnt. „Aber dass sich eine Stadt in dieser Art dazwischendrängt, ist relativ einzigartig“, sagt Ulrich Stark. Auch die weiteren Hürden, die noch kommen sollten, haben das Unterfangen Glaserkopf zum Thema werden lassen.

Denn zwischenzeitlich erließ das Regierungspräsidium auch einen Baustopp für einen geplanten Alternativweg zur Baustelle, es bahnte sich ein Rechtsstreit an. Die EnBW wich deshalb auf eine ungünstigere Route durch Hasel aus und ließ nun die ersten Betonlaster auf den Glaserkopf rollen. Weitere sollen fahren. Allein diese Routenverlegung hat Zeit und Geld gekostet, nun legt wiederum das Regierungspräsidium dem Vorhaben die Baustelle auf der A98 in den Weg. Nun sind die Planer erneut auf der Suche nach einer alternativen Route. Dass das alles andere als eine leichte Übung ist, liegt auf der Hand: Tonnenschwere Windradelemente und meterlange Rotorblätter auf Speziallastwagen sind nichts, was man mal eben über die nächste Landstraße fahren kann. Jeder Kreisel, jeder Bahnübergang wird da zur Herausforderung. „Wir sind trotzdem optimistisch, dass wir es noch schaffen“, sagt Ulrich Stark. Eine Umgehung müsste allerdings schnell werden. „Der 14. August ist bald“, sagt Stark. Spätestens in der nächsten Woche läuft also die Nachspielzeit.