Die Figuren fallen sofort ins Auge: Zaubervögel, Erdmänner, Sagengestalten bevölkern das Areal des Landgasthofs Erdmannshöhle in Hasel. Die Skulpturen sind Zeugnisse eines außergewöhnlichen Kunstprojekts, das der heute in Wehr lebende Lehrer, Künstler und Kosmopoet Peter Grüninger vor 40 Jahren angestoßen hat: das Kunstforum Hasel.

Die Sage von den Erdmännlein inspirierte viele Gastkünstler.
Die Sage von den Erdmännlein inspirierte viele Gastkünstler. | Bild: Roswitha Frey

Aus dem Höhlendorf ein „Kunstdorf“ zu machen, war von Anfang an Grüningers Bestreben. In dicken Büchern hat er Zeitungsartikel, Einladungen und andere Dokumente archiviert. Beim Durchblättern staunt der 70-Jährige selbst, „was wir in diesen 40 Jahren alles veranstaltet haben“. Begonnen hat es 1981, als Grüninger in Schopfheim wohnte und ein Atelier suchte. Auf Spaziergängen fiel ihm auf, was für eine „poetische Gegend“ Hasel ist. Durch Vermittlung der damaligen Pfarrerin Inge Nestle konnte sich Grüninger im März 1981 ein Atelier im alten Kindergarten einrichten. Und er kam in Kontakt mit dem Wirtepaar Günther und Kriemhilde Bernstein, die den „Kronenkeller“ in Hasel betrieben.

Beim Zusammensitzen schlug Grüninger vor, in diesem urigen Lokal eine Galerie aufzumachen und wechselnde Ausstellungen zu organisieren. Den Auftakt machte Grüninger im Juli 1981 mit eigenen Arbeiten. „Es gab anfangs skeptische Stimmen, ob die Idee mit Kunst auf dem Dorf funktionieren kann“, erinnert sich der Initiator. Aber der „Dreiklang von Malerei, Musik und Poesie“ in der Gastwirtschaft fand auf Anhieb überraschend große Resonanz. „Wir hatten jeden Monat eine Vernissage.“ 1989 konnte die 100. Ausstellung im Kronenkeller eröffnet werden, 1997 die 250. Werkschau. Geschätzte 300 Künstler hat Peter Grüninger in all diesen Jahren nach Hasel gebracht, neben regionalen auch Kunstschaffende aus verschiedenen Ländern.

Von 1998 an entwickelte Grüninger seine Kunstinitiative in „größerem Maßstab“ im Landgasthof Erdmannshöhle weiter. In Wirt und Kochkünstler Horst Völker fand er einen kunstsinnigen Mäzen, der sein Gasthaus und den Garten für Grüningers Kunstideen zur Verfügung stellte. Zusammen bauten sie das „Kunstforum Erdmannshöhle Hasel“ auf. Die Kombination Kunst und Küche zog viele Leute an. Als nächster Schritt wurde das Gastkünstler-Programm ins Leben gerufen. Regionale, aber auch internationale Künstler wurden eingeladen, als „Artist in Residence“ mehrere Tage im Landgasthof zu verbringen. Mehr als 50 Gastkünstler aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Polen, Bulgarien, Rumänien, England, Japan, Südamerika, Afrika waren zu Gast im Höhlendorf.

Jede Künstlerin, jeder Künstler ließ sich auf individuelle Art vom Dorf, von der Landschaft, von der Tropfsteinhöhle, von der Sage inspirieren. Sukzessive wuchs über Jahre die „Collection Erdmannshöhle“, eine Sammlung von Bildern, Objekten, Kleinplastiken und Skulpturen, die Künstler während ihrer Aufenthalte in Hasel geschaffen haben. Über fünf Stockwerke erstreckte sich der Bilderturm im Treppenhaus.

Zudem hat Grüninger fünf Erdmanns-Symposien organisiert, bei denen zahlreiche Skulpturen zum Thema Erdmann-Mythos entstanden sind. In jüngerer Zeit ist es ruhig geworden um das Kunstforum – auch wegen der Corona-Pandemie, die keine Projekte zuließ. Auch seien im Haus Umstrukturierungen geplant, erläutert Grüninger. Im Garten und Außenbereich stehen nach wie vor rund 30 originell gestaltete Erdmanns-Figuren, die bei den Symposien und Gastkünstler-Aufenthalten geschaffen wurden.

Zum Jubiläum hat der in Wehr lebende Peter Grüninger, der 33 Jahre als Lehrer an der Grund- und Hauptschule Hausen unterrichtet hat, etwas Besonderes vor. Er möchte einen 20 bis 25 Meter langen „Magischen Zaun“ aus Cortenstahltafeln aufbauen, in den die noch im Skulpturengarten befindlichen Erdmanns-Figuren integriert werden, ergänzt durch neue Werke – als Erinnerung an die vielen Künstler, die hier zu Gast waren, und an 40 Jahre kreative Kunst in Hasel.