„Für die Schluchseewerk AG war es der wohl bedeutendste Meilenstein des Unternehmens, als im Kraftwerk Häusern 1931 zum ersten Mal elektrische Energie erzeugt wurde“, sagt Peter Steinbeck von der Stabsstelle Kommunikation des Energieversorgers. In Häusern selbst hatte der Kraftwerksbetrieb einen erheblichen Aufschwung bewirkt und zur Verbesserung der Infrastruktur in der Gemeinde beigetragen, sagt Bürgermeister Thomas Kaiser.

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„Noch heute ist jeder vierte, fünfte Haushalt in Häusern ein Schluchseewerk-Haushalt“, so Kaiser. Generationen von Häusernern hatten und haben Familienangehörige, die im Kraftwerk Schwarzabruck arbeiten, gearbeitet haben oder hier ihre Ausbildung absolviert haben. Noch heute unterhält das Unternehmen auf dem Kraftwerksgelände eine Ausbildungswerkstätte. Lehrlinge aus allen fünf Schluchseewerk-Kraftwerken absolvieren hier Teile ihrer Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik oder zum Industriemechaniker. Rund zehn Auszubildende sind es heute noch pro Jahrgang.

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„Die Ausbildungswerkstätte tut uns hier sehr gut“, sagt Kaiser. Überhaupt sei die Verbindung zwischen der Schluchseewerk AG und der Gemeinde Häusern in mehrerlei Hinsicht eng – zum Wohlergehen beider Seiten. „Die Schluchseewerk AG hat uns in vielen Bereichen unterstützt.“ Dazu gehöre, so Kaiser, zum Beispiel der Schneeräumdienst auf der Straße nach Schwarzabruck, für den das Unternehmen bis vor 20 Jahren mit eigenen Leuten gesorgt hat. „Jetzt hat das die Gemeinde übernommen, dabei werden wir finanziell von der Schluchseewerk AG unterstützt“, so Kaiser. Schon immer habe das Unternehmen auch großzügig an Einrichtungen der Gemeinde gespendet, zum Beispiel an den Kindergarten oder auch an Häuserner Vereine – waren doch viele Kraftwerksmitarbeiter Mitglieder in diesen Vereinen.

Eine Impression vom Bau des Maschinenhauses 1930.
Eine Impression vom Bau des Maschinenhauses 1930. | Bild: Schluchseewerk AG

Kaiser weist dazu auf die Bedeutung der ehemaligen Gaststätte Schwarzabruck hin. Die Gaststätte mit Blick auf das Staubecken gehörte der Schluchseewerk AG und war auch Kantine für die Kraftwerksmitarbeiter. Außerdem war sie ein beliebtes Ausflugsziel – bis das Gebäude vor einigen Jahren als nicht sanierbar abgerissen werden musste. Gut für den Ort seien auch die Kraftwerksführungen, die bis zum Einbruch der Pandemie im Kraftwerk angeboten wurden. Abgesehen von diesen langjährigen Vernetzungen sei das Unternehmen auch einer der bedeutendsten Steuerzahler in der Gemeinde, bekennt Thomas Kaiser.

Ein schmucker Anblick: die Maschinenhalle-
Ein schmucker Anblick: die Maschinenhalle- | Bild: Schluchseewerk AG

Derzeit arbeiten im Häuserner Kraftwerk noch acht Stammmitarbeiter. Früher, als die fünf Schluchseewerk-Kraftwerke noch personell autark waren, waren hier um die 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. In allen Schluchseewerk-Kraftwerken habe es damals eine eigene Betriebsleitung gegeben und jeweils eigenes Personal in allen Betriebsbereichen vom Büro bis hin zu Handwerksberufen wie Mechaniker, Schlosser oder Maler. Die Verwaltung für die Schluchseewerk-Kraftwerke war bis ins Jahr 2000 in Häusern angesiedelt. Dass die Schluchseewerk AG die Verwaltung nach Laufenburg verlegt hat, sei ein großer Verlust für Häusern gewesen, berichtet Bürgermeister Kaiser.

Dass die Schluchseewerk AG die Verwaltung nach Laufenburg verlegt hat, sei ein großer Verlust für Häusern gewesen, berichtet Bürgermeister Thomas Kaiser.
Dass die Schluchseewerk AG die Verwaltung nach Laufenburg verlegt hat, sei ein großer Verlust für Häusern gewesen, berichtet Bürgermeister Thomas Kaiser. | Bild: Sebastian Barthmes

Doch immer noch herrscht im Häuserner Kraftwerk ein Kommen und Gehen von Fachkräften. Denn viele Mitarbeiter sind in ihren jeweiligen Fachbereichen für alle Kraftwerke zuständig. „Wenn man die Mitarbeiter dazuzählt, die in dieser Weise ihren Dienstsitz in Häusern haben, sind es noch rund 60“, erläutert Anja Weißenberger von der Stabsstelle Kommunikation.

Blick auf das Betriebsgebäude

Wenn es auch in Räumen und Hallen der Betriebsgebäude auch vor Hightech nur so glänzt: Außen sehen die historischen Klinkerbauten aus, als seien sie gerade erst gebaut worden. Das habe einerseits mit regelmäßiger Pflege zu tun, vor allem aber damit, dass man zur Entstehungszeit sehr solide und sozusagen für die Ewigkeit gebaut habe, sagt Peter Steinbeck, ebenfalls Mitarbeiter der Stabsstelle Kommunikation. Auch habe das Kraftwerk im Zweiten Weltkrieg kaum Schäden davongetragen, abgesehen von ein paar Einschusslöchern, die Tiefflieger hinterlassen haben.

Die Maschinen selbst werden fortlaufend auf dem neuesten Stand gehalten, es gebe aber auch noch originale Technik aus den Gründerjahren, einzelne Maschinenteile wie Pumpen oder Turbinenspirale, erklärt Anja Weißenberger.

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Ein wichtiger Meilenstein für den Erhalt der Anlage seien 2018 die Sanierung des Schwarzabeckens und die Instandsetzung der Staumauer gewesen. Der Weg über die Staumauer-Krone hinweg ist Teil der beliebten Wanderroute nach Brenden und musste wegen der Bauarbeiten länger als ein Jahr gesperrt werden.

„Das Pumpspeicherkraftwerk Häusern spielt heute eine besonders wichtige Rolle bei der Energiewende“, schreibt Technik-Vorstand Nicolaus Römer in einer Presseerklärung zum 90-jährigen Bestehen. Stefan Vogt, der kaufmännische Geschäftsführer, nennt einen weiteren Grund für den langfristigen Erfolg des Kraftwerks: „Dass das Kraftwerk Häusern seit 90 Jahren läuft – und das ohne nennenswerte Probleme, ist auf die tadellose, generationenübergreifende Arbeit unserer Mitarbeitenden zurückzuführen.“

Feierlichkeiten zum stolzen Geburtstag des Pumpspeicherkraftwerks Häusern wird es pandemiebedingt allerdings nicht geben.