Rund 40 Menschen aus der Ukraine sind seit Beginn des Krieges als Flüchtlinge nach Häusern gekommen. So gut es geht, wolle die Gemeinde diese Menschen unterstützen, sagt Bürgermeister Thomas Kaiser. Deshalb hat er die Gäste und ihre Gastgeber zu einem Treffen eingeladen. Es war eine kleine Erholungspause in einer Zeit, in der die Ukrainer viele Sorgen und Ängste plagen. Reichlich war die Kuchenauswahl an diesem Nachmittag im Musikpavillon beim Kur- und Sporthaus. Nicht nur die Vermieter, sondern auch die Gäste hatten für das Zusammensein gebacken. Mit großem persönlichen Einsatz kümmere sich der Bürgermeister um die Geflüchteten, sagte der Arzt Alexander Stasiek, der an diesem Nachmittag übersetzte.

Auch Julia Kelz vom Jobcenter in Waldshut war gekommen. Weil ihre Behörde ab Juni für die Betreuung der Menschen aus der Ukraine zuständig ist, wollte sie mögliche Fragen beantworten. Im Namen aller ihrer Landleute wolle sie sich für die Möglichkeit, während des Krieges in Häusern zu leben, bedanken, sagte Olga Aleksandrova. Sie seien mit offenen Armen empfangen worden.

Olga Aleksandrova stammt aus Butscha und lebt jetzt in Häusern.
Olga Aleksandrova stammt aus Butscha und lebt jetzt in Häusern. | Bild: Sebastian Barthmes

Die 45-jährige Ökonomin selbst – sie stammt aus Butscha in der Nähe von Kiew – ist mit ihren beiden Kindern und den Schwiegereltern nach Häusern gekommen, ihr Mann musste zurückbleiben. Sie arbeite bei einem Kiewer Unternehmen, das über mehrere Auslandsvertretungen verfügt. Gerade befand sie sich auf einer Dienstreise in Polen, als der Krieg ausbrach, den gebuchten Rückflug trat sie nicht mehr an. Gleich versuchte sie, die Schwiegereltern zu überzeugen, zu ihr nach Polen zu kommen. Während sie eine Woche lang auf ihre Familie wartete, erkannte sie in den Nachrichten auch schreckliche Bilder aus ihrer Heimatstadt, erzählt sie. Und nun ist sie froh, in Häusern in Sicherheit zu sein. Sie sorgt sich um ihren Mann und die Menschen, die weiterhin im Kriegsgebiet leben. Die Erschütterung merkt man ihr an, wenn sie etwa von einer Familie in Butscha erzählt: Nur mit Glück seien sie mit dem Leben davon gekommen, als ihr Auto beschossen wurde. Aber auch sie hat Bekannte und Freunde, die ihr Leben verloren haben.

Doch sie seien nicht gekommen, um hier ein besseres Leben zu führen, sobald es geht, wollen sie und viele ihrer Freunde und Bekannten wieder zurück in die Heimat. Ihr Unternehmen hat die Mitarbeiter aus Kiew nach Warschau verlegt. Auch sie selbst arbeitet weiterhin online von Häusern aus, regelmäßig reist sie aber nach Polen. Sie habe Glück und könne eigentlich von überall arbeiten. Problemlos geht das aber trotzdem nicht: Zwar arbeite sie weiter für ihren alten Arbeitgeber. Da sie aber noch über keinen Aufenthaltsstatus in der EU verfüge, könne sie noch kein Gehalt erhalten. Das werde sich hoffentlich bald ändern.

Kleine Erleichterungen

Olga Aleksandrovas Problem werde sich sicher bald lösen, glaubt Bürgermeister Thomas Kaiser. Anderen Ukrainern in Häusern konnte er schon weiterhelfen: Ein Mann hat einen Minijob im Gemeindebauhof erhalten. Er werde hoffentlich von einem Handwerksbetrieb übernommen. Einer Frau konnte er eine Anstellung in einem Supermarkt vermitteln. Kaiser ist sich aber bewusst, dass man nur für Erleichterungen sorgen kann. Und dafür wolle er sich weiter einsetzen. Die Sorgen und die schlimmen Erfahrungen könne man den Menschen nicht jedoch nicht nehmen. Damit sie auch auf andere Gedanken kommen, leistet auch der Waldfreibad-Verein einen Beitrag: Alle in Häusern und Höchenschwand lebenden Ukrainer erhalten eine Saisonkarte für das Schwimmbad. Vor allem bei den Kindern war die Freude über das Geschenk groß.