Der Film „Tango y Migración“ des Häuserners Roman Kalka ist im Musikpavillon vor dem Kur- und Sporthaus zu sehen gewesen. Kalka, der selbst leidenschaftlicher Tangotänzer ist, drehte ihn in Buenos Aires. Er schrieb das Drehbuch, führte Regie und stand auch selbst hinter der Kamera.

Der Handlungsbogen ist weit gespannt: Die Erzählung reicht von der Einwanderung der Europäer nach Argentinien bis hin zur Migration in der heutigen Zeit.

Um das Jahr 1900 kamen rund sechs Millionen Einwanderer aus ganz Europa nach Buenos Aires, erzählt Roman Kalka. Viele brachten Instrumente aus der Heimat mit, es wurde gemeinsam musiziert und getanzt. Und so entstand der Tango, der aus verschiedenen Elementen europäischer Musik wie Polka und Walzer in Kombination mit argentinischen Einflüssen besteht.

Der Film erzählt von Tango-Touristen, die in der argentinischen Hauptstadt verschiedene Bekanntschaften machen. Sie erkunden die Stadt, sind bei Tangoveranstaltungen dabei, erfahren vieles über die Migration und die Geschichte des Tangos. Kalka zeigt unter anderem atemberaubende Bilder aus Buenos Aires und Tangotänze, zu hören ist mitreißende Musik.

Filme als Ersatz für Reisen

Schon in seiner Jugend in seiner Heimat Schlesien in Polen interessierte sich Roman Kalka sehr für Filme und deren Entstehung, für Geschichte und Tanz. Er wollte die Welt sehen, was aber in seinem damals kommunistischen Heimatland nicht möglich war. Und so waren Filme aus anderen Ländern für ihn der Ersatz für Reisen. Er interessierte sich zudem für das Entstehen von Filmen und las viel darüber.

Vor 36 Jahren kam Kalka dann nach Deutschland, am Kolleg in St. Blasien ist er als Elektriker tätig. Nach einem schweren Gleitschirmunfall im Jahr 2001 begann er mit dem Tangotanzen. „Mir wurde ein Leben geschenkt, da musste ich was draus machen“, sagte er. Und für ihn war dann auch klar, dass er Filme drehen muss.

Vor 15 Jahren gründete Kalka den Verein Kino und Kultur in St. Blasien, dessen Vorsitzender er lange war. Anlässlich der zehnjährigen Bestehens des Vereins entstand sein erster Film – im Mittelpunkt stand der Verein. Es sei „der einzige Film in Deutschland über einen Verein, den es tatsächlich gibt und bei dem die Mitglieder sich selbst spielen“, sagt Kalka. Auch damals schrieb er das Drehbuch und führte Regie.

Und irgendwann wurde die Idee geboren, einen Film über den Tango und die Einwanderung nach Argentinien zu drehen. 2013 begannen die Planungen, Kalka schrieb ein Drehbuch. Über Isabel Case aus Freiburg, Schauspielerin und Tangotänzerin, die auch in dem Film mitwirkt, bekam Kalka die Möglichkeit, sich einer Reisegruppe nach Buenos Aires anzuschließen. Zuvor hatte er bereits über Bekannte Kontakt zu den beiden Argentiniern Carlos Stasi und Marco Celentano geknüpft, die sich bereit erklärten, in dem Film mitzuwirken.

Aber auch andere Menschen aus Buenos Aires, unter anderem ein Taxifahrer und ein Friseur, kamen zu Wort. Die Offenheit der Menschen und der Bereitschaft, ihn und sein Team zu unterstützen, beeindruckten ihn, erzählt Kalka.

In Argentinien werde die Migration als Gewinn angesehen, so Kalka, die Probleme mit den Migranten in Europa verstehe man dort nicht. Insoweit sei der Film auch ein Anstoß zum Nachdenken, ergänzte Johannes Sebulka, der mit der Organisation der Open-Air-Kinovorführung befasst war.

16 Stunden Material

16 Stunden Filmmaterial brachte Roman Kalka mit nach Hause. Gefilmt hatte er mit einer Handkamera ohne Mikrofon und Beleuchtung, die Kulissen wurden kurzerhand vor Ort, unter anderem in einem Lokal, zusammengestellt. Und dann galt es, aus dem Material die Szenen für den rund eineinhalbstündigen Film zu schneiden – alles geschah natürlich in Eigenarbeit.

Premiere hatte der Film „Tango y Migración“ im Jahr 2018 in St. Blasien. Es folgten zahlreiche weitere Aufführungen, unter anderem in Freiburg, Aarau und auch in Roman Kalkas polnischer Heimat. Und nun auch in Häusern. Die Resonanz sei durchweg positiv gewesen, viele Menschen hätten nach der Filmvorführung das Gespräch gesucht, so Sebulke.

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