Eine umfassende Information zu den auf dem Giesbacher Kopf bei Häusern geplanten Windenergieanlagen stand in der Einwohnerversammlung auf dem Programm. Es war die zweite ihrer Art zu diesem Thema. Projektleiter Michael Pflaum (EnBW), Vertreter des Landratsamtes und Hannelore Reinbold-Mench, Bürgermeisterin von Freiamt, standen den etwa 130 Bürgern Rede und Antwort.

Seit acht Jahren Thema

Seit 2011 beschäftige das Thema Windkraft in Häusern, erklärte Bürgermeister Thomas Kaiser. Die Gemeinde habe das Verfahren begleitet, aber weder unterstützt noch verhindert, die Entscheidung läge beim Landratsamt. Jörg Gantzer, erster Landesbeamter, ergänzte, es handele sich um eine gebundene Entscheidung – wenn die Voraussetzungen gegeben seien, habe die „EnBW Energie Baden-Württemberg AG“ (EnBW) einen Rechtsanspruch auf Erteilung der Genehmigung.

Einhaltung der Grenzwerte

Projektleiter Pflaum stelle das Vorhaben detailliert vor. Aufgrund neuer Rechtsvorschriften hätte insbesondere das Schallgutachen überarbeitet werden müssen. Die Nachberechnung habe ergeben, dass auch unter Berücksichtigung der neuen Vorgaben alle Grenzwerte eingehalten würden. Ausgleichsflächen sollen in Häusern, St. Blasien und Dachsberg geschaffen werden.

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Zum Zeitplan erklärte der Projektleiter, dass derzeit die Einholung neuer Stellungnahmen in Bezug auf die ergänzten Angaben anstehe. Man habe die Hoffnung, eine Genehmigung im dritten Quartal 2019 zu erhalten, im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten beginnen und die Anlagen Mitte 2021 in Betrieb nehmen zu können.

Zahlen aus Freiamt

Hannelore Reinbold-Mench, Bürgermeisterin von Freiamt, auf deren Gemarkung seit 2001 Windenergieanlagen stehen, berichtete über diese Anlagen. Die Gästezahlen seien seit 1996 kontinuierlich gestiegen, durch die Windräder habe es keinen Einbruch gegeben, sagte sie.

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Das Thema Schall beschäftigt die Bürger sehr, dies wurde an diesem Abend deutlich. Pflaum betone insoweit mehrfach, dass die Grenzwerte der TA Lärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm, Bundesimmissionsschutzgesetz-Immissionsschutzgesetz) eingehalten würden. Dies gelte auch für die im Bereich der Tagespflegeeinrichtung als Pflegebereich besonderen Grenzwerte.

Sorge vor zu viel Lärm

Bei starken Wetterereignissen seien die Anlagen allerdings im Ort zu hören, räumte Pflaum auf die Befürchtung eines Bürgers, bei der Errichtung der Anlagen schlaflose Nächte verbringen zu müssen, ein. Aber: Derartige Wetterereignisse seien selten, erklärte er. Der Infraschall läge unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, so der Projektleiter weiter.

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Bedenken in Sachen Brandschutz – die Anlagen liegen im Wald – wurde von der Bürgerinitiative „Frische Wind für Häusern“ geäußert, die geplanten Maßnahmen seien nicht ausreichend, hieß es. Das Brandgutachten sei vom Kreisbrandmeister als nicht optimal eingeschätzt worden, räumte Caren-Denise Sigg, stellvertretende Leiterin des Amtes für Umweltschutz des Landratsamtes und federführend bei dem Verfahren, ein.

Gespräch mit Brandexperten

Ein Gespräch mit dem Kreisbrandmeister stehe an, was dieser vorschlage, werde sie auch anordnen, sicherte sie zu. „Das Vorgehen in Häusern ist eine Schande. Mit diesen Anlagen werden die Sterbeglocken für den Schwarzwald eingeläutet“, befand ein Bürger unter dem Beifall vieler. Er befürchtet einen deutlichen Rückgang der Gästezahlen. Es sei noch kein Nachweis erbracht worden, dass die Windkraft dem Tourismus schade, hielt Bürgermeister Kaiser entgegen, auch die Entwicklung der Gästezahlen in Freiamt spreche eine andere Sprache.

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Pflaum hatte in seinen Ausführungen auch den Rückbau nach 25 Jahren angesprochen. Dass ein solcher vollständig erfolgen wird, wurde insbesondere in Hinblick auf die Fundamente bezweifelt, vom „Märchen vom Rückbau“ war die Rede. Ein solcher mache nach 25 Jahren keinen Sinn. Im Übrigen wurde auf den, wie es hieß, „enormen CO2-Verbrauch“ beim Rückbau hingewiesen.

Kaiser verweist auf Steuerplus

Moniert wurde ferner, dass sich die Ausgleichsflächen nur teilweise in Häusern befinden. Der Rathauschef wies darauf hin, dass in Häusern kaum geeignete Flächen zur Verfügung stehen. Und was hat der Ort von den Anlagen? Eine Frage, die Bürgermeister Kaiser mit dem Hinweis auf die Gewerbesteuereinnahmen beantwortete. Und Hannelore Reinbold-Mench wie darauf hin, dass der Betreiber Ausgleichszahlungen an den Naturschutzfond zu leisten habe und dass die Möglichkeit bestünde, Gelder aus diesem Fond im Rahmen von Projekten in die Gemeinde zurückzuholen. Im Vorfeld der Versammlung hatten die Bürger Gelegenheit, sich vor Ort über das Projekt informieren zu lassen, eine Gelegenheit, die von 25 Bürgern wahrgenommen wurde.