Als spürte er die Kraft des Augenblicks, stimmte der kleine Vogel beim Kur- und Sporthaus sein Morgenkonzert an, als die etwa 30-köpfige Gruppe aus Bürgern mit pakistanischen Wurzeln zusammen mit Bürgermeister Thomas Kaiser und Bürgermeisterstellvertreterin Sabine Gruhn den Baum des Friedens im lehmigen Boden versenkten. „Mit dem von uns gestifteten Baum“, so Qamar Zia von der Ahmadiyya Muslim Gemeinde aus Tiengen, einer der Organisatoren der Aktion, „wollen wir ein Zeichen für ein gutes Zusammenleben setzen.“

Muboshir Ahmod Chaudhary, ein pakistanischer Neubürger, der seit 2014 im oberen Stockwerk des Rathauses eine Bleibe gefunden hat, hat die Idee an Bürgermeister Thomas Kaiser herangetragen. Zunächst mit einem arabischen Gebet beginnend, gewährte der Imam der Ahmadiyya Muslim Gemeinde den Umstehenden einen Einblick in ihre Religion. „Siehst du nicht, wie Allah ist“, fing er zu beten an, „er ist wie ein guter Baum, der seine Frucht hervorbringt und Gleichnisse trägt.“

Wir wollen Bäume pflanzen, die auf der einen Seite die Umgebung verschönern, auf der anderen Seite aber auch Früchte der Liebe tragen, betonte Qamar Zia. Dieser Baum, meinte er entschlossen, hat eine spirituelle Erscheinung, was wir und jeder Ahmadi stets im Sinn haben.

„Wir erheben auf der ganzen Welt unsere Stimme gegen den Terrorismus und möchten, dass die Welt statt in Zwietracht, in Liebe und Harmonie miteinander lebt“, ging er weiter auf die Botschaft ein. Die Ahmadiyya-Gemeinde gehöre zur Glaubensrichtung des Islam und habe ihren Ursprung auf dem indischen Kontinent, vorrangig in Pakistan, erklärte er darüber hinaus.

Wie Bürgermeister Kaiser anschließend schilderte, habe die Gemeinde Häusern gerne zugestimmt, als Muboshir Ahmod Chaudhary diesbezüglich auf ihn zukam. „Es ist ein würdiger Anlass und bedeutet uns hier in Häusern viel“, sagte der Rathauschef, „und so, wie wir den Baum in Ehre halten werden, wollen wir uns alle für den Frieden einsetzen.“ Nicht zu tief, damit die Wurzeln genügend Sauerstoff aufnehmen können, wurde dann der noch junge Baum an seinem für ihn vorgesehenen Ort in der Nähe des Kur- und Sporthauses ausgerichtet und die Grube wieder mit Erde gefüllt.

Um den Laubbaum zusätzlich zu stützen, hielten Helfer einen Kokosstrick bereit, um ihn an einem Holzpfahl festzubinden. Dann folgten noch die letzten Handgriffe. Denn erst ein Schild, das auf die Aktion hinweist, gab dem Baum den letzten Schliff. Mit einer Spur Besorgnis, wissend, dass die ideale Pflanzzeit eigentlich der Herbst ist, sagte der Bürgermeister: „Jetzt muss er nur noch wachsen.“

Zuletzt hielten die Männer von der Ahmadiyya-Gemeinde noch eine Überraschung bereit. Noch vor Beginn der Aktion hatten sie mit Schwung in Windeseile einen kleinen Pavillon aufgestellt. An einem darunter platzierten Büfett mit traditionellen, pakistanischen süßen und herzhaften Speisen luden sie die Anwesenden ein, um dort noch zu verweilen.

Bürgermeister Thomas Kaiser versprach unterdessen, dass das junge Bäumchen irgendwann, wenn es einmal Früchte trägt, der Grund zu einem weiteren Treffen sein solle.