Im Pflegeheim Himmelspforte gibt es sieben weitere Covid-19-Fälle. Betroffen sind sechs Bewohner und eine Mitarbeiterin. Aufsichtsratsmitglied Karl-Heinz Huber geht davon aus, dass dank schneller Tests sowie Quarantänemöglichkeiten die Ansteckungskette unterbrochen wurde. Am Sonntag lagen die Testergebnisse vor: Sechs Bewohner tragen das Virus in sich, eine ist seit Freitag im Krankenhaus. Eine Mitarbeiterin der Hauswirtschaft, die keinen Kontakt zu den Bewohnern hatte, wurde ebenfalls positiv getestet. Die fünf in der Einrichtung verbliebenen Senioren – alle sind weit über 80 Jahre alt – werden zur Quarantäne in Schulungsräumen untergebracht. Ihnen gehe es den Umständen entsprechend gut. „Sie husten alle und haben erhöhte Temperatur, aber kein Fieber.“

Karl-Heinz Huber
Karl-Heinz Huber | Bild: Verena Pichler

Es war die Pressemitteilung vom vergangenen Donnerstag, die den Stein ins Rollen gebracht hat, wie der Pressesprecher des St. Josefshauses, Andreas Gräff, in einem gemeinsamen Gespräch mit Huber und Bürgermeister Tobias Benz am Montag erläuterte. Kaum war die Nachricht, dass sich zwei Verwaltungsmitarbeiterinnen infiziert hätten, publik, meldeten sich mehrere Angehörige. Ob denn daran gedacht worden sei, diejenigen Mitarbeiter, die sich zuvor krankgemeldeten hätten, abzufragen. Aus Datenschutzgründen wird in der Krankmeldung an den Arbeitgeber nicht der Grund genannt. „Wir haben dann gleich alle abtelefoniert“, so Huber. Drei von ihnen hatten tatsächlich bereits Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufgenommen, weil sie passende Symptome bei sich festgestellt hatten.

Um Klarheit zu bekommen, wurden am Samstagmorgen alle Mitarbeiter der Himmelspforte auf das Gelände des St. Josefshauses – einer der rund 20 Gesellschafter der Einrichtung – bestellt und vor Ort getestet. Ebenso wurden alle Bewohner einem Test unterzogen. „Wir haben das große Glück, dass unser ärztlicher Dienst solche Tests vorrätig hat und ausgeben konnte“, so Huber. Als weiterer Glücksfall stellte sich heraus, dass eine Angehörige eines Bewohners gute Kontakte zu einem schweizerischen Labor hat. Dieses erklärte sich bereit, die Tests schnell abzuarbeiten, so dass am Sonntag die Ergebnisse vorlagen: Sechs Bewohner tragen das Virus in sich, wovon eine auf eigenen Wunsch bereits seit Freitag im Krankenhaus ist. Eine Mitarbeiterin der Hauswirtschaft, die keinen Kontakt zu den Bewohnern hatte, wurde ebenfalls positiv getestet. „Vier weitere Tests von krankgeschriebenen Mitarbeitern stehen noch aus“, so Huber.

Durch die gute Infrastruktur konnte innerhalb kurzer Zeit eine Quarantänestation errichtet werden. Die fünf in der Einrichtung verbliebenen Senioren – alle sind weit über 80 Jahre alt – werden in Schulungsräumen untergebracht, die neben einer in der Himmelspforte befindlichen Wohngruppe für Menschen mit Behinderung liegen. Die Mitarbeiter des Werkhofs haben dabei geholfen, die drei Räume ansprechend herzurichten. Ein betroffener Mann wird alleine untergebracht, die vier Frauen teilen sich je zu zweit einen Raum. „Es sind große, helle, freundliche Räume“, betont Huber. Angehörige hätten sie sich im Vorfeld auch anschauen können. Die Benachrichtigung per Mail – bei negativem Ergebnis – und per Telefon hatte Aufsichtsratsmitglied Walter Schwarz übernommen. „Die Reaktionen waren unterschiedlich, jedoch gefasst.“ Auch den betroffenen Bewohnern ginge es den Umständen entsprechend gut. „Sie husten alle und haben erhöhte Temperatur, aber kein Fieber.“

Die Mitarbeiter seien am Freitag, beim großangelegten Test, zum Teil sehr angespannt gewesen, auch Furcht sei zu erkennen gewesen. Die Erleichterung, dass das Pflegepersonal komplett gesund ist, sei riesig. „Das wäre ein großes Problem gewesen, wenn wir ein Drittel oder mehr in Quarantäne hätten schicken müssen“, so Huber. Er steht in ständigem Kontakt zur stellvertretenden Pflegedienstleiterin Manuela Kaltenbach. „Die macht das hervorragend.“ Froh über das gute Krisenmanagement ist auch Bürgermeister Tobias Benz. Dieser Fall zeige exemplarisch, wie wichtig schnelle Tests seien.

44 davon hat der Leiter des ärztlichen Dienstes, Adolf Diefenhardt, aus seinem eigenen Bestand zur Verfügung gestellt. Neun hat er bisher vom Landkreis zurückbekommen. Denn auch für die Bewohner des St. Josefshauses muss es im Fall des Falles schnell gehen. „Zum Glück haben wir bisher keinen Verdachtsfall“, so Gräff.

Um die Versorgung der Bewohner in der Himmelspforte sicherzustellen, wurden Teams von Pflegekräften gebildet, die untereinander keinen Kontakt haben. Einer der vier Ärzte, die für die Himmelspforte arbeiten, wurde für die Quarantänepatienten abgestellt. Die fünf Bewohner dürfen miteinander essen und reden. „Sie müssen jetzt alle durch den Krankheitsverlauf durch.“ Und auch die Bewohner aus der Wohngruppe nebenan haben dafür gesorgt, dass sich die temporären Nachbarn wohlfühlen. In großen, laminierten Buchstaben steht „Herzlich Willkommen“ am Eingang.